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Differenzkontrakte : CFD-Verband kritisiert Bafin-Verbot

Die Frankfurter Wertpapierbörse Bild: dpa

Während die europäische Regulierung für sogenannte Differenzkontrakte ausläuft, hat die deutsche Finanzaufsicht ihre Verbote auf Dauer bekräftigt. Das sorgt für Unmut.

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          Finanzderivate sind umstritten. Sie haben einen schlechten Ruf als Zockerpapiere oder Wettscheine ohne volkswirtschaftlichen Nutzen. Ganz besonders im Fokus stehen schon seit längerem sogenannte Differenzkontrakte, kurz CFDs, mit denen sich auf die Veränderung von Kursen spekulieren lässt. Die Papiere sind so konstruiert, dass mit vergleichsweise wenig Kapital als Sicherheitsleistung verhältnismäßig große Gewinne erzielt werden können – oder eben auch Verluste. „Hebel“ nennt man diese Wirkung.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das – und vor allem die intensive Internet-Werbung vieler, nicht immer über jeden Zweifel erhabener Anbieter - hatte die europäische Regierungsbehörde ESMA im vergangenen Jahr bewogen, per Verfügung nicht nur die Werbung mit Neukundenprämien oder kostenlosen Handelsaktionen zu verbieten. Vielmehr wurden auch die Hebel deutlich begrenzt und den Brokern untersagt, im Fall von auflaufenden Verlusten eine Erhöhung der Sicherheitsleistung (Nachschusspflicht) zu verlangen. Das alles galt allerdings nur für Privatanleger.

          „Anlegerschutz wird geschwächt“

          Die ESMA hatte das Verbot mehrfach verlängert, zuletzt im April, nun soll es zum 1. August auslaufen. Nicht so aber in Deutschland: Die deutsche Finanzaufsicht Bafin, die das ESMA-Verbot übernommen hatte, hat nun ihrerseits ein entsprechendes dauerhaftes Verbot erlassen, sehr zum Unwillen des CFD-Verbands.

          Damit gehe die deutsche Aufsichtsbehörde weit über die von ihr selbst entwickelte Produktintervention aus dem Mai 2017 hinaus, in der sie nur die Nachschusspflicht für Privatkunden untersagt hatte, was der Verband seinerzeit ausdrücklich begrüßt habe, da dies effektiv dem Schutz von Privatkunden diene.

          Mit dem jetzigen Vorgehen aber werde der „berechtigte und vom Verband gewünschte Anlegerschutz“ nicht gestärkt, sondern geschwächt. Schon als die Bafin ursprünglich das ESMA-Verbot übernommen hatte, hatte der Verband beklagt, dass die kategorische Begrenzung der Hebel für Privatkunden dazu führe, dass diese sich zum einen als professionelle Kunden klassifizieren ließen. Das unterläuft allerdings den beabsichtigten Anlegerschutz.

          Viel schwerwiegender ist nach Ansicht des CFD-Verbandes indessen, dass Privatkunden Konten bei Anbietern außerhalb der EU eröffneten, die auch heute noch einen Handel mit großen Hebeln erlauben und die sich auch sonst nicht an die EU-Standards halten, so etwa auch weiter Nachschüsse verlangen.

          Dass die Intervention nicht greife, hätten ESMA und Bafin im Juli selbst einräumen müssen, als sie genau vor diesen Anbietern gewarnt hätten, die mit aggressiver Internetwerbung auf Privatkundenfang gehen.

          Der CFD-Verband unterstützt dagegen einen Vorschlag der zypriotischen Aufsichtsbehörde. Diese habe vorgeschlagen, die Investorenklasse des erfahrenen Privatkunden einzuführen. Nach der jährlichen Marktstudie des Verbandes handelten mehr als 37 Prozent der CFD-Kunden in Deutschland seit 3 bis 5 Jahren mit Differenzkontrakten und verfügten daher über ein hohes Maß an Kenntnissen und Erfahrungen.

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