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Devisenmarkt : Niemand mag das Pfund

Anti-Brexit-Slogans: Nur fromme Wünsche? Bild: Reuters

Seit Monatsanfang wertet das britische Pfund stark ab. Die Unsicherheit zwischen den Gegensätzen Chaos-Brexit oder kein Brexit macht die Devise höchst unattraktiv.

          Nachdem der Brexit Ende März und in den Wochen danach verschoben wurde, hat sich das Gefühl breit gemacht, es werde ihn nicht geben. In den Europawahl-Umfragen auf der britischen Insel liegt die „Brexit Party“ des umstrittenen Europa-Feindes Nigel Farage mit 34 Prozent vorn.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei ist zwar zu berücksichtigen, dass dies eine Ballung der Befürworter des Austritts ist, da die Partei eigentlich kaum ein anderes Programm hat als den Brexit und einen angeblichen Staatsstreich gegen die Demokratie. Dagegen verteilen sich weniger hartgesottene Brexit-Befürworter und Brexit-Gegner über die anderen Parteien. Nichtsdestoweniger: Der Brexit ist und bleibt Thema.

          Wie sehr er ein Thema ist, zeigt sich an den Devisenmärkten. Der Kurs des britischen Pfundes wertet seit Monatsbeginn wieder stark ab und ist von 1,3173 Dollar mittlerweile auf 1,2692 Dollar gesunken. Gegenüber dem Euro fiel der Kurs der britischen Devise in diesem Zeitraum von 1,1766 Euro auf mittlerweile 1,1384 Euro. Damit hat dieser gegen den Dollar das Niveau des Jahresbeginns und gegen den Euro das von Anfang Februar wieder erreicht.

          Pfund je Dollar

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          Es fehle schlicht die Nachfrage nach dem Pfund, meint Neil Wilson, Chefmarktanalyst von Markets.com. Daher werde sich das Pfund gegen den Dollar nur erholen können, wenn dieser an Stärke verliere. Die Marke von 1,27 Dollar sei eine zentrale Unterstützung, unter die der Kurs nun abermals gefallen sei, die nächste Unterstützung liege bei 1,261 Dollar. Werde diese gerissen, könne das Pfund weiter bis auf 1,24 Dollar abwerten.

          Die Lage um den Brexit sei immer noch so “transparent wie Schlamm”, deswegen reduzierten Händler ihr Risiko. Premierministerin Theresa May habe nunmehr die allerletzte Chance. Wilson rechnet indes bald mit einer Neubesetzung an der Regierungsspitze. May versuche am Dienstag, ihr Kabinett davon zu überzeugen, dass sie ihr Abkommen mit der EU im Juni durch das Unterhaus bringen kann, doch danach sehe es nicht aus. Die Labour Party bewege sich nicht und so sei das Wahrscheinlichste entweder ein Brexit ohne Abkommen oder gar kein Brexit. Angesichts dieses Gegensatzes hielten sich die Devisenhändler zurück.

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