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Niedrige Bewertungen : Immer mehr Zombie-Unternehmen

Ökonom Hyun Song Shin Bild: Fabian Fiechter

„Zombies“ – so werden Unternehmen genannt, die finanziell fragil sind. Diese haben laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich weltweit stark zugenommen. Aber was bedeutet fragil und wie sehen die Prognosen für die Zukunft aus?

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          Die Zahl finanziell fragiler Unternehmen („Zombies“) hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Zu diesem Ergebnis gelangen die Ökonomen Ryan Banerjee und Boris Hofmann in einem Beitrag für den neuen Quartalsbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Bank der Zentralbanken. Sie haben 32.000 Unternehmen aus 14 Industrienationen untersucht. Als fragil bezeichnen sie Unternehmen, deren Zinsaufwand höher ist als ihr Gewinn und die an der Börse überdurchschnittlich niedrig bewertet sind. Ende 2016 fielen 6 Prozent dieser Unternehmen in die Kategorie „Zombie“.

          Ihre Zahl hat sich seit Ende der achtziger Jahre deutlich erhöht, wobei ihre Zahl in Rezessionen steigt, in Phasen konjunktureller Erholungen nicht wieder auf das vorherige Niveau sinkt. „Eine wichtige Rolle dürfte dabei spielen, dass aufgrund der langen Niedrigzinsphase der finanzielle Druck auf die Unternehmen, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, gesunken ist“, kommentiert BIZ-Chefökonom Hyun Song Shin. „Die Autoren zeigen zudem auf, dass eine stärkere Verbreitung von Zombie-Unternehmen mit einer niedrigeren Gesamtproduktivität im Unternehmenssektor einhergeht.“

          Massenpanik blieb aus

          Die Lage an den Finanzmärkten lässt sich nach Einschätzung Claudio Borios, des Leiters der Währungs- und Wirtschaftsabteilung der BIZ, mit einem Patienten vergleichen, der eine normale durchschnittliche Körpertemperatur, aber gleichzeitig einen feurig-heißen Kopf und eiskalte Füße hat. Borio konstatiert einerseits eine gute Stimmung an den amerikanischen Finanzmärkten, zu der eine Kombination aus starkem Wirtschaftswachstum, weiterhin niedriger Inflation und nur langsam steigenden Leitzinsen beitrage. Allerdings äußerten sich die sehr günstigen Finanzierungsbedingungen unter anderem in einer starken Zunahme günstiger Kredite an bereits sehr hoch verschuldete Unternehmen („Leveraged Loans“). „Das Absatzvolumen dieser Kredite war groß, weil die Banken viele kauffreudige Anleger dafür fanden“, sagt Borio. Ein Teil der Kredite sei als Wertpapiere verkauft worden, die Ähnlichkeit mit berüchtigten Wertpapieren besäßen, die „während der großen Finanzkrise Schlagzeilen machten“. Die Auflagen für solche Kredite würden immer lockerer, warnt Borio.

          „So besorgniserregend diese Entwicklungen sind, es waren die aufstrebenden Volkswirtschaften, welche die Aufmerksamkeit auf sich zogen“, fährt Borio mit Blick auf die Schwellenländer fort: „Seit Ende März verbuchten zahlreiche Vermögenskategorien aus Schwellenländern und Währungsengagements gegenüber diesen Ländern insgesamt hohe Bewertungsverluste.“ Drei Gründe nennt Borio für die Turbulenzen an den Finanzmärkten in den Schwellenländern: die steigenden Leitzinsen in den Vereinigten Staaten und die damit verbundene Aufwertung des Dollars, die Sorge vor internationalen Handelskonflikten sowie Anzeichen einer Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums. Hinzu kämen länderspezifische Anfälligkeiten (Türkei). Die zunehmenden Divergenzen an den Finanzmärkten sind für Borio Anlass zur Beunruhigung, aber nicht zu vorschneller Panik: „Glücklicherweise hatten die Turbulenzen in den aufstrebenden Volkswirtschaften keine weitreichenden Auswirkungen. Die Ansteckungseffekte blieben begrenzt, die meisten Anleger gingen weiterhin differenziert vor, und eine Massenpanik unter den Portfoliomanagern blieb aus.“

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