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Initial Coin Offering : Deutsche Cannabis plant eigene Kryptowährung

Cannabis kann man rauchen, Kryptowährungen können sich in Rauch auflösen. Passt also. Bild: dpa

Der Erfolg der Bitcoin lockt Nachahmer. Jeder will seine eigene Digitalwährung. Auch die Deutsche Cannabis, die eigentlich ein ganz anders Geschäftsmodell hat.

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          Das Thema Kryptowährungen schlägt weltweit Wellen. Der Kurs der bekanntesten Digitalwährung Bitcoin läuft von Rekord zu Rekord. Berichte über Menschen, die durch den Kursanstieg über Nacht reich wurden (oder auch nicht) machen die Runde.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dass mit einer eigenen Kryptowährung Geld zu  verdienen ist, hat sich auch schon herumgesprochen. Wie Pilze scheinen sogenannte Initial Coin Offerings (ICO) aus dem Boden zu sprießen. So werden Investitionsrunden genannt, die in Kryptowährungen organisiert sind. Dabei verkauft ein Unternehmen Anteile in Form einer Digitalwährung gegen herkömmliches Geld oder andere Digitalwährungen.

          Diese neuen, unregulierten Kapitalspritzen sind in der digitalen Finanzwelt gerade populär und schrecken die Regulatoren auf: China hat sie schon verboten, Südkorea prüft die ICOs nun genau. Das hängt vor allem damit zusammen, dass meistens Millionen Dollar an Gründer fließen, die noch überhaupt kein Produkt, sondern nur eine vage Idee vorzuweisen haben.

          Oder aber sie kommen von Unternehmen, die bisher im Bereich von Finanzinnovationen nicht aufgetreten sind. Die neueste Ankündigung kam vor einigen Tagen von der  die Deutsche Cannabis AG, ihres Zeichens eigentlich ein deutscher Finanzinvestor, der in amerikanische Cannabis-Hersteller investiert.   

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Man habe an einen Dienstleister einen Entwicklungsauftrag vergeben, mit den Ergebnissen werde im Laufe des Januar gerechnet. Heißen soll die Währung „CaliCoin“, ab März soll sie plaziert werden. Die Verbindung von Cannabis und Kryptowährungen sei geeignet, Investorenkreise zu erschließen, die über herkömmliche Finanzierungsinstrumente nicht oder nicht im angestrebten Umfang erreichbar seien. Mit einem Volumen von 5 bis 10 Millionen Euro ist die Plazierung allerdings sehr klein.

          Die spätere Wertentwicklung des CaliCoin soll übrigens somit nicht nur Angebot und Nachfrage, sondern auch die Wertentwicklung einer noch zu gründenden amerikanischen Tochtergesellschaft widerspiegeln. Aktionäre der Deutschen Cannabis AG sollen bei der Zuteilung bevorzugt behandelt werden.

          Das bis 2014 als F.A.M.E. Film & Music Enertainment bekannte Unternehmen hat Anfang November den bisher jüngsten Geschäftsbericht für das Jahr 2014 festgestellt. Insofern lässt sich nicht viel über die Geschäftslage sagen.

          Auch der am Rande der Pleite befindliche Staat Venezuela hat unlängst eine Kryptowährung namens „Petro“ angekündigt. Mehr als eine mit vielen Beschuldigungen verbundene Ankündigung gab es allerdings nicht.

          THE NAGA GROUP AG NA O.N.

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          Ein „Coin Offering“ in Gang gesetzt hat derzeit die im Börsensegment Scale notierte Naga Group. Diese verfügt über eine Finanz-Handelsplattform und eine Handelsplattform für virtuelle (In-Game)-Güter. Im ersten Halbjahr setzt die Naga Group 3,7 Millionen Euro um und verbuchte einen Verlust von 3,9 Millionen Euro.

          Für das ICO ist ein Volumen von insgesamt 220 Millionen Dollar angesetzt, das Ziel tatsächlich jedoch nur 30 Millionen Dollar. Es soll an diesem Freitag beendet werden. Der vergünstigte, sogenannte Pre-Sale im Volumen von 20 Millionen Euro war mit einem abgesetzten Volumen von 18,5 Millionen Dollar offenbar erfolgreich. Seitdem läuft es eher schleppend: Bisher konnte Naga insgesamt ein Volumen von rund 24 Millionen Dollar mithilfe von 28.856 Käufern verwirklichen.

          Die Finanzaufsicht Bafin warnte unlängst vor dem Erwerb von Kryptowährungen im Rahmen sogenannter Initial Coin Offerings (ICO). Anleger müssten sich der Risiken bewusst sein und genau hinschauen. „Die systembedingte Anfälligkeit von ICOs für Betrug, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung erhöht das Risiko, dass Anleger das eingesetzte Kapital verlieren, auch aufgrund notwendiger Maßnahmen der Behörden gegen Betreiber oder sonstige Personen und Unternehmen, die in solche illegalen Geschäfte einbezogen sind.“

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