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Deutsche Bank : Eine Aktie im Jammertal

Hat viel zu tun: Deutsche-Bank-Vorstandschef Christian Sewing Bild: AP

Der Aktienkurs der Deutschen Bank ist auf einen Tiefstand gefallen. Die Geschichte eines einzigartigen Niedergangs.

          6 Min.

          Rekorde sind eigentlich eine tolle Sache. Sie zeugen davon, dass etwas Großartiges und womöglich Unvergessliches erreicht wurde. Anders bei der Deutschen Bank: Wenn sie Rekorde schreibt wie in letzter Zeit, dann verheißt das gar nichts Gutes. Mal ist es ein Rekordverlust, den Deutschlands Vorzeigebank verkünden muss wie 2015, ein anderes Mal sind es Rekordstrafen in Milliardenhöhe wegen Zinsmanipulationen oder fragwürdiger Immobilienpapiere, die das Geldinstitut in arge Nöte bringen wie 2016. Einen weiteren Rekord, auf den sie gut und gerne hätte verzichten können, erreichte die Deutsche Bank nun am vergangenen Donnerstag: Nie zuvor lag ihr Aktienkurs am Ende eines Handelstages so niedrig – bei gerade einmal 9,07 Euro. Noch eine Rekord-Schmach.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch wenn es zum Wochenende nicht mehr ganz so übel aussieht: Dass die Aktie der Deutschen Bank deutlich unter der 10-Euro-Schwelle liegt und der Kurs nicht mal mehr ein Elftel der zu besten Zeiten im Mai 2007 notierten Höhe erreicht, erschwert dem neuen Vorstandschef Christian Sewing mächtig die Arbeit. Wie soll er Anleger von seinem Vorhaben überzeugen, die Kosten stark zu senken und gleichzeitig mehr Geld zu verdienen? „Ja, der Aktienkurs notiert auf einem historischen Tief“, hat Sewing seinen Deutsch-Bankern in einem Brief zum Wochenende geschrieben und dabei zugegeben, er habe „die schlechten Nachrichten satt“.

          Viele senken Kursziele für die Deutsche-Bank-Aktie

          Wie mögen da erst die Anleger seufzen, die seit Jahren von einer bösen Nachricht nach der anderen überrascht werden! Allein die vergangene Woche war dazu angetan, die von Sewing seit seiner Über-Nacht-Inthronisation im April verbreitete Aufbruchstimmung zu ersticken. Erst wurde die Deutsche Bank von der holpernden italienischen Regierungsbildung und dem daraus resultierenden Ausverkauf italienischer Staatsanleihen erwischt. Dann wurde aus Amerika bekannt, dass die dortigen Tochtergesellschaften der Bank von der Notenbank Fed als Problemfälle angesehen werden. Zu schlechter Letzt stufte die Ratingagentur Standard & Poor’s auch noch die Kreditwürdigkeit herab, was es für die Deutsche Bank absehbar schwerer macht, sich am Kapitalmarkt Geld zu beschaffen.

          Das war selbst kühlen Bankanalysten zu viel auf einmal: Viele senkten ihre Kursziele für die Deutsche-Bank-Aktie, manche hinunter bis auf 8 Euro. So ein Wert wäre, um die Worte des früheren Teamchefs der deutschen Nationalmannschaft, Rudi Völler, zu gebrauchen, der „tiefste Tiefpunkt“ in der Börsengeschichte der Deutschen Bank. Das ganze Ausmaß des Elends zeigt ein Vergleich: Seit dem Jahr 2012 hat sich keine andere Dax-Aktie so schlecht entwickelt wie die der Deutschen Bank. 62 Prozent hat sie seitdem an Wert verloren. Energieversorger Eon, die Nummer zwei in dieser Aufzählung, kommt auf 38 Prozent Verlust.

          So hart es ist und so unfair dies manch ein Manager auch finden mag: Die ehrlichste Auskunft über die Leistung eines Vorstandschefs und den Zustand eines Unternehmens gibt dessen Aktienkurs. Natürlich mit gewissen Abstrichen, da die Anleger zu Übertreibungen neigen und sich selbstverständlich auch irren können, was ihren Blick auf die Zukunft anbelangt. Aber auf lange Sicht gibt es keinen besseren Gradmesser.

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