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Nachfolger Hellofresh : Dialog Semiconductor fliegt aus Dax-Indizes

Eine Flagge von Dialog Semiconductors in Germering bei München. Bild: Reuters

Überraschend fällt Dialog Semiconductor aus den Dax-Indizes. Grund dürfte der Brexit sein. Der Aktienkurs fällt deutlich.

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          Änderungen in der Zusammensetzung der Dax-Indizes kommen selten überraschend. Der Mittwochabend war anders: Auf Basis der sogenannten Fast-Exit-Regel scheidet der Chiphersteller Dialog Semiconductor sowohl aus dem M-Dax als auch aus dem TecDax aus.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit hatte kein Experte gerechnet, auch die Börsianer wurden kalt erwischt. Um fast 8 Prozent fällt am Donnerstag der Kurs. Dialog ist nun in keinem der Dax-Indizes mehr vertreten, was Verkäufe erzwingt.

          Die Deutsche Börse erläuterte den Grund nicht. Üblicherweise erfolgt eine „Fast Exit“ dann, wenn entweder der Börsenumsatz oder die Marktkapitalisierung oder beides so weit unter den Erfordernissen liegt, die für die Index-Mitgliedschaft qualifizieren.

          Nun war das aber bei Dialog Semiconductor nicht der Fall. gemäß der Marktkapitalisierung kam die Aktie im 60 Werte zählenden M-Dax immer noch auf Platz 46 und beim 30-Tage-Handelsvolumen auf Platz 31.

          Grund dürfte daher vielmehr der Brexit sein. Den Index-Regeln zufolge können ausländische Unternehmen in einem der Index der Dax-Familie nur dann notiert sein, wenn die Aktie überwiegend via Xetra gehandelt wird und ihren juristischen Sitz in einem Staat der EU oder der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) hat. Zu beidem zählt der Großbritannien aber nicht (mehr).

          DIALOG SEMIC.

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          Am Vortag hatte die Dialog-Aktie noch eine starke Kursentwicklung gezeigt und knapp 6 Prozent auf 32,97 Euro zugelegt. Gehandelt wurde dabei zu 83 Prozent über Xetra und nur zu 9 Prozent über die Londoner Börse, also kann der „Fast Exit“ eigentlich nur am Firmensitz liegen.

          Dialog hatte am Mittwoch Geschäftszahlen vorgelegt und demnach im vierten Kalenderquartal des Jahres 2019 einen gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent niedrigeren Umsatz von 381 Millionen Dollar erzielt, was aber im Rahmen der Prognosen lag. Das Betriebsergebnis war um 30 Prozent auf 53,7 Millionen gefallen. Auch für das ersten Quartal prognostizierte das Unternehmen einen Umsatzrückgang auf 220 bis 250 Millionen Dollar. Im Vorjahr waren es noch 295 Millionen gewesen.

          Abwarten, wie es weitergeht

          Grund sei nicht zuletzt die Coronavirus-Epidemie in China, wo man produziert, wobei die Kapazitätsauslastung dort aber schon wieder 50 bis 60 Prozent erreicht habe, so Vorstandschef Jalal Bagherli. Bis Ende März will man wieder an 100 Prozent herankommen. Außerdem sei bisher nicht abzusehen, dass die Kundennachfrage zurückgehe. Er gehe jedenfalls davon aus, dass vom zweiten Quartal an alles normal laufen werde. Auf vergleichbarer Basis werde der Umsatz im Gesamtjahr um rund 15 Prozent steigen. Die damit erfolgte Bestätigung der Prognose reichte am Mittwoch für ein Kursplus aus.

          Nachfolger von Dialog wird, nicht ganz so überraschend, der Kochboxenlieferant Hellofresh. Der Wechsel erfolgt am 23. März. Hellofresh galt durchaus als Aufnahmekandidat, wies immerhin die dritthöchste Marktkapitalisierung hinter der DWS und Fielmann und das zweithöchste Umsatzvolumen hinter RIB Software auf.

          Fielmann kam beim Handelsvolumen im S-Dax  zuletzt auf Platz 7, die DWS auf Platz 25 und liegen damit weit hinter dem im M-Dax Üblichen. RIB Software kommt in puncto Marktkapitalisierung nur auf Platz 12 im S-Dax und wäre damit im M-Dax auf Platz 49, während es Hellofresh noch in die vordere Hälfte schafft.

          HEID. DRUCK

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          Aus dem S-Dax steigen derweil der UV-Technologie-Spezialist Dr. Hönle, SGL und Heidelberger Druckmaschinen ab. In den beiden letzten Fällen ist dies ein trauriges Kapitel. Heidelberger Druck galt vor sechs Jahren noch als Aufstiegskandidat für den M-Dax, aus dem es vor acht Jahren abgestiegen war - nun reicht es noch nicht einmal mehr für den S-Dax. SGL, einst bekannt als SGL Carbon, war vor sieben Jahren aus dem M-Dax ausgeschieden und verschwindet jetzt auch aus der Dax-Familie. Aufgestiegen sind Steinhoff, Adler Real Estate, SNP und Godewind Immobilien.

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