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Deutsche Bank : Stühlerücken bei der Deutschen Bank

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Die DWS ist an die Börse gegangen. Am Donnerstag wurde ihr Chef gegangen. Bild: Wolfgang Eilmes

Nach dem starken Abfluss von Kundengeldern muss DWS-Chef Moreau seinen Hut nehmen. Ihm folgt Asoka Wöhrmann. Die Leitung des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank übernimmt nach F.A.Z.-Informationen künftig Philipp Gossow.

          Nachdem es dem Chef der Fonds-Tochtergesellschaft DWS nicht gelungen ist, den Milliardenabfluss von Kundengeldern zu stoppen, muss nun der bisherige Vorstandsvorsitzende Nicolas Moreau gehen. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

          Neuer Vorstandsvorsitzender ist Asoka Wöhrmann, der seit 1998 bei der Deutschen Bank ist und dort seit 2015 das Privatkundengeschäft leitete. Zuvor verantwortete er als Chef-Anlagestratege das gesamte Fondsmanagement. Bislang saß er schon im Aufsichtsrat der DWS. Bis 2015 war er Chef-Anlagestratege (CIO) der DWS gewesen und hatte damit das gesamte Fondsmanagement verantwortet.

          Wöhrmanns Nachfolger als Leiter des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank wird nach Informationen der F.A.Z. Philipp Gossow. Er soll zum 1. November seine neue Rolle übernehmen und direkt an den zuständigen Vorstand Frank Strauß berichten. Gossow war in den vergangenen zwei Jahren für das internationale Privatkundengeschäft außerhalb Deutschlands verantwortlich. Zuvor hat er in leitenden Funktionen des Privat- und Firmenkundengeschäfts der Bank gearbeitet.

          Wöhrmann für Moreau, Gossow folgt Wöhrmann

          Zu seinen wichtigsten Aufgaben wird die weitere Integration der Postbank in die Deutsche Bank zählen. Gossows bisherige Aufgaben im internationalen Geschäft soll Ashok Aram übernehmen, der bislang die Regionen Europa, Naher Osten und Afrika verantwortet.

          Zuletzt hatte vor allem der Abgang von Fondsmanager Tim Albrecht das Unternehmen stark getroffen. Er war für die Flaggschiffe DWS Deutschland und DWS Aktien Strategie Deutschland verantwortlich. Er wechselte wie schon zuvor sein früherer Chef Henning Gebhardt zur sehr viel kleineren Berenberg Bank.

          Moreau, der bislang auch im Vorstand der Deutschen Bank saß, habe nicht nur wichtige Impulse gegeben, sondern die DWS auch erfolgreich an die Börse gebracht, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner.

          DWS GROUP GMBH+CO.KGAA ON

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          Unter Wöhrmann werde die DWS weiter erfolgreich sein, so Achleitner weiter. Wöhrmann sei ein intimer Kenner der DWS und ihrer Kunden, teilte Karl von Rohr mit, Vorsitzender des Aufsichtsrats der DWS. In einer ersten Mitteilung an die Belegschaft schrieb Wöhrmann heute, die DWS müsse in einem herausfordernden Marktumfeld den Mehrwert ihres treuhänderischen Geschäfts sichtbar machen. „Wir können stolz darauf sein, dass wir das nötige Rüstzeug dafür haben – mit unserem weltweiten Schatz an Talent und vielfältiger Expertise ebenso wie mit unserer breit aufgestellten Produktpalette.“

          Zum Jahreswechsel rückt ferner Frank Kuhnke in den Vorstand. Er ist seit April Generalbevollmächtigter und verantwortete unter anderem die Informationssicherheit, das Datenmanagement und die Digitalstrategie des Konzerns.

          Nach Bekanntgabe des Abgangs im September hatte die vielbeachtete Fondsbewertungsgesellschaft Morningstar ihre Bewertung für beide Fonds herabgestuft. „Der Abgang von Albrecht ist eine deutliche Schwächung der Kompetenz des DWS-Deutschlandteams", hieß es.

          Ärger mit Trumps Steuerreform

          Die Deutsche Bank hatte einen Teil ihrer Vermögensverwaltung im März an die Börse gebracht, mit dem Versprechen, dass sie die verwalteten Kundengelder jedes Jahr um bis zu 5 Prozent steigern solle. In den ersten neun Monaten flossen aber fast 16 Milliarden Euro ab. Allein für das dritte Quartal musste Moreau einen Abfluss von 2,7 Milliarden Euro vermelden. Allerdings konnten die Netto-Abflüsse somit im Vergleich zum Vorquartal fast halbiert werden, wie das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt mitteilte.

          Sorgen bereitet der DWS die Steuerreform in den Vereinigten Staaten. Amerikanische Investoren müssen seit kurzem so gut wie keine Steuern mehr zahlen, wenn sie Geld ins Inland zurückholen. Aus diesem Grund ziehen institutionelle Anleger ihre Vermögen aus Europa ab. Im dritten Quartal zogen  amerikanische Anlegern aus DWS-Fonds 3,2 Milliarden Euro ab.

          Unterdessen reduzierte das Institut seine Kosten gegenüber dem vergangenen Jahr um knapp vier Prozent auf 403 Millionen Euro. Die Erträge fielen um acht Prozent auf 574 Millionen Euro. Allerdings wurden im Vorjahr noch Geschäfte bei der DWS bilanziert, die im Zuge des Börsengangs bei der Mutter geblieben sind. Bereinigt um diese Effekte sind die Erträge leicht gestiegen.

          Der Aktienkurs steigt am Donnerstag um 2,5 Prozent, ist aber im Frühjahr seit dem Börsengang im Frühjahr um ein Viertel gefallen. Die Frankfurter Vermögensverwalter haben 4000 Mitarbeiter und ein verwaltetes Vermögen von 700 Milliarden Euro.

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