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Deutsche Bank : Aktionäre entlasten Vorstand und Aufsichtsrat

„Traurig und schockiert darüber, was aus der Deutschen Bank geworden ist“

Zum Vergleich: Die Aktionäre erhalten 11 Cent je Aktie Dividende, insgesamt eine Ausschüttung von rund 230 Millionen Euro. „Wir werden mit 12 Prozent der Boni abgespeist“ kritisierte Thomae. Fondsmanagerin Alexandra Annecke von der Fondsgesellschaft Union Investment sprach von einem „krassen Missverhältnis zwischen Boni und Dividenden, das endlich ins Lot gebracht“ werden müsse. Sie kündigte aber an, Achleitner und Sewing noch eine Chance zu geben und sie zu entlasten. Endlich würden wenigstens die Kostenziele erreicht und die Liquidität der Deutschen Bank besser eingesetzt, lobte Annecke Sewing.

Erstmals seit vier Jahren hat auch der Vorstand wieder einen Bonus bekommen – obwohl nur 41 Prozent der langfristigen und 70 Prozent der kurzfristigen Ziele erreicht wurden, rechnete dagegen der Deka-Fondsmanager vor. Insgesamt bekamen die Vorstände zusammen 55,7 Millionen Euro von der Deutschen Bank überwiesen, Bankchef Sewing brachte es auf 7 Millionen, Investmentbanking-Vorstand Garth Ritchie sogar auf mehr als 8 Millionen Euro.

Am Mittwoch erzürnte die Aktionäre besonders, dass Risikovorstand Stewart Lewis und Ritchie trotz sinkender Erträge in der Investmentbanking-Sparte eine Zulage wegen des Brexits in siebenstelliger Höhe erhielten. „Wir halten das für unangemessen, wenn man die wirtschaftliche Lage der Bank betrachtet, sie ist ein Sanierungsfall“, sagte Markus Kienle, der Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger laut Redetext. Er kritisierte, dass die Deutsche Bank trotz kleinerer Erfolge wie Kostenreduzierungen immer wieder von Skandalen getroffen werde. Kienle nannte als Beispiel die Schwierigkeiten in der Geldwäschebekämpfung, wegen denen die Bankenaufsicht in der Deutschen Bank sogar einen „Sonderaufpasser“ installiert hat.

Proteste der Organisation Attac vor der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Messe Frankfurt
Proteste der Organisation Attac vor der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Messe Frankfurt : Bild: Hanno Mußler

Die Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka, die mit 12 Millionen Deutsche-Bank-Aktien etwa 0,6 Prozent aller Aktien vertritt, nannte es „katastrophal“, dass die Deutsche Bank derzeit 93 Cent aufwenden muss, um einen Euro Ertrag zu erzielen. „Auch die niedrige materielle Eigenkapitalrendite von nur 0,5 Prozent im vergangenen Geschäftsjahr ist absolut inakzeptabel und meilenweit vom Ziel von zehn Prozent entfernt“, kritisierte Deka-Fondsmanager Andreas Thomae. Er fragte Vorstandschef Christian Sewing, wie und bis wann er das Ziel erreichen wolle und legte ihm einen weiteren Stellenabbau nahe. Vor allem im Investmentbanking verliere die Deutsche Bank Marktanteile. „Wo bleibt der überfällige weitere Rückbau der US-Investment-Banking-Sparte?“, fragte der Fondsmanager und fügte hinzu. „Vor allem das Aktiengeschäft in den Vereinigten Staaten müsste unseres Erachtens deutlicher zurückgefahren werden. Denn bis auf das Credit- und Verbriefungsgeschäft im Rentenbereich ist die Deutsche Bank in den USA einfach nicht konkurrenzfähig.“

Auch die Fondsmanagerin von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, zeigte sich „traurig und schockiert darüber, was aus der Deutschen Bank geworden ist“. Alexandra Annecke fügte hinzu: „Eine Fusion mit der Commerzbank hätte die Probleme der Deutschen Bank nicht gelöst, sondern bestenfalls kaschiert.“ Die Union-Fondsmanagerin meint, die Deutsche Bank wäre durch die Commerzbank stabiler und profitabler geworden. „Auch der Staat als Ankeraktionär wäre ein stabilisierender Faktor gewesen“, sagte Annecke. „Damit hätte man im Investmentbanking zwar weiter ein großes Rad drehen können, aber die einstige Vorzeigesparte der Deutschen Bank ist nur noch ein Schatten ihrer selbst.“ Annecke warf dem Vorstand vor, sich der Messbarkeit und dem Dialog mit Anlegern zu entziehen, weil er keine Renditeziele für die einzelnen Sparten, insbesondere für das Investmentbanking, nenne.

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