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Deutsche-Bank-Aktie : „Jeden Kursanstieg zum Verkauf nutzen“

Die Deutsche-Bank-Konzernzentrale in Frankfurt Bild: Reuters

Am Morgen hatte es noch so ausgesehen, als ob die Börsianer die radikalen Umbaupläne der Deutschen Bank begrüßen würden. Doch mittlerweile sieht es mehr aus wie: Rette sich, wer kann.

          Auch wenn der deutsche Aktienmarkt am Montagmorgen eher verhalten eröffnete - eine Aktie war wirklich gefragt. Und es war keine große Überraschung: Die Pläne der Deutschen Bank, mindestens 18.000 Stellen rund um den Globus zu streichen, wurden von den Anlegern begrüßt. Der Aktienkurs stieg um mehr als 4 Prozent bis auf 7,489 Euro. Er setzte damit zunächst eine Aufwärtsbewegung fort, die vor gut einem Monat begonnen hatte, nachdem die Notierung ein Allzeittief von 5,958 Euro markiert hatte.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wir haben keine andere Möglichkeit“, sagte Deutsche-Bank-Chef Sewing am Montag dem Sender n-tv. „Diese Bank muss sich auf ihre Stärken konzentrieren. Das machen wir jetzt und das bedeutet, dass wir Dinge schließen und das heißt auch Jobs abbauen.“

          Doch schon bald ließ die Begeisterung nach, denn von Analystenseite folgte eine skeptische Stimme der anderen. Bis zum Mittag hatten sich die Skeptiker durchgesetzt. Was folgte war eine dynamische Abwärtsbewegung. Aktuell liegt der Kurs  mehr als 5 Prozent im Minus bei 6,80 Euro.

          Der Umfang der geplanten Maßnahmen sei überraschend, zeige er doch eine tiefgehende Restrukturierung, sagt Jernej Omahen von Goldman Sachs. Auch die Größe der „Bad Bank“ sei mit 74 Milliarden Euro deutlich größer als erwartet, ebenso die erwarteten Restrukturierungskosten von 7,4 Milliarden. Omahen äußert sich weiter kritisch. Das neue Rentabilitätsziel von 8 Prozent im Jahr 2022 liege unter den geschätzten Kapitalkosten, sei im Branchenvergleich niedrig und dennoch sehr ehrgeizig.

          DT. BANK

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          „Der jüngste Restrukturierungsversuch der Deutschen Bank ist radikaler als frühere Bemühungen“, sagt Analyst Eoin Mullany von der Berenberg Bank. „Aber wir würden jeden Kursanstieg zum Verkauf der Aktie nutzen, weil es bei der Strategie erhebliche Umsetzungsrisiken gibt und beim Kapital wenig Spielraum für Fehler.“

          Auch Anke Reingen von RBC sieht die geplanten Maßnahmen als radikaler denn erwartet an. Dies könne den Aktienkurs kurzfristig stützen. Dennoch werde die Rentabilität in nächster Zeit niedrig bleiben und man sehe derzeit nicht wirklich, wie die Bank diese verbessern könne. Eine weitere Kapitalerhöhung sei nicht auszuschließen. Es sei überraschend, dass die Bankenaufsicht der Deutsche Bank die Minimalkapitalausstattung von 12,5 Prozent mit Bezug auf das harte Kernkapital gestatte.

          Viele der 18.000 Stellen sollen in London abgebaut werden, schreibt Neil Wiulson, Marktanalyst von Markets.com. Das erinnere an die dunklen Tage von 2008 und Lehman Brothers. Bisher seien die Bemühungen der Bank zu gering gewesen und zu spät gekommen. Jetzt seien die Maßnahmen richtig, aber hätten Jahre früher kommen müssen. Die Restrukturierung werde wichtige Kostensenkungen bringen, doch die Pläne wie später die Einnahmen wieder wachsen sollen, seien weniger klar. Immerhin geben die Maßnahmen den Anlegern ein wenig Hoffnung – das sollte den Aktienkurs steigen lassen.

          Sehr kritisch sieht Markus Schön, Geschäftsführer der DVAM Vermögensverwaltung einige Personalentscheidungen. Wenn nun der in allen früheren Positionen sehr erfolgreiche Privatkundenchef Frank Strauss abgelöst werde, deute dies vor allem darauf hin, dass Sewing seine eigene Stellung sichern wolle, zumal ein ehemaliger Versicherungsvorstand die Position übernehmen solle. Wie so eine Entwicklung nach vorne gestaltet werden könne, sei äußerst fraglich. Die Deutsche Bank müsse stark im Heimatmarkt sein, um ein internationales Investmentbanking zu ermöglichen. Dies gehe nicht mit Vertriebsmethoden, die selbst Sparkassen und Volksbanken inzwischen beherrschten.

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