https://www.faz.net/-gv6-9cr67

Google, Amazon, Netflix : Tech-Aktien trotzen dem Facebook-Debakel

  • -Aktualisiert am

Google-Campus in Mountain View: Die Sonne scheint - trotz Facebook. Bild: CHRISTIE HEMM KLOK/The New York

Die Aktienkurse von Amazon und Google zeigen sich immun gegen die schweren Kursverluste des sozialen Netzwerks. Analysten meinen, den Grund dafür zu kennen.

          Facebook hat die Wall Street in dieser Woche regelrecht geschockt. Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Unternehmen nach enttäuschenden Quartalszahlen fast ein Fünftel seines Börsenwerts verliert. Dazu kommt, dass der erst seit sechs Jahren börsennotierte Betreiber des großen sozialen Netzwerks ein Unternehmen der Superlative ist. Wenn der Aktienkurs des gemessen am Börsenwert fünftgrößten Unternehmens an amerikanischen Börsen derart heftig absackt, schmelzen schnell 100 Milliarden Dollar an Wert dahin. Facebook hat seine Position auf der Rangliste der Börsenschwergewichte zwar verteidigt, liegt jetzt aber nur noch sehr knapp vor Warren Buffetts Holding Berkshire Hathaway.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Der Absturz von Facebook schlägt an der Wall Street auch Wellen, weil die Aktie zusammen mit ein paar anderen Technologie- und Internettiteln in den vergangenen Jahren eine wichtige Triebfeder für den gesamten Aktienmarkt war. Der Trend der Technologiewerte ist für den allgemeinen Börsentrend relevant, weil das Segment das größte Gewicht im S&P 500 hat. Technologiewerte stellen mehr als ein Viertel des Börsenwerts im breit gefassten Aktienindex S&P 500, gefolgt von Gesundheitsaktien und Finanztiteln (jeweils 14 Prozent) sowie zyklischen, also konjunktursensiblen Konsumwerten (13 Prozent). Ein weiteres Indiz für den Einfluss der Technologiebranche auf die Börsen: Die fünf Unternehmen mit dem höchsten Börsenwert sind alles Tech- oder Internetwerte. Börsenprimus ist der iPhone-Hersteller Apple, der kurz davor steht, als erstes Unternehmen einen Börsenwert von mehr als 1 Billion Dollar auf die Waage zu bringen. Apple eng auf den Fersen sind der Online-Einzelhändler Amazon und auch die Internetholding Alphabet (Google). Nummer vier ist der Softwarekonzern Microsoft und Nummer fünf gerade noch Facebook.

          Smarte Marketingfachleute in den Wertpapierhäusern der Wall Street hatten für einige dieser Titel zudem eine griffige Abkürzung erfunden, um mehr Aktien und Fondsanteile verkaufen zu können. So wurde FANG, ein Akronym für Facebook, Amazon, Netflix und Google, zu einer der heißesten Investmentideen der vergangenen Jahre. Netflix, der populäre Anbieter von Videos und Filmen über das Internet, ist wie Amazon genau genommen kein Technologiewert, sondern zählt zu den zyklischen Konsumwerten. Mit einem Börsenwert von knapp 160 Milliarden Dollar ist der Titel zudem der kleinste der FANG-Werte. Aber der Aktienkurs von Netflix stieg in den vergangenen fünf Jahren deutlich stärker als die Kurse der drei anderen Titel. Allein in diesem Jahr liegt der Netflix-Kurs noch mit fast 90 Prozent im Plus.

          Aber wie Facebook hat der Aktienkurs von Netflix zuletzt wegen enttäuschender Geschäftsergebnisse nachgegeben, wenn auch nicht ganz so dramatisch wie der Kurs von Facebook. Netflix hatte im vergangenen Quartal weniger Neukunden gewonnen als erwartet. Der Aktienkurs hatte daraufhin mit Verlusten von zeitweilig mehr als 12 Prozent reagiert. Netflix, das davor an der Börse höher bewertet war als der Unterhaltungskonzern Walt Disney, musste sich in der Rangfolge wieder hinter den Traditionskonzern einordnen.

