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Konkurrenz am Kapitalmarkt : Deutsche Bank kämpft um Platz im Investmentbanking

Finanzviertel in London. Bild: Marc-Steffen Unger

Die Erträge sprudeln im Kapitalmarktgeschäft zwar nicht mehr so wie vor der Finanzkrise. Aber sie stabilisieren sich. Führend sind amerikanische Banken.

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          Die Aussichten für die im Kapitalmarktgeschäft tätigen Investmentbanken haben sich gebessert. Das liegt an der guten Entwicklung der Weltwirtschaft. Trotzdem bleiben die großen Häuser, zu denen weiterhin die Deutsche Bank zu zählen ist, einem Gegenwind ausgesetzt. Denn die höheren Eigenkapitalanforderungen für den Wertpapierhandel belasten die Profitabilität der Investmentbanken. Dank des konjunkturellen Aufschwungs sind die Erträge im Kapitalmarktgeschäft in diesem Jahr aber gestiegen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Finanzanalysehaus Dealogic kommt im zu Ende gehenden Jahr auf Einnahmen aus Anleihe- und Aktienplazierungen sowie der Fusions- und Übernahmeberatung von insgesamt 78 Milliarden Dollar, was einem Anstieg von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Hinzu kommen die Erträge aus dem Wertpapierhandelsgeschäft, die in den Zahlen von Dealogic aber nicht enthalten sind. Diese sind aber schon seit Jahren stark rückläufig, was mit den schon erwähnten strengeren Vorgaben der Aufsichtsbehörden nach der Finanzkrise zu begründen ist.

          Verdienten die großen Investmentbanken im vierten Quartal 2009 im Handel mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen noch 134 Milliarden Dollar, waren es nach einer Statistik der Ratingagentur Moody’s im dritten Quartal 2017 nur noch 63 Milliarden Dollar. Dieser Rückgang trifft auch die Deutsche Bank, die im Anleihehandel zu den führenden Adresse in der Welt zählt. Zumindest fällt der kurzfristige Vergleich erfreulicher aus: Gegenüber 2015 und 2016 haben sich die Erträge aus dem Handel mit Anleihen, Rohstoffen und Devisen in diesem Jahr erholt.

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          Verglichen mit dem Anleihegeschäft, fällt der Ertragsrückgang im Aktienhandel nicht ganz so dramatisch aus: Im vierten Quartal 2009 waren hier noch 47 Milliarden Dollar zu verdienen, im dritten Quartal 2017 waren es 38 Milliarden Dollar. Unangefochten die Nummer eins unter den Investmentbanken ist die amerikanische Großbank JP Morgan Chase. Die Erträge mit Anleihe- und Aktienplazierungen sowie der Fusions- und Übernahmeberatung beliefen sich für das von Jamie Dimon geleitete Institut im vergangenen Jahr nach Zählung von Dealogic auf 6,4 Milliarden Dollar (siehe Tabelle). Dahinter folgen die Wall-Street-Konkurrenten Goldman Sachs, Bank of America, Morgan Stanley und Citi. Die erste europäische Adresse ist auf dem sechsten Rang die Credit Suisse, dahinter liegt die britische Barclays. Abermals nur den achten Platz belegt in dieser Rangliste die Deutsche Bank, die sich einmal zum Ziel gesetzt hatte, als einzige europäische Investmentbank den amerikanischen Wettbewerbern Paroli zu bieten.

          Goldman Sachs bei M&A-Beratung führende Adresse

          In der Königsdisziplin, der Beratung von Fusionen und Übernahmen, nennt das Analysehaus Thomson Reuters die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs als führende Adresse. Sie war in Unternehmenstransaktionen im Volumen von 908 Milliarden Dollar beratend tätig. Dahinter kommen auch hier die amerikanischen Banken. Erfreulich für die Deutsche Bank ist der Sprung vom zehnten auf den sechsten Rang, zumal das Beratungsgeschäft für das Renommee von Investmentbanken sehr wichtig ist. In Deutschland machte in der Thomson-Reuters-Rangliste JP Morgan das Rennen. Dahinter folgen Morgan Stanley, Citi, Lazard und Rothschild. Die Deutsche Bank hat sich vom achten auf den sechsten Rang vorgearbeitet.

          Die Übernahmen ausländischer Unternehmen in Deutschland fallen deutlich größer aus als die Zukäufe deutscher Gesellschaften im Ausland. Das führt Thomson Reuters auf die Übernahme des amerikanischen Saatgutherstellers Monsanto durch den deutschen Pharmakonzern zurück, der mit einem Volumen von 64 Milliarden Dollar den Gesamtwert für das Jahr 2016 stark nach oben gehoben hat. Dementsprechend sanken die Transaktionen mit Ziel im Ausland um zwei Drittel auf 38,7 Milliarden Dollar, während sie sich in umgekehrter Richtung auf 81,8 Milliarden Dollar fast verdoppelt haben.

          An der Börse werden Banken eher skeptisch bewertet

          Die größte Transaktion in diesem Jahr mit einer deutschen Adresse als Käufer ist noch längst nicht in trockenen Tüchern. Denn den spanischen Autobahnbetreiber Abertis umwerben nicht nur der spanische Baukonzern ACS über dessen deutsche Tochtergesellschaft Hochtief, sondern auch der italienische Konkurrent Atlantia. Die italienische Mautstraßengesellschaft, hinter der die Benetton-Familie steht, hat schon eine Offerte über 16 Milliarden Euro vorgelegt und will diese voraussichtlich um weitere 3 Milliarden Euro aufstocken. Hochtief hatte im Oktober über 17 Milliarden Euro für Abertis geboten.

          Die zweitgrößte Transaktion ist der Versuch des finnischen Versorgers Fortum, den deutschen Kraftwerksbetreiber Uniper für 8 Milliarden Euro zu übernehmen. Der frühere Uniper-Eigentümer Eon hat sich schon verpflichtet, seine 47 Prozent an Fortum zu verkaufen. Weitere große Übernahmen waren der Verkauf des Pflanzenschutzgeschäfts von Bayer an BASF für 5,9 Milliarden Euro sowie die Fusion des Siemens-Zuggeschäfts mit der französischen Alstom.

          An der Börse wird ein großes Kapitalmarktgeschäft von Banken eher skeptisch bewertet. So hat der Aktienkurs von Goldman Sachs, die eine reine Investmentbank ist, in diesem Jahr nur um 7 Prozent zugelegt. Dagegen hat die Aktie der breit aufgestellten Bank of America um ein Drittel an Wert gewonnen. Mit einem Kursplus von fast 80 Prozent ist der Anteilsschein der Commerzbank in diesem Jahr die europäische Bankaktie, die am besten gelaufen ist. Auch hier schneiden die Titel von Banken mit großem Kapitalmarktgeschäft schlechter ab. Der Kurs der Deutschen Bank ist um 9 Prozent vorgerückt, während der Titel der französischen BNP Paribas um rund 3 Prozent gestiegen ist.

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