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Pharmabranche : Deutsche Biotechs trumpfen auf

Morphosys könnte bald mit einem neuen Wirkstoff gegen Blutkrebs auf den Markt kommen. Bild: Morphosys

Biogen, Amgen und Celgene – die größten Biotech-Konzerne sind in Amerika beheimatet. Der wichtigste Handelsplatz ist die amerikanische Nasdaq. Doch auch deutsche Unternehmen machen von sich reden.

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          Deutsche Biotechunternehmen hinken ihren amerikanischen Pendants oftmals hinterher. Das gilt sowohl mit Blick auf die schiere Anzahl an Unternehmen als auch auf ihre Größe und nicht zuletzt ihre Finanzierung. Die Vereinigten Staaten sind für eine starke Venture-Capital-Szene bekannt.

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dort haben etablierte Biotech-Konzerne wie Biogen, Amgen oder Celgene ihren Sitz. Dennoch gibt es auch hierzulande einige Unternehmen, die zuletzt positive Ergebnisse parat hatten und ihre Anleger an der Börse erfreut haben.

          Das Biotechunternehmen Morphosys aus Planegg nahe München zählt dazu. In einer Sparte entwickelt es neue Arzneien als Partner für Pharmakonzerne, die dann für bestimmte Entwicklungsschritte sogenannte Meilensteinzahlungen leisten. In der zweiten Sparte forscht es an eigenen Wirkstoffkandidaten.

          Neue Hoffnung für Blutkrebs-Patienten

          Im Jahr 1992 gegründet, ist es eines der ältesten Unternehmen aus der hiesigen Branche. Mit den Quartalszahlen hat das im M- und Tec-Dax sowie an der amerikanischen Nasdaq gelistete Unternehmen am späten Dienstagabend auch mitgeteilt, dass der Antikörper gegen Blutkrebs MOR 208 unter dem Markennamen Tafasitamab bei der europäischen Behörde EMA zur Zulassung eingereicht werden wird.

          MOR 208 ist der erste Wirkstoff aus den eigenen Laboren, den das Unternehmen bis zur Zulassung selbst entwickelt hat und auf den Markt bringen will. JP Morgan-Analyst James Gordon wertete diese Nachricht als positive Überraschung. Damit werde eine wesentliche Unsicherheit aus dem Weg geräumt, welche die Kursentwicklung zuletzt gehemmt habe, schrieb er am Mittwoch.

          Den scheidenden Vorstandschef und Mitgründer Simon Moroney dürfte das freuen, hatte er das Unternehmen doch immerhin seit knapp drei Jahrzehnten geführt. Auch die Ergebnisse für das zweite Quartal stimmten positiv. Eine Meilensteinzahlung des britischen Pharmakonzerns Glaxo-Smith-Kline in Höhe von 22 Millionen Euro hatte den Umsatz in diesem Zeitraum von 8,1 Millionen auf 34,7 Millionen Euro erhöht. Operativ machte Morphosys mit 5,7 Millionen Euro einen deutlich geringeren Verlust als noch im Vorjahreszeitraum mit 24,1 Millionen Euro. Viele Biotechunternehmen arbeiten nicht profitabel, da sie hohe Forschungsausgaben leisten.

          Anleger zeigten sich von den neuen Nachrichten überzeugt. Der Aktienkurs stieg denn auch am Mittwoch in der Spitze um rund 8,5 Prozent auf 112,80 Euro. Vor fünf Jahren lag der Kurs noch bei rund 65 Euro – ein Anstieg um rund drei Viertel.

          Der Wirkstoffforscher Evotec aus Hamburg ist in der Branche sozusagen ein Leuchtturm, denn das Unternehmen arbeitet seit einiger Zeit profitabel. Der M-Dax-Konzern wird am kommenden Mittwoch Quartalszahlen vorlegen. Zuletzt hatten die Hamburger mit einigen neuen Kooperationen auf sich aufmerksam gemacht und den Aktienkurs getrieben – wie mit dem Zukauf des Stammzellforschers Ncardia Mitte Juli.

          Medigene liegt nur einige Kilometer von der Morphosys-Zentrale entfernt und hat eine fast ebenso lange Geschichte vorzuweisen. Das Unternehmen entwickelt Krebsimmuntherapien auf Basis gentechnisch veränderter Immunzellen. Das sind Verfahren, die noch relativ neu sind. Auf dem Markt sind erst wenige solcher Medikamente zugelassen – darunter eines von Novartis. Seit März ist Medigene mit einer nur geringen Marktkapitalisierung nicht mehr im S-Dax für ausgewählte Aktien enthalten.

          Im ersten Halbjahr verzeichnete das Unternehmen einen um 47 Prozent höheren Umsatz von 4,9 Millionen Euro, vor allem bedingt durch Partnerschaften und Kooperationen. Dies teilte Medigene zur Vorlage der Halbjahreszahlen am Mittwoch mit. Zudem gab Vorstandschefin Doris Schendel einige positive Ergebnisse aus klinischen Studien bekannt.

          Allerdings sind damit auch die Forschungs- und Entwicklungsausgaben planmäßig im ersten Halbjahr um 26 Prozent auf rund 11 Millionen Euro gestiegen. Der operative Verlust (Ebitda) in diesem Zeitraum stieg um 77 Prozent – auch bedingt durch einen negativen Sondereffekt – auf 13,2 Millionen Euro.

          Grundsätzlich ist die Biotech-Szene aus Anlegerperspektive ein eher risikoreiches Investment, dauern die Forschungs- und Entwicklungszyklen für einen neuen Wirkstoff doch viele Jahre. Bis zuletzt kann eine neue Arznei zudem floppen.

          Investoren brauchen also einen langen Atem. Aktienindizes, wie der Nasdaq Biotechnology Index (NBI), der S&P Pharmaceuticals oder auch der Thomson Reuters Europe Healthcare streuen jedoch das Risiko – und haben allesamt im ersten Halbjahr Zuwächse erzielt.

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