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„Deutsche Commerzbank“ : Anleger brauchen keine Bankenfusion

  • Aktualisiert am

Die deutsche Bankenlandschaft wird wohl noch länger eine Großbaustelle bleiben. Bild: AFP

Die Aktienkurse der Commerzbank und der Deutsche Bank steigen am Mittwoch deutlich. Während die Fusion unwahrscheinlicher zu werden scheint, zeigt sich die Commerzbank auch allein optimistischer.

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          Nach den Kursverlusten der vergangenen Woche kaufen Anleger am Mittwoch wieder die Aktien der großen deutschen Privatbanken. Dabei lassen sie sich auch nicht davon abbringen, dass es immer mehr negative Stimmen zu den Gesprächen über einen möglichen Zusammenschluss der Deutschen Bank mit der Commerzbank gibt.

          Meist sind Fusionsüberlegungen  Anlass für eine Kursrally, doch in diesem Fall waren von Anfang an viele Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines solchen Unterfangens laut geworden.

          Als am Mittwoch bekannt wurde, dass der Gesamtbetriebsrat der Commerzbank vom Vorstand den Abbruch der Gespräche mit der Deutschen Bank über eine mögliche Fusion fordere, legte der Kurs der ohnehin schon gefragten Aktien sogar noch einmal zu. Aktuell steht die Notierung der Commerzbank rund 6 Prozent im Plus, der Kurs der Deutschen Bank knapp 4 Prozent.

           "Es ist an der Zeit, den Schaden jetzt zu begrenzen", heißt es in einer am Mittwoch verschickten "Protestnote" des Gremiums. "Ihr Vorhaben hat im Management, bei den Mitarbeitern, in den Gremien, bei den Kunden unserer Bank wie auch in der Gesellschaft keinen Rückhalt." "Wir sind der Auffassung, dass Sie sich ohne einen erkennbaren Plan, ohne Vision und ohne den Rückhalt in ein unbeherrschbares Abenteuer stürzen", schreiben die Arbeitnehmervertreter. Schon jetzt sei festzustellen, dass Kunden besorgt und erbost der Bank den Rücken kehren wollten.

          Dazu passt, dass die Commerzbank am Mittwoch bei Vorlage des schriftlichen Geschäftsberichts mitteilte, sie werde ihren Gewinn 2019 leicht steigern. Bei der Bilanzvorlage Mitte Februar hatte Vorstandschef Zielke sich noch keine Gewinnprognose entlocken lassen. Alleine scheint es also ganz gut zu gehen.

          "Aus unserer Sicht löst eine Fusion kein einziges ihrer Probleme", sagt Analyst Michael Seufert von der NordLB. Dazu zählt er die Regulierung, die niedrigen Kapitalmarktzinsen, einen scharfen Wettbewerb und niedrige Margen. Selbst einer fusionierten Bank würde es an der "Marktmacht" und an der "kritischen Masse" mangeln, nicht zuletzt im Investment Banking.

          Ein Gemeinschaftsinstitut würde vielmehr aufgrund der Größe und Systemrelevanz noch strenger von der Aufsicht überwacht und müsste mehr Eigenkapital vorhalten, gibt Seufert zu bedenken. Institutionelle und Firmenkunden, die bei beiden Häusern Konten haben, müssten zudem einen Teil ihrer Geschäfte aus Gründen der Diversifizierung und Risikominimierung auf Drittbanken verlagern, was Ertragseinbußen zur Folge hätte.

          Auch Finanzminister Scholz, der immer als Treiber einer Fusion gesehen wurde, zeigte sich zuletzt zurückhaltend. Scholz bekräftigt vor dem Hintergrund einer möglichen Fusion im Gespräch mit der F.A.Z. zwar sein Interesse an einer starken Bankenbranche in Deutschland. Bei den Verhandlungen über eine mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank sei er aber „nicht auf dem Fahrersitz". Man spreche mit allen Banken, das gehöre zu den Aufgaben des Finanzministeriums. Er könne sich nicht vorstellen, dass Vorstände großer Banken eine Fusion erwägen, die sie nicht wollten, nur weil sie dazu gedrängt worden seien.

          Der Bund hat einen Anteil von gut 15 Prozent an der Commerzbank. In den vergangenen Wochen hatte es wiederholt Medienberichte gegeben, Scholz und sein Staatssekretär Jörg Kukies hätten die Spitzen der Deutschen Bank und der Commerzbank gedrängt, ein Zusammengehen zu prüfen.

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