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Die Börse 2019 : Börsenneulingen droht ein schweres Jahr

Frankfurter Börse: Investmentbanker sind in diesem Jahr vorsichtig mit Blick auf Börsengänge. Bild: Claus Setzer

Investmentbanker sind ungewohnt vorsichtig für Börsengänge 2019. Aber VW, Continental und Thyssen-Krupp könnten Sparten abspalten, ohne dass Anleger Aktien kaufen müssen.

          Obwohl in Europa im zweiten Halbjahr 2018 mehr als zwanzig Börsengänge (IPOs) mangels Nachfrage abgeblasen werden mussten, war 2018 für die Deutsche Börse, gemessen an der Zahl der Neulinge, das beste IPO-Jahr seit 2007. Gemessen am Emissionsvolumen, war es sogar das beste seit dem Rekordjahr 2000, als die ersten Internet-Unternehmen die Anleger in Euphorie versetzt hatten. Angesichts der seit diesem Herbst stark schwankenden Aktienkurse und hoher politischer Risiken wie Handelskriege und Brexit fällt der IPO-Ausblick von Investmentbankern auf dieses Jahr aber nun ungewohnt vorsichtig aus. „Ich rechne 2019 mit einem Sägezahnjahr an der Börse, das heißt mit guten und schlechten Phasen“, sagt Joachim von der Goltz, der für die Credit Suisse das Geschäft mit Aktienemissionen leitet. Wenn professionelle Anleger bereit seien, sich bietende Chancen zu ergreifen, seien um die fünf Börsengänge mit einem Emissionsvolumen von mindestens 200 Millionen Euro in Deutschland realistisch, meint von der Goltz.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Achim Schäcker von der Bank HSBC rechnet damit, dass angesichts des Ende März anstehenden Brexits erheblich weniger Börsenneulinge als üblich vor Ostern eine Aktienplazierung wagen werden. „Die wenigsten werden in diesem Jahr das erste IPO-Zeitfenster im März/April anstreben. Vielmehr wird die überwiegende Mehrheit der Emittenten einen Börsengang im Mai/Juni und im September/Oktober planen“, erwartet Schäcker. „Angesichts der Konzentration auf zwei Zeitfenster wäre es ein gutes IPO-Jahr, wenn wir in Deutschland noch einmal mehr als zehn größere Börsengänge sehen würden“, sagte der Leiter des Aktienemissionsgeschäfts von HSBC.

          An Börsenkandidaten mangelt es nicht

          Jens Voß von der Commerzbank sieht es ähnlich. „Wir beobachten, dass viele Kandidaten ihren Börsengang für den Frühsommer planen. Dann sollten in Deutschland mehr als fünf Börsengänge gelingen, aber ob es ein gutes Gesamtjahr mit mehr als zehn Börsengängen wird, ist derzeit angesichts der politischen Risiken nicht zu sagen“, sagt der Leiter des Aktienemissionsgeschäftes der Commerzbank.

          An Börsenkandidaten mangelt es nicht. Auch in Deutschland mussten 2018 einige Unternehmen – etwa der Elektrorollerhersteller Govecs, der Pharmahändler Abacus, die Beteiligungsholding Primepulse und der Anlagenbauer Exyte – ihren Börsengang abblasen und könnten bei passender Marktlage 2019 einen neuen Anlauf nehmen. Außerdem prüfen der Modediscounter Takko und ab 2020 der Prothesenhersteller Ottobock einen Börsengang. Zudem will Volkswagen seine Nutzfahrzeugsparte namens Traton abtrennen und Continental seine Antriebssparte an die Börse bringen. Auch Daimler will seine Nutzfahrzeugsparte separieren. Ob daraus ein Börsengang wird, ist aber unklar. 2018 gehörten die Plazierungen abgespaltener Sparten zu den größten Brocken am IPO-Markt: Siemens brachte seine Gesundheitssparte Healthineers an die Börse, die Deutsche Bank ihre Tochtergesellschaft DWS. Zusammen mit Knorr Bremse verkauften diese drei Unternehmen allein Aktien im Wert von 9,4 Milliarden Euro und standen damit für 80 Prozent des Emissionsvolumens.

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