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Kosten für Übernahmeangebot : Die Comdirect wird immer teurer

Logo von Comdirect an dem Sitz der Bank in Quickborn Bild: dpa

Muss die Commerzbank ihr Übernahmeangebot an die Aktionäre der Direktbank doch noch aufbessern? Bislang stehen 11,44 Euro je Aktie im Raum.

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          Vielleicht schon Ende Oktober, aber wohl auf jeden Fall noch vor Weihnachten werden die Aktionäre der Comdirect Post erhalten. Denn die Commerzbank, der 82 Prozent der Comdirect-Aktien gehören, will die Direktbank komplett übernehmen. Derzeit bereitet die Commerzbank ihr verbindliches Angebot im Detail vor, anschließend kann die Finanzaufsicht Bafin sich zehn Tage Zeit für die Prüfung nehmen, dann geben Vorstand und Aufsichtsrat ein Urteil zum Angebot ab. Es kann also auch Dezember werden, bis die Aktionäre das verbindliche Angebot erhalten. Dabei ist der Preis seit 20. September angekündigt: Die Commerzbank will 11,44 Euro je Comdirect-Aktie bieten.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Allerdings spekulieren mehr und mehr Anleger offensichtlich darauf, dass die Commerzbank ihr angekündigtes Angebot noch einmal aufbessern wird. Das hat der Vorstand mit dem Vorsitzenden Martin Zielke und dem für Finanzen verantwortlichen Stephan Engels eigentlich ausdrücklich ausgeschlossen. Doch wie ist zu erklären, dass die Aktie der Comdirect seit dem 20. September steigt und steigt?

          Ein 25-Prozent-Aufschlag für die Aktionäre

          Gegenüber dem Schlusskurs vom 19. September ist das Angebot der Commerzbank üppig: 11,44 Euro sind 25 Prozent mehr, als die Comdirect-Aktie kostete, bevor die Übernahmepläne bekanntwurden. Aber schon am ersten Handelstag nach Bekanntgabe der Übernahmepläne sprang die Comdirect-Aktie auf das Niveau des angekündigten Übernahmepreises – eine nachvollziehbare Reaktion. Weniger nachvollziehbar ist, dass der Kurs seither weiter gestiegen ist und am Donnerstag mit 12,24 Euro den höchsten Kurs seit Juli 2018 erreicht hat.

          COMDIRECT

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          Wirft man den Blick zurück auf den Beginn der wahrscheinlich bald endenden Börsengeschichte von Comdirect, sind Kurse zwischen 11 und 13 Euro wenig. Zu 31 Euro wurde die Comdirect-Aktie vor dem Börsengang im Juni 2000 ausgegeben, drei Monate zuvor hatten die Kurse am damaligen Neuen Markt ihre Höchststände erreicht. Comdirect profitierte noch von dieser Euphorie gegenüber den Unternehmen der ersten Internetgeneration, der Aktienkurs legte am ersten Börsentag 20 Prozent zu und erreichte in der Spitze 36 Euro. Wer damals zum Höchstkurs einstieg, hat also zwei Drittel seines Einsatzes verloren.

          Viel schlimmer als heute sah es aber im Jahr 2002 aus, als der Comdirect-Kurs auf kaum mehr als 2 Euro fiel. Durch die Finanzkrise der Jahre 2007 bis 2011 ist die Comdirect-Aktie mit Kursen zwischen 13 und 4 Euro nicht gut, aber besser als andere Banken gekommen – nicht zuletzt als die Muttergesellschaft Commerzbank, die im Winter 2008/2009 nur dank 18 Milliarden Euro Staatshilfe überlebte und deren größter Aktionär der Bund noch immer ist.

          Neue strategische Ausrichtung der Commerzbank

          Im August 2018 fiel der Kurs der Commerzbank auf das Rekordtief von 4,72 Euro. Bis Mitte September erholte sich die Commerzbank-Aktie auf Kurse von mehr als 6 Euro, doch seither fällt sie – ganz im Gegensatz zur Comdirect – wieder. Offensichtlich überzeugt die Anleger die am 20. September vom Vorstand erläuterte neue strategische Ausrichtung nicht. Am Donnerstag zahlten Anleger für eine Commerzbank-Aktie 4,81 Euro, also nur 0,09 Euro mehr als zum Rekordtief im August.

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