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Belastungsprobe bestanden : Börse honoriert Stresstest-Ergebnis der Deutschen Bank

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Achtungserfolg für Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: Sein Institut hat auch den zweiten - wichtigeren - Teil des amerikanischen Stresstests bestanden. Bild: Reuters

Die Deutsche Bank hat den zweiten Teil des Banken-Stresstests mit der amerikanischen Tochter bestanden. Anleger reagieren erleichtert. Derweil muss ein Schweizer Traditionshaus nachsitzen.

          Es ist ein Achtungserfolg für Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: Sein Institut hat auch den zweiten - wichtigeren - Teil des amerikanischen Stresstests der bedeutenden Geldhäuser bestanden. Der mit Spannung erwartete Test der amerikanischen Tochter des größten deutschen Geldhauses habe gezeigt, dass das Institut deutliche Fortschritte erzielt habe, hieß es. Damit kann der Finanzkonzern aus den Vereinigten Staaten künftig wieder Geld zur Muttergesellschaft in Frankfurt überweisen, ohne die Fed fragen zu müssen. Im vergangenen Jahr war die Bank als einziges Institut durchgefallen und hatte seitdem diese Bedingung erfüllen müssen.

          An der Börse klettert der Aktienkurs der Deutschen Bank um mehr als 2,5 Prozent auf 6,78 Euro. Bankchef Sewing zeigte sich in einem Brief hochzufrieden mit dem Ergebnis: „Diese Überprüfung erfolgreich zu absolvieren war eines der wichtigen Ziele, die wir uns vor einem Jahr gesetzt hatten. Dieser Erfolg ist ein großer Fortschritt für unser Geschäft in Amerika und weltweit. Eine starke Präsenz in den Vereinigten Staaten ist für unsere Kunden ganz entscheidend.“

          Wäre die Deutsche Bank abermals bei dem Test durchgefallen, hätte das die Reputation des krisengeplagten Hauses weiter angekratzt. Die Deutsche Bank in Amerika hatte am Ende des ersten Quartals eine Bilanzsumme von 133 Milliarden Dollar. Das entspricht rund acht Prozent der Bilanzsumme des Gesamtkonzerns und 36 Prozent des gesamten Geschäftsumfangs der Deutschen Bank in den Vereinigten Staaten.

          DT. BANK

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          Für Sewing und seine Mitarbeiter sind die Sommerferien trotz des positiven Resultats bei dem Test noch weit: Denn der 49-Jährige hat seinen Aktionären harte Einschnitte im darbenden Investmentbanking versprochen. Nun arbeiten einige hundert Mitarbeiter daran, dass er sein Versprechen einlösen und spätestens mit den Halbjahreszahlen am 24. Juli auch die neue Strategie vorstellen kann. Überzeugt sein Plan dann nicht, könnte es von Seiten des Kapitalmarktes und der mächtigen Großaktionäre ungemütlich werden für den jüngsten Chef in der fast 150-jährigen Geschichte der Deutschen Bank.

          Credit Suisse muss nachsitzen

          Ein Wermutstropfen für Sewing bleibt dennoch: Sein Haus ist vorerst aus Sicht der Federal Reserve weiterhin „in schwierigen Umständen“ (“in troubled conditions“), wie es in Finanzkreisen hieß. Die Notenbank hatte dem Institut im vergangenen Jahr diese Beuteilung verpasst und die Aufsicht verschärft. Sprecher der Bank wollten das nicht kommentieren. Es ist denkbar, dass die Negativberwertung nach dem bestandenen Strettest nun bald wieder zurückgenommen wird.

          Die erste Runde der jährlichen Belastungsprobe, deren Ergebnisse vor einer Woche veröffentlicht worden waren, hatte die Deutsche Bank ebenfalls bestanden. Beim zweiten Teil war darüber spekuliert worden, ob die Bank die Aufseher nach 2015, 2016 und 2018 auch dieses Mal nicht überzeugen kann oder das Klassenziel erreicht. Auch „Bestanden mit Auflagen“ wäre eine Option gewesen.

          Dieses Urteil bekam derweil die Credit Suisse. Die Schweizer Großbank hat demnach den Stresstest nur mit Auflagen bestanden - als einzige von 18 geprüften, in dem Land aktiven in- und ausländischen Instituten. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve bemängelte gemäß dem in der Nacht auf Freitag veröffentlichten Zeugnis den Prozess der Kapitalplanung. Die Credit Suisse kündigte an, die Mängel bis zu Fristsetzung im Oktober beheben zu wollen. Im frühen Handel gaben die Credit-Suisse-Aktien um bis zu einem Prozent nach.

          Seit seinem Amtsantritt hat Konzernchef Tidjane Thiam große Anstrengungen unternommen, die zweitgrößte Schweizer Bank krisensicherer zu machen. So stärkte er mit zwei milliardenschweren Kapitalerhöhungen die Bilanz. Den ersten Teil des jährlichen Belastungstests der großen Geldinstitute bestand Credit Suisse denn auch. Bei dem Test wurde simuliert, wie sich ein extremer Wirtschaftsabschwung samt massivem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf die Kapitalpolster der Banken auswirken würde und auf ihre Fähigkeit, Unternehmen und Haushalten Geld zu leihen.

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