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Vermögensverwalter Tikehau : Franzosen wollen strategischer Partner der DWS werden

Sitz der DWS Fondsgesellschaft der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: Wolfgang Eilmes

Der Vermögensverwalter Tikehau will der Deutschen Bank bis zu 4 Prozent der Aktien abkaufen. Er kann etwas, was die DWS nicht kann und bietet Prominenz.

          Türkisblaues Wasser, palmenumsäumte Strände – wer etwas zum neuen Großinvestor für die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank im Internet herausfinden will, muss erst einmal der Versuchung widerstehen, sofort eine Reise in die Südsee zu buchen. Der französische Vermögensverwalter Tikehau Capital, der nach einer Inselgruppe im Pazifik benannt ist, selbst aber in Paris sitzt, hat am Mittwoch bekanntgegeben, sich mit 250 Millionen Euro am Börsengang der DWS beteiligen zu wollen. Je nachdem, ob die Aktien am unteren Ende der Preisspanne zu 30 oder am oberen zu 36 Euro an den Markt gehen, könnte er sich damit drei bis vier Prozent der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank sichern. Zunächst ist das einmal ein Orderwunsch, anders als der japanischen Lebensversicherer Nippon Life, der sich 5 Prozent gesichert hat, gilt Tikehau in der Deutschen Bank nicht als Ankerinvstor.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schon am ersten Tag der Zeichnungsfrist, die noch bis zum 22. März läuft, zeichnet sich damit aber eine hohe Nachfrage nach den Aktien ab. Am Mittwochnachmittag teilten die begleitenden Banken den wichtigsten Investoren zudem mit, dass die Orderbücher schon gefüllt seien. Für viele große Investoren ist das die Voraussetzung, dass sie überhaupt Aktien zeichnen dürfen. Für einen erfolgreichen Börsengang sollten allerdings Bestellungen für das Doppelte des Platzierungsvolumens vorliegen.

          Eine strategische Partnerschaft im Blick

          Wie Nippon Life hat auch Tikehau eine strategische Partnerschaft im Blick und hätte der DWS durchaus etwas zu bieten. Während Nippon Life über eine Vertriebspartnerschaft die Schwächen der DWS in Asien avisieren soll, kann Tikehau für die Frankfurter Vermögensverwalter in eine andere Lücke springen: Die Franzosen sind auf alternative Investments spezialisiert. Dazu zählen zum Beispiel strukturierte Finanzierungen für kleine und mittlere Unternehmen, Private Equity und Hedgefonds sowie Immobilieninvestitionen.

          Der Geschäftsführer der DWS, Nicolas Moreau, will dieses Geschäft, das weit bessere Margen abwirft, als zum Beispiel passive Indexfonds (ETF), stärken. „Tikehau Capital ist ein angesehener Spezialist in der alternativen Vermögensverwaltung“, ließ sich Moreau von dem Investor in der Mitteilung zitieren. „Wir freuen uns darauf, mögliche Wege der Zusammenarbeit auszuloten, und sind erfreut über das Interesse an unserem Unternehmen.“ Die DWS ist in diesem Wachstumsfeld bislang schwach aufgestellt.

          In Zeiten niedriger Renditen in vielen Anlageklassen sind solche alternativen immer beliebter geworden, weil sich mit ihnen noch gute Profite erzielen ließen. Nach einer Aufstellung der Beratungsgesellschaft BCG, welche die Deutsche Bank im Wertpapierprospekt der DWS zitiert, liegen 15 Prozent des verwalteten Vermögens in aller Welt in solchen alternativen Anlageklassen, sie sorgten aber für 42 Prozent der Erträge. Die stiegen seit dem Jahr 2008 von 66 Milliarden auf zuletzt 104 Milliarden Dollar. Die DWS hat das Wachstum bislang noch nicht mitgemacht: sie hat nur 10 Prozent ihrer Kundengelder in solche Anlageklassen investiert und ist dabei vor allem auf Immobilien beschränkt. Im Jahr 2017 sank das Volumen gegenüber dem Vorjahr sogar.

          Doch nicht nur die Spezialisierung auf alternative Investments dürfte den Einstieg von Tikehau befördert haben. DWS-Chef Moreau ist Franzose und hat lange Jahre bei dem Versicherungskonzern Axa gearbeitet. Mit Tikehau Capital holt sich die DWS nun französische Politprominenz an Bord: Denn zu den Partnern der Investmentgesellschaft zählt François Fillon, der zwischen 2007 und 2012 Premierminister unter Staatspräsident Nicolas Sarkozy war. Im vergangenen Jahr scheiterte sein Versuch, selbst Präsident zu werden – in erster Linie an einer Affäre um die Scheinbeschäftigung seiner Frau.

          Für 2018 erwartet DWS einen leichten Ertragsrückgang

          Im Sommer gab Tikehau dann bekannt, dass Fillon als Partner bei dem Vermögensverwalter einsteige, der im Jahr 2004 gegründet wurde. Für kurz Zeit hat Jean-Pierre Mustier einmal Tikehau geführt, bevor er Vorstandsvorsitzender der Großbank Unicredit wurde. Ende Dezember verwaltete die an das Pariser Börse Euronext gelistete Unternehmen mit 200 Mitarbeitern Vermögen von 13,8 Milliarden Euro. Sie ist damit deutlich kleiner als die DWS. Die profitabelste Sparte der Deutschen Bank verwaltet mit 4000 Mitarbeitern 700 Milliarden Euro sowohl von Privatkunden als auch von institutionellen Investoren. Der Kurs von Tikehau legte am Mittwoch um bis zu 4,4 Prozent zu.

          Für 2018 erwartet die DWS einen leichten Rückgang ihrer Erträge, wie aus dem Wertpapierprospekt hervorgeht, den die Deutsche Bank am Dienstagnachmittag veröffentlicht hatte. Grund dafür seien unter anderem die Börsenturbulenzen zu Jahresbeginn, durch die manche Gebühren sänken. Zum 31. Dezember 2017 wird der Buchwert der DWS in dem Börsenprospekt mit 6,366 Milliarden Euro angegeben. Das entspricht einem Wert von 31,83 Euro je Aktie. Sollten die Aktien also nach der Zeichnungsphase am unteren Ende der Preisspanne zu 30 Euro veräußert werden, würde die Bank ihre Vermögensverwaltung unter Buchwert verkaufen. Alles, was darüber liegt, brächte einen Gewinn.

          Auch für den Aufsichtsrat hat Moreau einen alten Bekannten aus seiner Heimat gewinnen können. Aldo Cardoso, der früher Vorstandsvorsitzender der Unternehmensberatung Arthur Andersen war, ist heute unter anderem Aufsichtsrat beim französischen Versicherer Axa – dort war Moreau Finanzvorstand, bis er im Oktober 2016 zur Deutschen Bank wechselte. Nippon Life entsendet in Person seines Managers Hiroshi Ozeki einen eigenen Aufsichtsrat zur DWS. Zudem werden in dem Prospekt Ute Wolf, Finanzvorstand von Evonik, sowie die frühere Arbeitsdirektorin der Deutschen Bahn, Margret Suckale, als Aufsichtsratsmitglieder genannt, was frühere Berichte der F.A.Z. bestätigen.

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