https://www.faz.net/-gv6-9jtqu

Technische Analyse : Die Banken bleiben ein Problemfall

  • -Aktualisiert am

Die Bankenhochhäuser in Frankfurt Bild: dpa

Es gibt kaum Anzeichen dafür, dass sich die Kurse der Geldinstitute substantiell verbessern.

          Als der Dax am 1. Juli 1988 eingeführt wurde, befanden sich unter seinen 30 Werten insgesamt fünf Banken: die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, die Bayerische Vereinsbank, die Commerzbank, Deutsche Bank und Dresdner Bank. Geblieben ist nur die Deutsche Bank. Der Rest wurde fusioniert, verkauft, in den M-Dax verbannt oder ging technisch k.o. Aber auch das Schicksal der Deutschen Bank ist alles andere als gewiss: Sie wird im Dax nur noch an 23. Stelle geführt, gewichtet mit rund 1,5 Prozent. Zum Vergleich:

          Der kleinste Wert, Covestro, bringt es auf rund 0,90 Prozent, aber schon Adidas auf das Zweieinhalbfache. Als junger Bursche war ich Anfang der achtziger Jahre bestimmt nicht der Einzige, der die Deutsche Bank mit der Deutschen Bundesbank verwechselte. Wäre ich damals gefragt worden, ich hätte die Bedeutung der Deutschen Bank sogar höher als die der Deutschen Bundesbank eingeschätzt. Sind wir ehrlich: Diese Gefahr besteht heute nicht mehr.

          Besser als mit diesen beiden Beispielen wird man den Niedergang dieser einst so stolzen Branche kaum dokumentieren können. Wo eine Bank früher fast schon im wahrsten Sinne des Wortes eine Lizenz zum Gelddrucken war, haben Misswirtschaft, Margendruck, neue Technologien und, vorsichtig ausgedrückt, die Umgehung bestehender Gesetze dem einstigen Glanz und Gloria ein Ende gesetzt. Dass dies nicht allein ein deutsches Phänomen war und ist, zeigt der abgebildete Chart des Euro-Stoxx-Banken-Index; dass diese Entwicklung trotz aller unbeeinflussbarer Faktoren dennoch nicht gottgegeben war, der Chart des Nasdaq-Banken-Index.

          Wer am absoluten Tiefpunkt der großen abendländischen Finanzkrise am 9. März 2009 auf europäische Banken setzte, verzeichnet heute bei gewaltiger Volatilität ein Plus von etwa 5 Prozent. Wer damals auf die amerikanischen Banken setzte, hat seinen Einsatz mehr als verdreifacht.

          In diesem Umfeld versucht man nun scheinbar, eine Fusion der Commerzbank mit der Deutschen Bank voranzutreiben. Mehr als alles andere spricht die Kursentwicklung der beiden Aktien Bände: Als dieses Thema hochgespült wurde, verzeichneten beide Banken jeweils einen Tagesverlust von rund 5 Prozent.

          Zum Vergleich: Als im Sommer 1998 die Fusion der beiden bayerischen Banken bekannt wurde, brannte ein wahres Kursfeuerwerk ab. Für mich zeigt sich in solchen Entwicklungen auch die Macht der Trends: Die beiden Bayernbanken befanden sich damals in klaren Aufwärtstrends. Man sah sie als zwei relativ starke Unternehmen, die zusammen stärker werden würden. Heute befinden sich die Commerzbank und die Deutsche Bank in sehr klaren Abwärtstrends: Weder den Blauen noch den Gelben wird weder allein noch zusammen die Stärke zugetraut, die es für einen prosperierenden Fortbestand beider Banken wahrscheinlich brauchen wird.

          Auch aus dem Euro-Stoxx-Banken-Index wird man als technischer Analyst kaum Honig saugen können: Sein Abwärtstrend ist wie bei nahezu all seinen Einzeltiteln intakt, und wie immer muss in erster Näherung vermutet werden, dass sich diese Trends fortsetzen werden. Was gefallen ist, wird weiter fallen. Für eine Auferstehung aus einem solchen Schlamassel braucht es meist überragend gute Gründe – und die liegen nicht vor. Bemerkenswerterweise sind solche Trends auch fundamental gut begründet: Schließlich lassen sich beispielsweise strategische Fehlentscheidungen nicht von heute auf morgen korrigieren.

          Etwas Mut können allerdings die erreichten Unterstützungen machen: Alles, was sich zwischen 73 und 86 Punkten zuträgt, ist von außerordentlicher Güte und kann erfahrungsgemäß kaum „einfach so“ unterboten werden. Dafür wird es schon richtig wilde Entwicklungen beziehungsweise Nachrichten brauchen, und die sind per se erst einmal unwahrscheinlich. Das Vertrackte an der gegenwärtigen Situation: Wenn sich in der Vergangenheit ein Index so lange so schwach vor allem auch gegenüber Vergleichsmaßstäben wie dem Dax gezeigt hatte, war des Öfteren wirklich etwas Wildes im Busch.

          Am wahrscheinlichsten ist in meinen Augen dennoch erst einmal eine Fortsetzung der im Januar begonnenen leichten Entspannung. Sie könnte im Extremfall noch ein paar Monate anhalten und den Index auch wieder auf Werte über 100 Punkte zurückführen. Es muss allerdings als höchst fraglich gelten, ob diese Entspannung wirklich in eine nachhaltige Wende zum Besseren münden wird. Unangenehmerweise bleiben als Alternative nur markante neue Zyklustiefs unter 73 Punkten, denen typischerweise noch weiter deutlich nachgebende Kursen folgen dürften. Schon deshalb wird man dieses Szenario im Hinterkopf behalten müssen – wenigstens dort.

          Apropos Deutsche Bank und Commerzbank: Wer Spaß an Weltuntergangsszenarien hat, dem kann mit einem Blick auf den 31. August 2008 geholfen werden. An diesem Tag wurde die Fusion der Commerzbank mit der Dresdner Bank bekannt. Zwei Wochen später meldete Lehman Brothers Insolvenz an.

          Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Konflikt mit Iran : Trumps Schlamassel

          Mit dem Abschuss einer Drohne ist eine neue Stufe in der Auseinandersetzung zwischen Amerika und der Islamischen Republik erreicht. Aus diesem Schlamassel gibt es keinen einfachen Ausweg.
          Sie sind international, weltoffen, ungebunden: Aber was wissen die liberalen Eliten noch vom Rest der Welt?

          Buch über Globale Eliten : Nur nicht so herablassend

          Die Globalisierung hat eine Elite hervorgebracht, die weltoffen, international und ungebunden ist. Carlo Strenger liest dieser liberalen Elite in seinem Buch die Leviten: Sie vergesse alle anderen gesellschaftlichen Schichten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.