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Wegen Steuereffekt : Deutsche Bank macht eine halbe Milliarde Verlust

  • Aktualisiert am

Deutsche Bank-Chef John Cryan ist mit den Ergebnissen noch nicht zufrieden. Bild: dpa

Amerikas Steuerreform hat der Deutschen Bank für 2017 massive Verluste beschert – das dritte Jahr in Folge. Der deutsche Branchenprimus kämpft weiter mit seiner Investmentbanking-Sparte – und muss in Amerika eine Millionenbuße zahlen.

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          Amerikas Steuerreform hat der Deutschen Bank das dritte Verlustjahr in Folge eingebrockt. Wie Deutschlands größtes Geldhaus mitteilte, stand im vergangenen Jahr ein Verlust von einer halben Milliarde Euro zu Buche wegen des Steuereffekts in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro.

          Ohne diese Belastung, die im vierten Quartal verbucht wurde, hätte das Institut einen Gewinn von rund 900 Millionen Euro eingefahren. 2016 hatte der Verlust unter dem Strich 1,4  Milliarden Euro betragen. Die Erträge gingen 2017 um zwölf Prozent auf 26,4 Milliarden Euro zurück. Damit schnitt das Frankfurter Geldhaus in etwa so ab wie Analysten erwartet hatte

          „Nur durch die Belastungen der amerikanischen Steuerreform zum Jahresende haben wir nach Steuern einen Verlust verbuchen müssen“, erklärte Bankchef John Cryan. Die Bank sei aber auf einem guten Weg zu nachhaltigem Wachstum und einer höheren Rendite. Der Zusammenschluss mit der Postbank und der Teilbörsengang der Vermögensverwaltung DWS kämen gut voran. „Wir haben also Fortschritte gemacht, sind aber mit unseren Ergebnissen noch nicht zufrieden.“

          Schwaches Investmentbanking

          In den Vorjahren hatten vor allem teure Rechtsstreitigkeiten das Frankfurter Geldhaus runtergezogen. Erschwerend zur Steuerreform in Amerika kamen nun ein schwaches Kapitalmarktgeschäft sowie Kosten für den laufenden Umbau. Im Schlussquartal alleine fiel ein Verlust von 2,2 Milliarden Euro an.

          Die Deutsche Bank hat in ihrer wichtigen Geschäftsparte Investmentbanking im vergangenen Quartal weniger Erträge erwirtschaftet. Der Unternehmensbereich habe darunter gelitten, dass die Schwankungen an den Finanzmärkten niedrig gewesen seien und sich Großkunden deshalb mit dem Handel zurückhielten, so die Bank. Von Oktober bis Dezember seien die Erträge in der Sparte deshalb um 16 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro  zurückgegangen. Im Handel mit Anleihen und Währungen habe der Rückgang 29 Prozent betragen, im Aktienhandel 25 Prozent.

          DT. BANK

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          Schon Anfang Januar hatte die Deutsche Bank ihr Abschneiden skizziert und einen „geringen“ Jahresverlust nach Steuern angekündigt. Vor Steuern blieben dagegen 1,3 Milliarden Euro übrig. Der Grund für diese Kluft ist die Reform von Präsident Donald Trump, mit der er die Steuerquote für Firmen drastisch gesenkt hatte. Die Reform bedeutet nämlich zugleich, dass die Deutsche Bank Verluste aus Zeiten der Finanzkrise nun nicht mehr im gleichen Maße auf künftige Steuern anrechnen kann. Andere Konzerne haben dieses Problem ebenfalls.

          Weitere Millionen-Geldbuße in Amerika

          Ärger hat die Bank derweil wieder in den Vereinigten Staaten. Wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation muss die Deutsche Bank in Amerika eine Geldbuße von 70 Millionen Dollar
          zahlen. Die Aufsichtsbehörde CFTC sieht es als erwiesen an, dass die Bank von 2007 bis 2012 durch falsche Angaben den Referenzzinssatz Isdafix zu ihren Gunsten beeinflussen wollte. Die involvierten Mitarbeiter hätten gewusst, dass ihr Handeln illegal gewesen sei, erklärte die CFTC am späten Donnerstag in Washington. Der
          Isdafix ist eine Referenzwert für bestimmte Finanzgeschäfte.

          Erst zu Wochenbeginn hatte die CFTC der Deutschen Bank wegen des Vorwurfs der Manipulation von Edelmetallpreisen eine Geldbuße von 30 Millionen Dollar aufgebrummt. Die Deutsche Bank kann damit ein weiteres Kapitel in ihren zahlreichen Rechtsstreitigkeiten schließen. Schon 2016 hatte sich die Deutsche Bank wegen des Vorwurfs der Isdafix-Manipulation mit einer Gruppe von Investoren auf die Zahlung von 50 Millionen Dollar geeinigt. Die Investoren hatten damals insgesamt 14 Banken vorgeworfen, beim Isdafix verbotene Absprachen getroffen zu haben.

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