https://www.faz.net/-gv6-9jtt7

Neue Technologien : Deutsche Börse wird noch mehr zum Tech-Konzern

Blick in den Handelssaal der Frankfurter Börse. Bild: dpa

Die Deutsche Börse wandelt sich. Vom Börsenbetreiber zum Tech-Konzern. Zur Jahresmitte soll die erste Blockchain-basierte Plattform starten.

          Die Deutsche Börse wandelt sich. Sichtbar wird dies auf dem Podium der Bilanzpressekonferenz: Drei der fünf Bereichsvorstände sind neu. Hörbar ist dies aber auch bei den Themen, die der Vorstandsvorsitzende Theodor Weimer im 14. Monat seiner Amtszeit in Frankfurt vorträgt: Blockchain, Cloud-Computing, Big Data, Künstliche Intelligenz, Robotik. Bisher war es für die Börse wichtig, dass ihre Handelssysteme zuverlässig laufen und darauf möglichst viel gehandelt wird. Das ist immer noch wichtig, und das lebhafte Handelsjahr 2018 hat der Börse rege Umsätze und steigende Gewinne beschert.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Die neuen Technologien, dessen ist sich Weimer sicher, werden aber auch die Börsen umwälzen. Weimer hat in Christoph Böhm einen neuen IT-Vorstand von SAP geholt, den er als „einen der führenden Experten europaweit im Cloud-Geschäft“ bezeichnet. Zur Jahresmitte soll die erste Blockchain-basierte Plattform starten, die das System der Wertpapierleihe effizienter macht. „Wir haben klare Vorstellungen, wie wir uns technologisch weiterentwickeln wollen, sollen, aber auch müssen“, sagte Weimer. „Wir kommen nun aus der Explorations- und Ideenfindungsphase in die Umsetzungsphase.“

          Die Ausrichtung auf neue Technologien erfordert auch anderes Personal für die Börse. So lässt sich erklären, dass die Börse 2018 fast 200 Millionen Euro an Abfindungen gezahlt und sich von 60 Führungskräften und insgesamt rund 350 Mitarbeitern getrennt hat oder noch trennen will, aber gleichzeitig in Deutschland 250 und global 650 neue Mitarbeiter eingestellt hat und somit insgesamt Personal aufbaut. „Wir brauchen neue Skill-Profile“, beschreibt Weimer die veränderten Qualifizierungsanforderungen.

          In den neuen Technologien sind auch weiterhin Zukäufe vorstellbar. Es werde nicht mehr nach Fusionen und Übernahmen unter den anderen Börsen gesucht, sondern entlang von Themen, zum Beispiel im Datengeschäft und vor allem in Bereichen, wo Handel bisher außerhalb von Börsen stattfindet. 1,5 Milliarden Euro hat die Börse für Zukäufe zur Verfügung. Die Investoren würden aber auch weiteres Kapital zur Verfügung stellen, wenn die Übernahme passt, sagt Weimer. „Sie ermutigen uns auf diesem Weg.“

          Wichtigstes Standbein bleibt der Terminhandel

          Im Jahr 2018 ist die Börse in fast allen Geschäftsfeldern gewachsen, am stärksten im Rohstoffhandel der Leipziger Tochtergesellschaft EEX. Wichtigstes Standbein bleibt der Terminhandel mit Futures und Optionen insbesondere auf Indizes wie den Euro Stoxx, den Dax oder den Bund-Future auf deutsche Bundesanleihen. Ein Drittel ihrer Umsätze von insgesamt knapp 2,8 Milliarden Euro macht die Börse mit der Terminbörse Eurex und fast 40 Prozent ihrer operativen Gewinne von insgesamt knapp 1,7 Milliarden Euro.

          Zweites großes Standbein ist die Abwicklung von Wertpapiertransaktionen und die Verwahrung von Wertpapieren der Luxemburger Tochtergesellschaft Clearstream, die gut ein Viertel zu Umsatz und Gewinn der Börse beiträgt. Die höchsten operativen Gewinnmargen macht die Börse mit knapp 70 Prozent weiterhin im Geschäft mit ihren Indizes und ihren Kursdaten. Hier beklagt der kleinere Wettbewerber im Indexgeschäft Structured Solutions das Ausnutzen einer marktbeherrschenden Stellung. Nach einigen schwächeren Jahren hat sich auch das Geschäft der Frankfurter Devisenhandelstochtergesellschaft 360 T belebt.

          Nach einem Umsatzplus von 13 Prozent im Jahr 2018 und einer Gewinnsteigerung nach der Bereinigung um Einmaleffekte um 17 Prozent auf eine Milliarde Euro dämpfte Weimer jedoch die Erwartungen an das laufende Geschäftsjahr. Um mindestens 5 Prozent soll der Umsatz dieses Jahr wachsen und um rund 10 Prozent der Gewinn. Dies lag unter den Erwartungen der Marktteilnehmer und wurde am Donnerstag mit einem Kursabschlag von gut 3 Prozent auf 110 Euro bedacht. Die Dividende soll um 25 Cent auf 2,70 Euro je Aktie angehoben werden.

          FAZ.NET komplett

          Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln und somit zur ganzen Vielfalt von FAZ.NET – für nur 2,95 Euro pro Woche

          Mehr erfahren

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wahl von der Leyens : Eine pragmatische Lösung

          Das Europäische Parlament ist über seinen Schatten gesprungen und vermeidet mit der Wahl von der Leyens den Machtkampf mit dem Europäischen Rat. Der Erfolg der CDU-Politikerin sichert auch das Überleben der großen Koalition – fürs Erste.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.