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Die Börsenwoche : Gewinnmitnahmen und Wundenlecken

Handelssaal der Deutschen Börse Bild: dpa

Es war beileibe nicht die schönste Woche an den Aktienmärkten. Drei rote Tage und dazwischen seitwärts - das tut weh.

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          Schon zu Beginn dieser Woche fuhr den Anlegern ein gehöriger Schreck in die Glieder. Mit den global wieder steigenden Infektionszahlen verflüchtigte sich der schwach fundierte Optimismus, die zweite Welle der Corona-Pandemie könne ausbleiben oder wenigstens nicht so schlimm werden. Der F.A.Z.-Index endete 4,5 Prozent tiefer als am Freitagabend, und auch der amerikanische S&P-500-Index gab nach – und das, nachdem die Wall Street schon am Mittwoch der Vorwoche den Rückwärtsgang reingerammt hatte. Wären die Kursverluste am deutschen Aktienmarkt so weitergegangen, hätte dieser Ende der kommenden Woche sein Corona-Tief unterboten.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aber zunächst schien es ja noch einmal gutzugehen. Am Dienstag stabilisierten sich die Kurse, und am Mittwoch sah die Welt auf niedrigerem Niveau eigentlich wieder ganz fröhlich aus, auch wenn der Dax am Montag ein Acht-Wochen-Tief erreicht hatte. Doch wie so oft, dräute das Ungemach in Übersee. Der S&P-500-Index entschloss sich, keinesfalls seinen kurzfristigen Abwärtstrend zu verlassen, und setzte auf das Minus vom Montag am Mittwoch ordentlich einen drauf. Verwunderlich ist das nicht: Am Monatsanfang hatte der Index mit 3580,84 Punkten noch ein neues Allzeithoch erreicht, als das mit der zweiten Corona-Welle und möglichen weiteren Lockdowns an den Aktienmärkten noch nicht so recht eingesickert war. Der Dax dagegen hat sein Allzeithoch, das er unmittelbar vor Beginn der Corona-Krise mit 13789 Punkten erreicht hatte, immer noch nicht geschafft, was ihm vielleicht jetzt zum Vorteil gereicht.

          F.A.Z.-Index

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          Den Unterschied machen in beide Richtungen die Technologiewerte, von denen es in Amerika viel und in Deutschland eher wenige gibt. Diesen waren die Höchststände fast ausschließlich zu verdanken, während sonst fast überall die Kurse die Entwicklung der Wirtschaft widerspiegelten. Im Grunde gerechtfertigt, findet Tillmann Galler, Stratege von JP Morgan AM. Gewisse Industrien seien eben besser geschützt, profitierten sogar. Vermeintlich preiswerte Aktien könnten dagegen Unternehmen gehören, die bei längerer Dauer der Pandemie irgendwann vielleicht nicht mehr da seien.

          Die jüngsten Verkäufe treffen zwangsläufig die Aktien mit den größten Kursgewinnen: Tesla etwa, die vom Corona-Tief aus rund 480 Prozent zulegten und nun 22 Prozent nachgaben – immer noch ein Plus von 353 Prozent. Oder die E-Commerce-Plattform Pinduoduo, deren Kurs um 165 Prozent stieg und zuletzt um 15 Prozent fiel. Das nennt man wohl Gewinnmitnahmen. Die können weh tun und verunsichern, oft in Deutschland noch mehr als in Übersee. Fürs Erste gilt daher jetzt Wundenlecken.

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