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Pessimistische Analysten : Daumen runter für die Deutsche Bank

Bangen um die Deutsche Bank - Der neue Vorstandsvorsitzende Christian Sewing Bild: dpa

Die Deutsche Bank muss sich neu erfinden. Doch sowohl die großen Ratingagenturen als auch die Analysten von drei Großbanken sehen beim Management wenig Ideen.

          Die Warnschüsse für die Deutsche Bank kommen in immer kürzeren Abständen. Sowohl die großen Ratingagenturen als auch die Analysten vieler bedeutender Investmenthäuser geben wenige Wochen nach dem Chefwechsel äußerst kritische Bewertungen des größten deutsche Kreditinstitut ab und schätzen seine  Zukunftsaussichten pessimistisch ein. Mit der britischen Barclays hat am Dienstag die dritte internationale Großbank ein Kursziel ausgegeben, das noch unter dem Niveau vom Herbst 2016 liegt. Damals stand der Fortbestand der Bank aufgrund einer drohenden Vergleichszahlung über 14 Milliarden Dollar ernsthaft in Frage, und der Kurs war bis auf 8,83 Euro abgesackt.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun gibt Barclays-Analyst Amit Goel 8 Euro als Kursziel aus und rät Anlegern in seiner ersten Studie zur Deutschen Bank entsprechend zum Untergewichten der Aktie. Um bis zu 2,1 Prozent auf 11,23 Euro sank der Kurs am Montag im Handelsverlauf daraufhin. Damit steht er noch ein gutes Stück oberhalb der 8 Euro.

          Doch es mehren sich die Einschätzungen, die ein so niedriges Kursniveau inzwischen als faire Bewertung der Bank sehen. Schon im vergangenen Oktober hatte Andrew Coombs von der Citibank seine Erwartung auf damals unerhörte 9,50 Euro herabgesetzt und sie inzwischen noch weiter auf 8,60 Euro herunter geschraubt. Ende April hat Andrew Lim von der französischen Großbank Société Générale nachgezogen und sein Kursziel für die Frankfurter von 10 auf 8 Euro herabgesetzt.

          DT. BANK

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          Für den neuen Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing, der sich in der nächsten Woche auf der Hauptversammlung erstmals seinen Aktionären stellt, sind das denkbar schlechte Startvoraussetzungen. Zumal die Argumentation der Analysten immer ähnlich ist: Sewing sei zwar eine gute Wahl und dass er schon kurz nach seinem Amtsantritt Anfang April erste Schritte zur Verkleinerung des Investmentbankings eingeleitet habe, zeige seine Durchsetzungskraft. Aber den professionellen Beobachtern sehen bei Sewing keine Phantasie, wo die Bank künftig wieder steigende Erträge erzielen will. Stattdessen werde der Umbau erst einmal viel Geld kosten.

          Marktanteilsverluste und geringe Renditen dürften nach Ansicht von Barclays-Analyst Goel die kommenden Jahre prägen. Auch hegt er erhebliche Zweifel, dass die Bank ihre Kostensenkungsziele erreichen wird. Die mit dem Bericht zum ersten Quartal vom Management angekündigten Initiativen dürften die Probleme der Bank kaum lösen.

          Herabstufung der Bonitätsnote wahrscheinlich

          Während die Analysten-Einschätzungen sich einmal mehr und einmal weniger auf den Aktienkurs auswirken, könnte eine Herabstufung durch die Ratingagenturen weit größere Folgen haben. Eine schlechte Bonitätsnote kann die Refinanzierungskosten der Bank verteuern. Sowohl Standard & Poor’s (S&P) als auch Moody’s haben von der Bankführung Klarheit über die künftige strategische Ausrichtung und vor allem die damit verbundenen Kosten gefordert.

          Beide Agenturen wollen eine Herabstufung der Bonitätsnoten prüfen, S&P womöglich schon in diesem Monat. „Die Wahrscheinlichkeit einer Herabstufung liege bei mindestens 50 Prozent“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters S&P-Analyst Giles Edwards. Die dritte große Ratingagentur Fitch bewertet die Bank schon seit Herbst eine Stufe schwächer als die Konkurrenz.

          Der Bank bleibt derweil nur die Schmollecke: Dixit Joshi, der als Group Treasurer die Refinanzierung der Bank verantwortet, hatte sich in der vergangene Woche im Gespräch mit Analysten „enttäuscht“ über die negative Haltung der Ratingagenturen gezeigt. „Wir glauben nicht, dass unsere Ratings die Stärke unserer Bilanz und unserer geringen Risikoniveaus richtig widerspiegeln, aber wir werden mit den Agenturen weiter zusammenarbeiten, um ihre Bedenken zu zerstreuen“.

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