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Ausblick der Deutschen Bank : „Kein wirtschaftlicher Grund für eine Krise“

Gerade japanische Aktien haben nach Meinung der Analysten noch viel Luft nach oben. Bild: ROBICHO/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Die Deutsche Bank erwartet eine Fortsetzung des Konjunkturaufschwungs. Das eröffnet Kurschancen. Eine Welt ohne Risiken sieht sie aber nicht.

          „Volle Kraft voraus“ lautet das Motto der Deutschen Bank mit Blick auf die Aussichten der Weltwirtschaft im kommenden Jahr. Das gilt auch für die Eurozone. „Das Wachstum ist hier überraschend positiv“, sagte Stefan Schneider, der Chefvolkswirt für Deutschland, auf dem jährlichen Kapitalmarktausblick der Bank. „Die Stimmungsindikatoren sind noch besser als die Daten.“ Eine wirtschaftliche Erhitzung sei noch kein Problem für die Eurozone, könne es aber werden. Auch für die Vereinigten Staaten zeigte sich Schneider unter anderem wegen der anspringenden Investitionen optimistisch. Als wichtigstes wirtschaftliches Risiko nannte Schneider ein unerwartetes Anspringen der Inflation, als dessen Folge die Notenbanken ihre Geldpolitik schneller straffen würden als derzeit an den Finanzmärkten vorhergesehen.

          Die Deutsche Bank stellt sich auf ein solches Szenario ein, indem sie bis Ende 2018 vier Leitzinserhöhungen der Fed voraussagt, während die Mehrheitsmeinung an den Finanzmärkten von zwei Leitzinserhöhungen ausgeht. In der Eurozone könnte die Europäische Zentralbank ab der zweiten Hälfte des Jahres 2018 mehr Vertrauen in den Konjunkturaufschwung erlangen und die Finanzmärkte dadurch veranlassen, eine straffere Geldpolitik einzupreisen. An den Märkten für zehnjährige Staatsanleihen sieht die Deutsche Bank daher Renditesteigerungen voraus. Ende des Jahres 2018 könnte die zehnjährige Bundesanleihe mit 0,90 Prozent rentieren und die zehnjährige amerikanische Staatsanleihe mit 3 Prozent. „Nachdem die Anleger in den vergangenen Jahren mit einer guten Performance solcher Papiere verwöhnt worden sind, können damit in Zukunft Kursverluste drohen“, warnt Ulrich Stephan, der Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank für Privat- und Firmenkunden in Deutschland. Am Devisenmarkt erwartet Stephan den Euro etwas stärker.

          Technologie, Finanzen, zyklischer Konsum und Industrie

          An den Aktienmärkten sieht Stephan derzeit keine Blase. „Die Bewertungen sind gestiegen, sie passen jedoch zum Wachstums- und Zinsumfeld“, sagte er. „Das solide globale Wirtschaftswachstum unterstützt die Börsen.“ Die Unternehmensgewinne je Aktie könnten im kommenden Jahr um rund 10 Prozent zulegen und damit den Kursgewinnen ein Fundament verleihen: „Nach Jahren einer expansiven Geldpolitik und niedrigen Wirtschaftswachstums sind jetzt die Unternehmensgewinne die fundamentalen Kurstreiber.“ In den Vereinigten Staaten würden zunehmend die Investitionen der Unternehmen anstelle von Aktienrückkaufprogrammen eine wichtige Quelle steigender Gewinne je Aktie sein, was positiv zu werten sei.

          In Europa erwartet Stephan überdurchschnittliche Steigerungen der Unternehmensgewinne je Aktie vor allem in Italien und in der Schweiz. Dank eines ungebrochenen Aufschwungs – die Deutsche Bank erwartet im Jahr 2018 ein Wirtschaftswachstum in der Welt von 3,8 Prozent – richtet sich der Blick ihres Chef-Anlagestrategen auf Aktien von Unternehmen, die besonders vom Aufschwung profitieren dürften: „Wir setzen auf Technologie, Finanzen, zyklischer Konsum und Industrie.“ Für Ende 2018 nannte Stephan einen Dax von 14.100 Punkten.

          Sehr positiv äußerte sich Stephan auch zu den Aussichten japanischer Aktien. „Rein fundamentale Daten sprechen für den Markt“, meinte der Anlagestratege. „Die japanischen Unternehmen haben in den vergangenen fünf Jahren ihre Eigenkapitalrendite verdoppelt. Außerdem halten sie 31,5 Prozent ihres Börsenwertes in Form von Bargeld. Dies könnte für Dividendenausschüttungen, Aktienrückkäufe und Investitionen verwendet werden.“ Immobilien besäßen rund um den Globus weiterhin Potential. „Die starke Konjunktur könnte die Nachfrage nach Immobilien stützen“, sagte Stephan. „Wir sehen im Moment keine Blase am Immobilienmarkt, weil das Kreditwachstum nicht sehr stark ist.“

          Auch wenn die Deutsche Bank die Aussichten an den Finanzmärkten für das kommende Jahr überwiegend positiv beurteilt, sieht sie auch Risiken. „Die nächste Krise kommt bestimmt“, erinnerte Stephan. „Allerdings wissen wir nicht, wann sie kommt und wie sie entsteht.“ Er hält es für möglich, dass eine Überhitzung der Wirtschaft und die sich daraus ableitenden Inflationsrisiken von den meisten Teilnehmern an den Finanzmärkten unterschätzt werden. Auch besäßen geopolitische Risiken wie die Lage in Nordkorea ebenso wie der Brexit ein Potential für Unruhe an den Märkten.

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