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Angeklagter Milliardär : Deutsche Bank war eine der Banken von Epstein

  • -Aktualisiert am

Wie ihn die Zeichnerin sieht: Jeffrey Epstein (rechts) vor Richter Richard Berman am 18. Juli im Gerichtssaal in New York Bild: Reuters

Eine Kundenbeziehung wurde nun öffentlich, die der Reputation der Deutschen Bank nicht zuträglich sein dürfte: Der wegen jahrelangen Missbrauchs minderjähriger Mädchen angeklagte New Yorker Finanzier Jeffrey Epstein war bis vor kurzem noch Kunde der Bank.

          Die Deutsche Bank kommt in den Vereinigten Staaten nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus. Es laufen strafrechtliche Ermittlungen wegen mutmaßlicher Geldwäsche, der Kongress und der Bundesstaat New York untersuchen die Beziehung der Bank zu ihrem langjährigen Kunden Donald Trump, und zudem läuft das Geschäft schlecht. Erst vor zweieinhalb Wochen gingen Bilder um die Welt, wie Banker mit ihren Entlassungspapieren aus den Drehtüren des Deutsche-Bank-Wolkenkratzers an der Wall Street traten.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Jetzt wurde eine neue Kundenbeziehung öffentlich, die der Reputation der Deutschen Bank auch nicht zuträglich sein dürfte. Sie war seit mindestens 2013 Bank des Multimillionärs und registrierten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Epstein befindet sich derzeit in Manhattan in Haft. Die New Yorker Bundesstaatsanwaltschaft wirft dem 66 Jahre alten Finanzier vor, Dutzende minderjähriger Mädchen missbraucht und zwischen 2002 und 2005 einen illegalen Sexhandelsring aufgebaut zu haben. Epstein steht derzeit wegen Selbstmordgefährdung unter Beobachtung, nachdem er bewusstlos und mit Verletzungen am Hals in seiner Zelle aufgefunden worden war.

          Epstein hatte vor zehn Jahren in Florida nach einer Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft eine 13-monatige Gefängnisstrafe in Zusammenhang mit Prostitution von Minderjährigen verbüßt und war danach als Sexualstraftäter registriert. Die neuen Vorwürfe der New Yorker Staatsanwälte folgen auf ein Exposé der Zeitung „Miami Herald“, die aufdeckte, wie Epstein aufgrund seiner guten Verbindungen schärferen Strafen bisher entkommen war. Amerikas Arbeitsminister Alexander Acosta, der als ehemaliger Bundesstaatsanwalt in Florida damals in den Fall involviert war, trat nach der Verhaftung Epsteins Mitte Juli zurück. Auch Trump selbst, der Epstein einst als „tollen Kerl“ bezeichnet hatte, distanzierte sich wiederholt.

          Die Deutsche Bank diente Epstein nach Berichten der „New York Times“ seit mindestens 2013 in der Sparte Private Banking für reiche Privatkunden, wo auch Trump Kunde ist. Die Bank begann nach den Enthüllungen des „Miami Herald“ im November 2018 damit, die Konten von Epstein zu schließen. Dieser Prozess dauerte offenbar länger als erwartet, weil es sich um mehrere Dutzend Konten für Epstein und seine Firmen handelte. Mittlerweile geht die Bank, die nach eigenen Angaben mit den Behörden kooperiert, davon aus, sich komplett von Epstein getrennt zu haben.

          Mitarbeiter sorgten sich um den Ruf der Bank

          Schon in den Jahren 2015 und 2016 haben mit der Abwehr von Geldwäsche betraute Mitarbeiter der Bank in New York und Florida intern auf potentiell fragwürdige Geldbewegungen auf Epsteins Konten aufmerksam gemacht. Das berichtete die „New York Times“. Die Mitarbeiter sorgten sich um negative Folgen für den Ruf der Bank, falls die Beziehung zu Epstein öffentlich werden sollte. Die Deutsche Bank hat nach Angaben der Zeitung in diesem Jahr dem Finanzministerium verdächtige Transaktionen auf Epsteins Konten gemeldet. Worum es sich dabei konkret handelt, ist nicht bekannt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte Epstein im vergangenen Jahr kurz nach der Veröffentlichung der Berichte des Miami Herald“ insgesamt 350 000 Dollar an zwei potentielle „Mitverschwörer“ überwiesen. Die Staatsanwaltschaft wertete das als versuchte Beeinflussung von Zeugen.

          Epstein war in den elitären Zirkeln von Macht und Geld bekannt, aber die konkreten Quellen seines Reichtums, der auf etwas mehr als eine halbe Milliarde Dollar beziffert wird, sind bislang ein Mysterium. Epstein wuchs in einer Mittelschichtfamilie im New Yorker Stadtteil Brooklyn auf und studierte an zwei Universitäten, allerdings ohne Abschluss. Dennoch wurde er Mathematiklehrer an einer renommierten New Yorker Privatschule, arbeitete ein paar Jahre für die Investmentbank Bear Stearns und gründete danach einen Hedgefonds, der nur Milliardäre als Kunden akzeptiert haben soll. An der Wall Street ist der Fonds aber nie aufgefallen.

          Epstein hatte allerdings enge Beziehungen zu einigen prominenten Unternehmern und Wall-Street-Bankern, für die er offenbar als Investmentmanager und Berater fungierte. Dazu gehörten Leslie Wexner, der Gründer der Bekleidungsherstellers L Brands (Victoria’s Secret), und Leon Black, der Gründer der Beteiligungsgesellschaft Apollo. Ende der neunziger Jahre machte Epstein auch die Bekanntschaft von James Staley, der bei der Bank JP Morgan Chase das Private Banking leitete. Epstein vermittelte Kunden an Staley, der ihn sogar während der Haft in Florida besucht haben soll. Staley ist jetzt Vorstandschef der britischen Bank Barclays. Er verließ JP Morgan 2013 – in dems Jahr, in dem Epstein zur Deutschen Bank wechselte.

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