https://www.faz.net/aktuell/finanzen/die-co2-bilanz-im-dax-weist-noch-viele-luecken-auf-18240737.html

Offenlegung der Emissionen : CO2-Bilanz im Dax weist noch viele Lücken auf

Ziel sind weniger Treibhausgasemissionen, aber die Messung fällt den Dax-Unternehmen schwer. Bild: obs

Nach außen geben sich die 40 Dax-Unternehmen gerne klimabewusst. Doch eine Studie der Ratingagentur Scope fällt wenig schmeichelhaft aus. Die Art, wie sie Emissionen offenlegen, weist noch Mängel auf.

          3 Min.

          Wenn es darum geht, sich nach außen möglichst nachhaltig und klimabewusst zu verkaufen, müssen die 40 Unternehmen aus der deutschen Börsen-Bundesliga Dax wohl keinen Vergleich scheuen. Blickt man aber näher auf die Offenlegungspraxis zu den CO2-Emissionen, tun sich noch erhebliche Lücken auf. Zu diesem Ergebnis sind die Analysten der deutschen Ratingagentur Scope gelangt, die sich mit der Berichterstattung zu den sogenannten Scope-3-Emissionen im Dax auseinandergesetzt haben. Dabei handelt es sich um alle Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette eines Unternehmens, auch wenn diese nicht direkt von ihm kontrolliert werden können. Doch das Beispiel der Autohersteller wie Volkswagen , Mercedes-Benz oder BMW zeigt, dass diese Emissionen über die verkauften Autos den Großteil der CO2-Bilanz ausmachen können.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Ergebnisse der Scope-Analysten fallen für die Dax-Unternehmen wenig schmeichelhaft aus. Nur die Hälfte der 40 Gesellschaften veröffentliche Informationen zu mehr als vier von 16 Kategorien indirekter Treibhausgasemissionen. Angaben zu den Emissionen eingekaufter Waren und Dienstleistungen machten nur 26 Unternehmen. Weniger als die Hälfte der Dax-Gesellschaften berichte über die wichtigste Kategorie „Verwendung verkaufter Produkte“. Sieben Unternehmen berichteten derzeit überhaupt nicht über Scope-3-Emissionen.

          Nach Ansicht von Scope-Analyst Bernhard Bartels, einer der Autoren dieser Studie und Nachhaltigkeitsfachmann der Ratingagentur, stellten diese Lücken in der Berichterstattung vor allem Vermögensverwalter und Fondsmanager vor Herausforderungen. Denn die müssten Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Anleger gerecht werden und brauchten dafür Informationen zu den Emissionen der Unternehmen, in die sie investierten. Sie müssten vom kommenden Jahr an nach der EU-Offenlegungsrichtlinie über die Treibhausgasemissionen ihrer Portfolios berichten. Doch die großen Unternehmen seien dazu erst vom Jahr 2025 an auf Basis der Zahlen 2024 verpflichtet. Deshalb werde es für Fondsmanager schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, die EU-Richtlinie zu erfüllen, wenn sie in Unternehmen mit unzureichender CO2-Berichterstattung investiert seien. Nach Angaben von Scope ist die lückenhafte Berichterstattung nicht nur ein Problem deutscher Unternehmen.

          Noch große Unterschiede

          Wenig zu beanstanden haben die Analysten in der Offenlegung der in der Produktion direkt zu verantwortenden Emissionen (Scope 1) oder dafür eingesetzten Energie (Scope 2). Der CO2-Fußabdruck von Finanzinstituten wird nach Angaben von Scope hauptsächlich durch die Treibhausgasemissionen ihrer Finanzanlagen bestimmt, was zu den indirekten Emissionen (Scope 3) gehört. Doch hier wären die Banken und Versicherer auf die entsprechenden Angaben der Unternehmen, an denen sie beteiligt sind oder denen sie Kredite gewährt haben, angewiesen. Deutsche Bank, Allianz, Münchener Rück oder Deutsche Börse gehören nicht zu den zehn Dax-Unternehmen mit der transparentesten CO2-Berichterstattung. Zu diesen zählen die Scope-Analysten Siemens, Airbus, Volkswagen, BASF, Mercedes-Benz, BMW, RWE, Continental, Eon und Heidelberg-Cement.

          Doch bleibt die Ermittlung der indirekten Treibhausgasemissionen ein Problem, denn die Veröffentlichungspraktiken zwischen den unterschiedlichen Sektoren weichen stark voneinander ab. Scope-Fachmann Bartels macht dies an den Ergebnissen im Dax fest. Hier bestünden noch große Unterschiede, während die direkt von den Unternehmen zu beeinflussenden Treibhausgasemissionen schon sehr umfassend offengelegt würden. Anhand der sogenannten Scope-1- und Scope-2-Emissionen werden regelmäßig die Klimabilanzen für den Dax und andere Indizes erstellt. Doch geben diese nur ein unvollständiges Bild ab, weil die Emissionen in den vor- und nachgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette darin nicht berücksichtigt werden.

          Flottenziele für Autokonzerne

          Das Beispiel der Autohersteller zeigt, welche Bedeutung die Scope-3-Emissionen haben. Sie müssen viele Vorprodukte einkaufen, deren Herstellung mit hohen Treibhausgasemissionen verbunden ist. Das gilt zum Beispiel für Bauteile aus Stahl, Aluminium oder Kunststoff. Schließlich stoßen die fahrenden Autos, wenn sie von Benzin- oder Dieselmotoren angetrieben werden, viele Schadstoffe aus. Deshalb hat die EU den Autokonzernen Flottenziele auferlegt, mit denen sie den CO2-Ausstoß der verkauften Autos reduzieren müssen.

          Oft tauchen die Emissionen in verschiedenen Unternehmen mehrfach auf. Ein Beispiel ist der Autozulieferer Continental, der bei VW, BMW oder Mercedes-Benz indirekte Emissionen verursacht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Löste die großen Proteste in Iran aus: die im Polizeigewahrsam ums Leben gekommene Masha Amini.

          Proteste in Iran : Die Welt steht an einem Wendepunkt

          Die Proteste in Iran nach dem gewaltsamen Tod von Mahsa Amini haben das Zeug, nicht nur das Regime in Teheran zu Fall zu bringen. Sie fordern den gesamten politischen Islam heraus. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.