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Vorwürfe gegen Deutsche Bank : „Mangel an persönlicher Verantwortung“

Die nächste Hauptversammlung der Deutschen Bank wird definitiv spannend werden. Bild: Reuters

Der einflussreiche Stimmrechtsberater ISS empfiehlt den Aktionären der Deutschen Bank, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Die Begründung hat es in sich.

          Die Hauptversammlung der Deutschen Bank am 23. Mai gewinnt an Würze. Jetzt hat auch der besonders einflussreiche Stimmrechtsberater ISS den Aktionären der Deutschen Bank von einer Entlastung des Vorstands und Aufsichtsrats auf der Hauptversammlung abgeraten. Die beiden Gremien müssten sich für viele Jahre mit erheblichen Belastungen für Finanzen und Reputation verantworten, begründete ISS die Empfehlung in einem Bericht an die Aktionäre. Zuvor hatte sich bereits der Stimmrechtsberater Glass Lewis gegen eine Entlastung ausgesprochen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im vergangenen Jahr hatte sich ISS noch für eine Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bank ausgesprochen, während Glass Lewis schon damals ein Nein empfohlen hatte. Am Ende wurden die Aufsichtsratsmitglieder mit mehr als 84 Prozent entlastet, die Vorstände erhielten mehr als 94 Prozent Zustimmung. Nun jedoch sei es an der Zeit, „dass Aktionäre ihre Bedenken äußern" und die Zuständigen Verantwortung für die Lage der Bank übernähmen, meint ISS.

          Die Deutsche Bank habe zwar versichert, sie verbessere ihre internen Programme zur Einhaltung der Gesetze ständig. „Doch Fakt ist, dass der Appetit für Risiko und der Mangel an persönlicher Verantwortung bei der Bank immer wieder zu hohen Strafen, immer neuen Untersuchungen und zu Misstrauen der Aktionäre gegenüber der Führung des Instituts geführt hat“, kritisierte ISS.

          „Wir haben eine sehr robuste Bilanz“

          Die Deutsche Bank wehrte sich am Mittwoch umgehend gegen die von ISS erhobenen Vorwürfe. „Dieser Bericht spiegelt nicht die aktuelle Situation unserer Bank und ihrer Kontrollsysteme wider. Der größte Teil der erwähnten Altfälle stammt aus der Zeit vor 2016“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank der F.A.Z. Der seit April 2018 amtierende Vorstandsvorsitzende Christian Sewing habe die Geldwäschebekämpfung vorangetrieben und neunzehn der größten zwanzig Rechtsstreitigkeiten beigelegt. „Uns ist bewusst, dass noch Arbeit vor uns liegt. Aber wir haben unsere Risiko- und Kontrollsysteme bereits in den vergangenen drei Jahren deutlich verbessert und werden diesen Weg fortsetzen“, sagte der Sprecher.

          Außerdem sollte seiner Ansicht nach der tiefe  Aktienkurs, anders als von ISS erwähnt, nicht der Maßstab für Finanzstabilität sein. „Wir haben eine sehr robuste Bilanz mir einer hohen Eigenkapitalquote, reichlich Liquidität und einer hohen Qualität unserer Vermögenswerte. Der Vorstand hat 2018 seine Ziele erreicht und die Bank erstmals seit 2014 wieder in die Gewinnzone geführt.“

          Nach den Empfehlungen von Stimmrechtsberatern richten sich viele Fonds und Großanleger, insbesondere aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Gegen die Ansichten von Glass Lewis und dem Konkurrenten ISS lassen sich daher schwer Beschlüsse durch die Hauptversammlung bringen. Eine Nichtentlastung von Vorstand und Aufsichtsrat hätte zwar keine unmittelbaren Folgen, wäre aber eine Ruf schädigende Blamage für die Deutsche Bank.

          Für negative Schlagzeilen sorgte darüber hinaus ein Bericht, wonach die Deutsche Bank trotz ihrer Ertragsschwäche die meisten Einkommensmillionäre aller Banken in Europa beschäftigt.

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