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Symrise, Qiagen & Co. : Bloß nicht in den Dax!

Wer in den Dax aufsteigt, sieht nicht zwingend einer rosigen Zukunft entgegen. Bild: dpa

Symrise und Qiagen sind heiße Anwärter für den Dax. Doch der Aufstieg hat oft unliebsame Folgen. Woran liegt das – und was bedeutet das für die Zukunft?

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          Erinnern Sie sich an die Dax-Zusammensetzung in seinem Gründungsjahr? Damals, 1988? Wenn nicht, hier eine kleine Hilfe: Feldmühle Nobel – Papierherstellung, Dynamit und Waffen. Die Kaufhausketten Karstadt und Kaufhof. Thyssen-Stahl. Mannesmann-Röhren. Fünf Banken. 32 Jahre später ist die Welt eine andere. 17 der 30 Gründungsmitglieder sind verschwunden – viele Unternehmen gibt es heute gar nicht mehr.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was Anleger daraus lernen? Kostolanys Schlaftabletten sollten nicht zu lange wirken. Augen zu und abwarten ist keine Lösung. Sonst werden neue Trends verschlafen, und der Anleger erwacht mit einem Depot aus insolventen, abgewickelten Unternehmen.

          Beste Rendite vor Dax-Aufstieg

          Börsengehandelte Indexfonds (ETF) sind eine Lösung, die den Wandel der Wirtschaft im Index automatisch mitvollziehen. Wer schwächelt und den Dax verlassen muss, fliegt auch aus dem Dax-ETF und wird durch die Neulinge ersetzt. Die Sache hat aber einen Nachteil: Der Weg in den Dax ist weit. Viele Aktien haben den Großteil ihres Erfolgswegs schon hinter sich, bevor der Ritterschlag der Deutschen Börse mit der Dax-Aufnahme erfolgt. Ihre besten Zeiten hatten sie oft vorher.

          Was also tun? Rechtzeitig bei den richtigen Unternehmen einsteigen. Entscheidende Frage: Welche sind das? Hier kann ein Blick auf die Ranglisten der Deutschen Börse helfen. Im Dunstkreis des Dax tummeln sich eine Reihe Unternehmen, die noch nicht auf der ganz großen Bühne angekommen sind. Diese Woche könnten sie ihren großen Auftritt haben. Am Donnerstagabend ist die jährliche Überprüfung der Dax-Zusammensetzung. Doch es sieht ganz so aus, als ob sich nichts ändern würde. Der Spezialchemiekonzern Covestro wackelt im Dax zwar erheblich, könnte sich aber noch knapp retten.

          Doch ein Nichtaufstieg wäre für die Kandidaten kein Drama. Im Gegenteil. Viele Dax-Neulinge der vergangenen Jahre haben sich in der ersten Börsenliga sehr schwergetan. Die starken M-Dax-Werte auf der Schwelle zum Dax haben sich aber weiter gut entwickelt. Deswegen lohnt ein Blick auf sie.

          Qiagen erster Anwärter

          Derzeit steht Qiagen ganz vorne. Scheitert Covestro doch noch, wäre Qiagen vom 21. September an im Dax. Das Unternehmen mit Doppelsitz im niederländischen Grenzort Venlo, 40 Kilometer westlich des Ruhrgebiets, und Hilden, nahe Düsseldorf, ist auf Labortechnik spezialisiert. Es liefert Reagenzröhrchen, Pipetten und spezielle Flüssigkeiten, forscht an Laborrobotern und Testtechnologien. Kurzum: ein reinrassiger Corona-Gewinner. Nach einem misslichen Verlustjahr 2019 liegt der Aktienkurs dieses Jahr 50 Prozent im Plus.

          Mehrere Unternehmen wollen Qiagen gerne übernehmen, zuletzt der amerikanische Großkonzern Thermo Fischer für rund zehn Milliarden Euro. Die Übernahme ist vor zwei Wochen geplatzt. Die Qiagen-Aktionäre versprechen sich bessere Perspektiven als eigenständiges Unternehmen. Dem Aktienkurs hat das nicht geschadet. In der Annahme, dass Labordiagnostikspezialisten in einem Pandemie-Umfeld dringender denn je gebraucht werden, bleibt die Nachfrage nach der Aktie hoch. Gerade hat die Commerzbank eine kräftige Kaufempfehlung ausgesprochen und die Analysten der amerikanischen Investmentbank Jefferies ihr Kursziel erhöht.

          Jede Menge Düfte von Symrise aus Holzminden
          Jede Menge Düfte von Symrise aus Holzminden : Bild: dpa

          Ein weiterer Dax-Aufstiegskandidat ist der Duft- und Aromaspezialist Symrise aus dem niedersächsischen Holzminden an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Der Börsenwert des Konzerns hat längst Dax-Format, liegt mit rund 16 Milliarden Euro weit vor den Dax-Werten Covestro, MTU oder Heidelberg Cement. Doch die Börse will auch hohe Handelsumsätze in den Aktien sehen. Da haben die bestehenden Dax-Konzerne einen großen Vorteil. Allein die Umsätze durch Dax-ETF helfen sehr. Aber auch ein Hype um Corona-Gewinner wie Delivery Hero, Teamviewer oder eben Qiagen bringen diese Unternehmen näher an den Dax als Konzerne in ruhigerem Fahrwasser wie Symrise.

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