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Deutsche Bank : Aktionäre entlasten Vorstand und Aufsichtsrat

Sewing lobte die Fondsgesellschaft DWS und deren neuen Chef Asoka Wöhrmann sowie die Sparte für den internationalen Zahlungsverkehr, die das „Herz“ der Bank sei. Diese Transaktionärsbank erziele bereits eine zweistellige Eigenkapitalrendite, die Sewing „mittelfristig“ für den gesamten Konzern erreichen will. Die Transaktionsbank sei bisher vernachlässigt worden, sie solle sich künftig mehr entfalten können, gerade in Asien.

Achleitner will Investoren und Kunden nicht im Stich lassen

Viele Aktionäre führen die schlechte Aktienkursentwicklung denn auch nicht auf diese von Sewing gestärkten „stabilen“ Sparten zurück. Sie beklagen vielmehr die schwindenden Erträge des in ihren Augen viel zu großen und seit zwei Quarten mit Verlust arbeitenden schwankungsanfälligen Investmentbankings. Auch Rechtsrisiken wie Geldwäsche und das Scheitern im Stresstest der amerikanischen Bankenaufsicht sorgten für Unmut.

DT. BANK

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Erstmals haben mit ISS und Glass Lewis auch zwei mächtige internationale Aktionärsvertreter empfohlen, den Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Das hätte zwar zunächst keine unmittelbaren Folgen, käme aber einem Rufschaden gleich. Spekuliert wurde daher am Rande der Hauptversammlung, ob sich Achleitner die Zustimmung der dort selten in Erscheinung tretenden Großaktionäre wie Qatar, HNA und Cerberus für dieses Aktionärstreffen noch ein letztes Mal gesichert haben könnte und dafür im Gegenzug einen Rückzug vom Aufsichtsratsvorsitz vor Ende seiner regulären Amtszeit im Jahr 2022 zugesagt haben könnte.

643 Mitarbeiter zu Gehaltsmillionären gemacht

Achleitner äußerte sich zunächst nicht zu seinem persönlichen Plänen. Aber er wolle sich der Kritik der Aktionäre stellen, etwa wenn ein Missverhältnis von Mitarbeiterbezügen und Aktionärsrendite bemängelt werde. Und Achleitner gab zu: „Wir müssen die Deutsche Bank schneller und radikaler umbauen.“ Aber es müsse auch Konstanten geben. Als eine von vier Konstanten nannte Achleitner: „Wir müssen global bleiben. Denn eine international vernetzte Volkswirtschaft wie die deutsche braucht eine entsprechende Bank.“

Später sagte Achleitner er habe nicht vor, Investoren und Kunden im Stich zu lassen. „An einem Denkmal liegt mir nichts, am Wohl der Deutschen Bank aber schon.“ Im Saal bleibt es ruhig. Applaus ist nicht zu hören – aber auch keine Buh-Rufe. Er habe sich die Aufgabe bei seinem Antritt 2012 anders vorgestellt. „Bei allen Herausforderungen, Rückschlägen und auch menschlichen Enttäuschungen, die ich in den letzten sieben Jahren erleben musste, so habe ich doch so viele tolle Menschen kennengelernt innerhalb der Bank, aber auch unter Investoren und Kunden, dass ich nicht vorhabe, diese im Stich zu lassen“, sagte der bis zur Hauptversammlung 2022 gewählte Achleitner. Er gab sich abwägend selbstkritisch: „Habe ich in den vergangenen sieben Jahren Fehler gemacht? Ja natürlich habe ich in den vergangenen sieben Jahren Fehler gemacht. Bin ich die Wurzel allen Übels? Nein, natürlich bin ich das nicht.“

Den zu Beginn der Hauptversammlung gestellten Antrag, Achleitner als Versammlungsleiter abzusetzen, lehnten die rund 8500 anwesenden Aktionäre ab. Nur 0,96 Prozent stimmten dafür. Die Anwesenheitsquote von 34 Prozent des Kapitals ist deutlich niedriger als in den Vorjahren. Dies könnte damit zu tun haben, dass das chinesische Konglomerat HNA, zeitweise größter Aktionär der Deutschen Bank, sein Aktienpaket deutlich verringert hat. Aktionärsvertreter Nieding sprach von einem „erodierten Aktionariat“ und fragte, ob die Deutsche Bank zum Übernahmekandidat werde.

Deutsche Anleger erzürnen besonders die hohen Boni, die von der Deutschen Bank zusätzlich zu den Festgehältern Investmentbankern gezahlt werden. „Herr Dr. Achleitner, wir stören uns an der Höhe der Bonuszahlungen!“, sagte Nieding und erhielt dafür viel Applaus. Die Deutsche Bank hatte 2018 den ersten (kleinen) Gewinn nach drei Jahren mit (hohen) Verlusten gemacht. An Boni schüttete die Deutsche Bank 1,9 Milliarden Euro aus und machte damit 643 Mitarbeiter zu Gehaltsmillionären.

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