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Sorge um das Umfeld : Deutsche-Bank-Führung „erstaunt“ über Fusions-Spekulationen

  • Aktualisiert am

Die beiden Glastürme der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: Wolfgang Eilmes

Man sei „konstant erstaunt“, was sich in der Presse wiederfinde, heißt es bei der Deutschen Bank zu jüngsten Fusionsspekulationen. Derweil zeichnet Bankchef Sewing ein bedrohliches Zukunftsbild.

          Die Führung der Deutschen Bank hat Spekulationen über eine Fusion mit einem anderen Geldhaus gedämpft. „Wir sind in diesen Tagen konstant darüber erstaunt, was durch die redaktionellen Filter kommt und sich in der Presse wiederfindet“, sagte Finanzvorstand James von Moltke während einer Investorenkonferenz in London.

          Zuvor machte das Gerücht die Runde, dass die Deutsche Bank auf einem internen Strategietreffen Mitte September die Möglichkeit eines Zusammengehens mit der Schweizer Großbank UBS diskutiert habe. Schon länger debattieren Anleger, ob und wann der heimische Branchenprimus mit der Commerzbank fusionieren wird.

          Die Politik und der „nationale Champion“

          Äußerungen des Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing wiederum auf einer Tagung in Düsseldorf deuten an, dass es hier gewisse politische Interessen gibt. Noch vor wenigen Jahren hätten die meisten Politiker in Europa gesagt, es sei zweitrangig, ob es in ihrem Land große Banken gebe, sagte Sewing. „Dieses Denken hat sich innerhalb kürzester Zeit gewandelt.“

          Es komme nicht von ungefähr, dass Vertreter verschiedenster Parteien in der Bundesrepublik zuletzt betont hätten, wie wichtig einheimische, aber international handlungsfähige Banken für die deutsche Wirtschaft seien. Dies geschehe auch vor dem Hintergrund von Tendenzen, Wirtschaftspolitik wieder nationaler auszurichten. „Wir begrüßen diese Unterstützung“, fügte Sewing hinzu. „Wir sind eine globale Bank mit Kunden auf allen Kontinenten und haben eine besondere Verantwortung für unseren Heimatmarkt.“

          Seit Wochen wird an den Finanzmärkten darüber spekuliert, ob die Deutsche Bank nicht früher oder später mit der Commerzbank zusammengehen wird, um einen nationalen Champion in der deutschen Bankenbranche zu schaffen. Allerdings spricht dagegen, dass die Commerzbank nur einen überschaubaren Beitrag zum internationalen Geschäft leisten würde, ein Zusammengehen in Deutschland aber wohl zu Stellenstreichungen und Filialschließungen führen würde.

          Renditen der Banken unter Druck

          Indes ist die Bankenlandschaft europaweit in Bewegung, so dass Übernahmen und Fusionen immer wieder thematisiert werden. Denn die Situation der europäischen Banken ist nicht rosig. Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Banken-Strategieberaters ZEB wird ohne Gegenmaßnahmen die Eigenkapitalrendite der Branche bis zum Jahr 2022 auf 4,2 Prozent von zuletzt 7,1 Prozent fallen. Druck komme insbesondere von hohen regulatorischen Anforderungen und den niedrigen Zinsen. Nur die wenigsten Banken könnten ihre Kapitalkosten decken, so auch die Deutsche Bank, Credit Suisse, Commerzbank und UBS.

          Zudem machten ihnen neue Anbietern das Geschäft streitig. Der Anteil der Geldhäuser an den Aktiva des europäischen Finanzsektors sei auf 37 Prozent von 66 Prozent im Jahr 2008 geschrumpft. Zugelegt hätten dagegen Schattenbanken, Hedgefonds und andere, weniger regulierte Gesellschaften. Der Anteil der Fintechs sei allerdings immer noch verschwindend gering.

          Ein möglicher Ausweg für die Banken seien Zusammenschlüsse. Seit 2010 sei die Zahl der Institute in Europa um rund ein Viertel auf 7246 gesunken. In Regionen wie Skandinavien, Großbritannien oder Belgien und den Niederlanden sei der Ausleseprozess bereits weit fortgeschritten. „In der Schweiz, Deutschland und Österreich steht dieser Prozess erst relativ am Anfang“, so ZEB-Experte Peter Rek.

          „Krisen-Cocktail"

          Sewing zeichnet derweil ein eher düsteres Bild des gesamtwirtschaftlichen Umfelds. Die Wirtschaft könne sich an einem „Krisen-Cocktail“ aus internationalen Streitigkeiten und bedrohlichen politischen Entwicklungen verschlucken. Noch gingen die meisten Volkswirte von einer stabilen Entwicklung bis ins kommende Jahr hinein aus. Die Unsicherheit sei aber viel größer geworden.

          Niemand habe etwa prognostiziert, dass der Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China „wider alle Vernunft derart eskalieren würde“. Auch zwischen der EU und den Vereinigten Staaten drohe weiter ein Wettrüsten mit Zöllen und Handelsschranken. „Die Zolldiskussion zeigt bereits Auswirkungen, wie man an den Exporterwartungen deutscher Unternehmen im Vergleich zu den Höchstständen aus dem vergangenen Jahr erkennen kann“, sagte Sewing.

           Hinzu komme der Brexit. Es gebe die Hoffnung, dass rechtzeitig zwischen der Europäischen Union und der Regierung in London geklärt werden könne, wie Modalitäten und Übergangsfristen für das britische Ausscheiden aus der EU aussehen. Komme es zwischen beiden Seiten aber zum Jahreswechsel zum „Showdown“, würden die Finanzmärkte dies bereits im Dezember einpreisen. „Volatilität wird die Folge sein - ein wenig tut gut, wenn es mehr wird, wird es gefährlich“, warnte der Deutsche-Bank-Chef.

          Auch führe die instabile Lage in der Türkei zu Fragezeichen hinsichtlich der Stabilität anderer Schwellenländer. In Europa habe zudem die Wahl in Italien Diskussionen ausgelöst, die an die Krisenjahre nach 2010 erinnerten.

          „Die Konjunktur ist stabil, keiner der Punkte für sich allein hat die Kraft, die Konjunktur aus den Angeln zu heben“, unterstrich Sewing. „Aber ganz schnell kann daraus ein Krisen-Cocktail werden.“ Dabei sehe die politische Landschaft anders aus, als sie es noch nach der letzten großen Finanzkrise getan habe. Nach der Pleite der amerikanischen -Investmentbank Lehman sei es durch eine „beispiellose internationale Zusammenarbeit" gelungen, die Lage zu stabilisieren. Damals seien Probleme gemeinsam gelöst worden. Es bestehe die Gefahr, dass es „diese Art von Koordination nicht mehr geben wird“.

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