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Devisenmärkte : Analysten erwarten stabiles Pfund

Wie geht es mit dem britischen Pfund weiter? Bild: Reuters

An den Märkten hat die Volatilität des Pfunds zugenommen. Die meisten Devisenexperten sehen das Szenario aber gelassen. Eine britische Großbank schätzt derweil die Chance auf einen No-Deal-Brexit mit dem neuen Premierminister Boris Johnson auf 30 Prozent.

          Auch angesichts des neuen britischen Premierministers Boris Johnson, der Ende Oktober auf jeden Fall aus der EU austreten will, glauben wichtige Banken nicht an einen Pfund-Kursverfall. „Wir glauben eher, dass es seitwärts geht bei etwa 1,15 Euro je Pfund“, sagt Esther Reichelt, Devisenanalystin bei der Commerzbank.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Seit dem Frühjahr hat der Pfundkurs um mehrere Cent nachgegeben und ist vergangene Woche unter 1,11 Euro gesunken, weil die Wahrscheinlichkeit eines harten Brexits aus Sicht der Märkte gestiegen ist. Am Mittwoch legte das Pfund aber um ein halbes Prozent auf 1,12 Euro zu. Dabei spielt auch die Erwartung einer lockereren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank eine Rolle, die am Donnerstag neue Beschlüsse verkünden wird.

          „Solange sich nicht herauskristallisiert, wie es weitergeht mit dem Brexit, wird der Pfundkurs um den aktuellen Stand oder etwas höher pendeln“, erwartet Reichelt. Die Commerzbank schätzt die Wahrscheinlichkeit eines No-Deal-Brexits, also eines ungeregelten EU-Austritts, auf 30 Prozent ein. Deutlich wahrscheinlicher sei es hingegen, dass die EU-Staaten das Austrittsdatum 31. Oktober noch mal verschieben. „Eventuell wird es auch eine Verlängerung in letzter Minute geben“, erwartet Reichelt.

          Volatilität des Pfunds hat zugenommen

          Auch die britische Großbank Barclays schätzt die No-Deal-Brexit-Wahrscheinlichkeit auf 30 Prozent; so sehen es die Wettbüros in London. Dass es wirklich dazu kommt, glaubt Barclays-Chefvolkswirt Christian Keller nicht. „Die No-Deal-Rhetorik war Teil von Johnsons Wahlkampf, aber das Parlament ist dagegen, und es gibt große Widerstände.“ Wenn es Johnson nicht gelinge, den Brexit durchzudrücken, seien Neuwahlen realistisch. „An den Märkten hat die Volatilität des Pfunds zugenommen, aber es gibt überhaupt keine Panik, keine übertriebene Angst“, sagt Keller.

          Viele erwarten, dass die Bank of England den Leitzins von 0,75 Prozent Anfang August senken könnte. BoE-Chefvolkswirt Andy Haldane dämpfte diese Erwartungen jedoch jüngst in einer Rede. Die Inflation liegt bei 2,0 Prozent, könnte aber weiter steigen. Bei einem harten Brexit erwartet die Deutsche Bank eine Wiederaufnahme des Anleihekaufprogramms (Quantitative Easing). Chefvolkswirt David Folkerts-Landau taxiert die Wahrscheinlichkeit eines harten Brexits auf 45 Prozent.

          GBP/EUR

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          In der langfristigen Betrachtung der realen effektiven Wechselkurse liegt der derzeitige Pfundkurs schon sehr tief, auf dem niedrigsten Niveau seit Jahrzehnten. Unmittelbar nach dem Brexit-Referendum vor drei Jahren wertete das Pfund stark ab, 2016 verlor es insgesamt mehr als 20 Prozent. „Es hat jetzt schon viel Abwertung gegeben“, betont Barclays-Chefvolkswirt Keller. Kurzfristig sei zwar ein weiteres Unterschießen des Kurses möglich. Noch mal 5 bis 10 Prozent abwärts sei möglich, doch bei 1,04 Euro wäre die britische Währung sehr günstig, dann würden mehr Käufer kommen. Die Barclays-Prognose für Mitte 2020 liegt bei 1,14 Euro, also über dem jetzigen Stand. „Ein No-Deal-Austritt würde sich ja auch negativ auf den Euro und die europäische Wirtschaft auswirken“, fügt Keller hinzu.

          Die europäische Konjunktur trübt sich derzeit weiter ein. Die Stimmung der Unternehmen hat sich im Juli stärker als erwartet verschlechtert, zeigen die Markit-Einkaufsmanagerindizes. Der Index für die Industrie fiel auf den tiefsten Wert seit sechs Jahren. Angesichts dieser schlechten Zahlen gilt nun als ausgemacht, dass die EZB am Donnerstag ein Signal für eine baldige Zinssenkung gibt. Dies drückt den Eurokurs, der am Mittwoch mit 1,115 Dollar auf ein Zweimonatstief gegenüber der amerikanischen Währung sank.

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