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Deutsche Bank : Aktionäre entlasten Vorstand und Aufsichtsrat

Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Frankfurt Bild: Reuters

Aktionäre prangern auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank das Missverhältnis von Boni zu Dividenden an. Das zeigt sich auch in schlechten Zustimmungswerten für Aufsichtsratschef Achleitner.

          Kleinaktionärsvertreter und Fondsmanager haben den Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank, Paul Achleitner, und den Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing am Donnerstag wegen hoher Bonuszahlungen und schwacher Aktienkursentwicklung in die Mangel genommen. Auch die Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka kündigte an, den Aufsichtsrat nicht zu entlasten.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Abend setzte ein Aktionär durch, dass jedes Vorstands- und Aufsichtsratsmitglied einzeln entlastet wurde. In dieser Abstimmung entfielen rund 72 Prozent der abgegebenen Stimmen auf Achleitner, 75 Prozent entlasteten Sewing. Zuvor hielten es Finanzkreise für wahrscheinlich, dass für Achleitners Entlastung nur gut 60 Prozent der Aktionäre stimmen, was  an die damaligen Ko-Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen erinnert hätte, die auf der Hauptversammlung im Jahr 2015 nur von 61 Prozent entlastet wurden und wenige Wochen später ihre Ämter niederlegten. Darauf spielte auch Aktionärsvertreter Klaus Nieding (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz) an. „Wir können uns keine Führungsschwäche erlauben“, sagte Nieding. Er warnte davor, Achleitner die Entlastung „als symbolischen Akt“ zu verweigern. So kam Achleitner noch vergleichsweise glimpflich davon.

          Der seit April 2018 amtierende Vorstandsvorsitzende Christian Sewing stellte in seiner Rede einen größeren Umbau der Deutschen Bank in Aussicht. „Ich kann Ihnen versichern, wir sind zu harten Einschnitten bereit“, sagte Sewing den Aktionären zu Beginn der Hauptversammlung. Nach dem Abbruch der Gespräche mit der Commerzbank werde er die Transformation der Deutschen Bank beschleunigen. Gerade die von vielen als überdimensioniert empfundene Investmentbankingsparte müsse „noch mehr auf ihre Stärken“ ausgerichtet werden.

          Entweder müsse ein Segment wie das Beratungs- und Emissionsgeschäft „in besonderem Maß“ anderen Geschäftsbereichen dienen. Oder: „Das Geschäft ist in sich profitabel und erfüllt unsere Renditeanforderungen auch ohne Synergien in anderen Bereichen“, definierte Sewing „Stärke“. Dies gelte derzeit etwa für den Währungshandel und den Handel mit Unternehmensanleihen oder für gewerbliche Immobilienfinanzierungen in den Vereinigten Staaten. Sewing nannte nicht den Aktienhandel und den Handel mit Staatsanleihen – das dürften Geschäftsfelder sein, in denen die Deutsche Bank künftig kürzer treten wird.

          Lob für die DWS

          Bei den Aktionären kam die Rede von Sewing gut an. Er versprach eine andere Unternehmenskultur, sprach aber nicht mehr wie noch vor einem Jahr von „Jägermentalität“, sondern von  „Gründermentalität“. „Zu oft hatten in unserer Bank diejenigen die Oberhand, die bremsen anstatt Neues zu ermöglichen.“ Sewing sprach davon, das Vertrauen der Aktionäre zurück gewinnen und Stolz bei den Mitarbeitern zurück bringen zu wollen. „Verwechseln Sie nicht Stolz mit Arroganz, die ist immer fehl am Platz“, fügte Sewing sogleich hinzu, vermutlich um nicht gleich Widerspruch im Publikum auszulösen.

          Die Stimmung dort ist angespannt. Die Aktionäre der Deutschen Bank sind wütend über den Aktienkurs, der seit Achleitners Amtsantritt im Jahr 2012 mehr als 70 Prozent verloren hat und in dieser Woche an jedem Tag neue Tiefstkurse erreichte. Am Mittwoch fiel die Deutsche-Bank-Aktie erstmals zum Handelsschluss auf 6,615 Euro. Am Donnerstag startete die Aktie noch einmal 3 Prozent tiefer mit zeitweise weniger als 6,40 Euro. „Niemand ist enttäuschter als ich darüber, wie wir an der Börse abschneiden“, sagte Sewing. Er betonte, anders als unter seinen Vorgängern habe die Deutsche Bank 2018 alle ihre Ziele erreicht. Er sei aber erst am Anfang. Die Kosten müssten weiter sinken. Als eine Initiative kündigte er an, Doppelstrukturen bei Risikovorstand Stewart Lewis und Regeleinhaltungsvorstand (Compliance) Sylvie Matherat zusammenzuführen.

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