          Für die FANG-Aktien sind die Rückschläge bei Facebook und Netflix eine Zäsur. Das bedeutet allerdings nicht, dass Technologiewerte ihre Dominanz an der Wall Street einbüßen werden. Denn die Aktienkurse der anderen beiden FANG-Werte wurden von dem Facebook-Debakel nicht angesteckt. Google und Amazon hatten mit ihren jüngsten Quartalsgewinnen die Erwartungen deutlich übertroffen. Google gelang es, trotz einer Kartellstrafe von mehreren Milliarden Euro einen Nettogewinn von 3 Milliarden Dollar zu erwirtschaften. Amazon meldete am Donnerstag nach Börsenschluss einen Rekordgewinn von 2,5 Milliarden Dollar. Der Aktienkurs von Amazon stieg daraufhin zeitweise an der elektronischen Börse Nasdaq um fast 4 Prozent.

          Google und Amazon sind im Cloud-Computing engagiert

          Fondsmanager fragen sich schon seit Bekanntwerden von Facebooks Datenaffäre um Cambridge Analytica, ob die Zeiten von FANG vorbei sind. Gründer und Vorstandschef Mark Zuckerberg war vor Kongressausschüsse zitiert worden und steht wegen fragwürdiger Datenschutzpraktiken am Pranger. Der britische Datenanbieter Cambridge Analytica hatte sich auf unlautere Weise Informationen von Millionen von Facebook-Nutzern beschafft und den amerikanischen Präsidenten Donald Trump im Wahlkampf beraten. Facebook war schon vor diesen Enthüllungen in die Bredouille geraten. Zuckerberg musste einräumen, dass Facebook während des Präsidentschaftswahlkampfs mit von Russland aus gesteuerten politisch motivierten Anzeigen und Inhalten manipuliert wurde. Auch die im Mai in Europa in Kraft getretene Datenschutzverordnung belastet das Geschäft. Wegen der höheren Investitionen in Datensicherheit wird Facebook nach Angaben von Finanzvorstand Dave Wehner auf Jahre hinweg weniger profitabel sein als in der Vergangenheit.

          Warum aber scheinen Google und Amazon an der Börse immun gegen diese allgemeinen Wachstumsbremsen? Die Antwort liegt nach Ansicht von Analysten in den Wolken – im wahrsten Sinne des Wortes. Im Gegensatz zu Facebook und Netflix sind Google und Amazon im wachstumsstarken Firmenkundengeschäft mit dem sogenannten Cloud-Computing engagiert. Amazon und Google stellen Unternehmen, die ihre Informationstechnik ins Internet verlagern wollen, Computerkapazitäten bereit. Amazon konkurriert in diesem Bereich neben Google auch mit Microsoft, ist aber Marktführer. Nach Ansicht von Analyst Daniel Ives von der Analysegesellschaft GBH Insights ist das die Erklärung für die unterschiedlichen Trends in der Tech-Branche. „Es gibt eine massive Transformation in der Cloud und deswegen mehr Wachstumschancen für Amazon, Microsoft und Google“, meint Ives.

          Facebook-Chef Zuckerberg wurde auf der Telefonkonferenz gefragt, ob er die großen Datenzentren des Unternehmens für Cloud-Angebote nutzen will. „Wir planen nicht, in die Cloud-Dienste einzusteigen“, antwortete er.

          Weitere Themen

          Ein Hebel auf den Goldpreis

          Goldminenaktien : Ein Hebel auf den Goldpreis

          Die Kurse vieler Goldminenaktien sind kräftig gestiegen. Ihre künftige Entwicklung hängt stark am Goldpreis. Wie heikel sind die Aktien für Anleger?

          Topmeldungen

          Müssen sich auf Reformen einigen: Luigi Di Maio und Matteo Salvini im Februar in Rom

          Italiens Regierung : Salvini droht mit vorgezogenen Wahlen – mal wieder

          Italiens nnenminister steht wegen der Affäre um mögliche Parteispenden aus Russland unter Druck – und bedrängt nun seinen Koalitionspartner. Es sei noch genügend Zeit, das Parlament aufzulösen und nach der Sommerpause neu zu wählen.

          Bayern München : Die klare Botschaft des Manuel Neuer

          Dortmund hat kräftig aufgerüstet. Die Bayern indes kommen auf dem Transfermarkt nicht so richtig voran. Torwart Manuel Neuer sieht das gelassen – und verrät, welches besondere Ziel die Münchner antreibt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.