https://www.faz.net/-gv6-9kz6u

Deutsche Bank und Commerzbank : Für Anleger besteht wenig Handlungsbedarf

Die Sonne scheint: Die mögliche Fusion zwischen Commerzbank und Deutscher Bank lässt Anleger frohlocken. Bild: dpa

Die Ankündigung offizieller Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank sorgt am Aktienmarkt für Furore. Über den Tag hinaus ist jedoch Geduld angesagt – zumal viel Skepsis zu hören ist. Eine Analyse.

          Die Gespräche über eine mögliche Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank stehen am deutschen Aktienmarkt zum Wochenbeginn im Fokus. Kurz nach Handelsstart legen die Kurse beider Aktien deutlich zu. Die Commerzbank-Aktie verzeichnet einen Aufschlag von 7 Prozent auf 7,66 Euro, die der Deutschen Bank mit mehr als 5 Prozent auf 8,226 Euro. Ein Händler sagte, wirklich überraschend sei die Aufnahme der Gespräche nicht. Die Commerzbank dürfte als Gewinner eine möglichen Fusion hervorgehen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diese Auffassung scheint insofern die Mehrheitsmeinung zu treffen, als die Kursgewinne der Commerzbank-Aktie deutlich höher sind als die der Deutschen Bank. Zudem zeigte die Deutsche Bank sich am Sonntag gegenüber den Fusionsgesprächen äußerst zurückhaltend. Offenbar verspricht man sich auch dort nicht wirklich große Vorteile von einem Zusammenschluss.

          Analysten eher zurückhaltend

          Zurückhaltung zeigen auch die Analysten. Bislang haben nur wenige Banken und Brokerhäuser überhaupt reagiert. In der Regel wurden dabei die Kursziele und Einschätzungen beibehalten, nur RBC Capital Markets senkte das Kursziel für die Commerzbank-Aktie um 50 Cents auf nunmehr 8 Euro.

          Die amerikanische Bank JP Morgan schrieb, die Commerzbank sei für jede am attraktiven deutschen Markt interessierte Bank eine gute Wahl. Staatenübergreifende Fusionen seien aber derzeit unwahrscheinlich, so dass wohl nur eine deutsche Lösung in Frage komme. Dabei dürfte für die Commerzbank ein Bewertungsaufschlag gezahlt werden müssen. Das Chance-Risiko-Profil der Commerzbank sei mit Blick auf ihre relativ saubere Bilanz attraktiv.

          OSRAM LICHT AG NA O.N.

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Doch die meisten Meinungsäußerungen sind negativ. Neil Wilson, Chef-Marktanalyst von Markets.com, hält die Entwicklung für vordergründig positiv für die Banken, doch sehe er das Risiko, dass daraus eine noch größere, aber genauso schwache Bank entstehe. Stellenstreichungen seien essentiell, aber die Gewerkschaften würden hier genau hinschauen und eigentlich wolle sie niemand. So wie es aussehe, sei dies aber die einzige Lösung im Kampf der Deutschen Bank die Rückkehr zur Profitabilität.

          Markus Schön, Geschäftsführer der DVAM Vermögensverwaltung, die vor allem für die evangelische Kirche arbeitet, meint dass die Zahlen einte fusionierten Bank zwar eindrucksvoll klängen, daraus aber nicht der für die deutsche Exportwirtschaft existenziell wichtige Banken-Champion entstehe. Beide Banken hätten den Anschluss an die Weltspitze lange verloren. Dieses politische Versäumnis nun durch einen weiteren Fehler auszugleichen, indem man einen Zusammenschluss schon fast politisch verordnen wolle, sei „grober Unfug“.

          Zu teuer und zu unsicher

          Die deutsche Politik habe durch ihr stoisches Festhalten am 3-Säulen-Modell eine Konsolidierung des Heimatmarkts für Deutsche Bank und Commerzbank unmöglich gemacht. Die Übernahme der Postbank einerseits und der Dresdner Bank andererseits seien Beruhigungspillen ohne Wirkung gewesen.

          Die Deutsche Bank diene ein Stück weit als politischer Steigbügelhalter, um aus Regierungssicht das Problem der teilstaatlichen Commerzbank zu lösen. Eine politisch verordnete Fusion zweier bestenfalls noch teilweise wettbewerbsfähigen Banken in einem Markt, der sich global behaupten muss, ist noch vor der ersten Verhandlungsrunde gescheitert, wenn das Ziel ist, ein mindestens perspektivisch international führendes Bankhaus zu schaffen. Beide Banken müssen eigentlich das Ziel haben, international so attraktiv übernommen zu werden, dass man zumindest wieder eine kleine Entwicklungsperspektive habe.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Charismatisch und skrupellos : Was will Boris Johnson?

          Er ist Held der englischen Nationalisten und Favorit für den Vorsitz der Konservativen. Einen echten Plan für den Brexit hat der begabte Scharlatan noch immer nicht.

          Abgrenzung von der AfD : Das Ende eines Ausflugs

          Die Union besinnt sich endgültig wieder auf die Erkenntnis, dass sie mit einer Wendung nach rechts weniger Zustimmung zurückgewinnt, als sie in der Mitte verliert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.