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Unterbewertetes Geldhaus : Wie schlecht ist die Deutsche Bank?

Wacker spricht John Cryan, der nüchterne Brite, von „Übergangsjahren“. Davon hat die Bank einige hinter sich. Schon Vorgänger Anshu Jain hatte einst von einem „Hungermarsch“ gesprochen, den es zu überstehen gelte, bevor die Zeiten wieder besser werden. Die Aktionäre hungern bis heute. Auch im nächsten Jahr winkt allenfalls eine magere Dividende.

Wann ruft die EZB endlich die Zinswende aus?

Erst für die Zeit danach stellt das Management „wettbewerbsfähige Ausschüttungen“ in Aussicht, wohl wissend, dass es noch dauern wird mit dem Aufräumen. Im Investmentbanking hat der Konzern Marktanteile eingebüßt, allein im vierten Quartal des Vorjahres ging dadurch eine Milliarde Euro an Erträgen flöten. Kunden – große wie kleine – haben im hektischen Herbst Geld abgezogen. Es wird dauern, bis es zurückkehrt. Und dann ist da noch die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer Nullzinspolitik – ein Anschlag auf die Profitabilität jeder Bank. Mit Privatkunden ist unter diesem Vorzeichen wenig zu holen. In den Folien, die der Vorstand auf Road-Shows für Investoren auflegt, rechnet er vor, wie der Gewinn schlagartig nach oben springt, sobald die Zinsen auch nur um einen Prozentpunkt steigen: Im ersten Jahr würde die Deutsche Bank dadurch 1,5 Milliarden Euro mehr verdienen, im nächsten schon fast zwei Milliarden Euro. Ein gewaltiger Hebel.

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Was Cryan leider nicht weiß (und auch sonst niemand): Wann genau ist es so weit? Wann ruft die EZB endlich die Zinswende aus? Im Moment sieht es eher so aus, als ziehe sich die Sache. Die Erwartungen haben sich in Richtung Zukunft verschoben, das schlägt direkt auf den Aktienkurs der Deutschen Bank durch.

Wo also bleibt das Positive, die frohe Botschaft? Eines zumindest hat sich geändert: Die Börsianer nehmen der Bank die vielfach versprochene Kostendisziplin ab, das ergibt sich aus Umfragen unter Analysten. Die erkennen an, dass die Bank die angekündigte Schließung von Filialen unter Regie von Christian Sewing, dem Vorstand für die Privatkunden, stur abarbeitet: 177 von avisierten 188 Standorten sind bereits geschlossen, 13.000 Mitarbeiter umbesetzt, 2300 Stellen abgebaut. Und das alles mit weniger Restrukturierungsaufwand als zunächst angenommen.

Hauptversammlung im Mai 2017 : Deutsche Bank will nach vorne blicken

Die Frage nach den künftigen Gewinnen ist damit freilich nicht beantwortet. „Wir müssen den Markt erst noch von den Erträgen überzeugen“, geben Führungsleute im Konzern zu. Die Postbank, die nach etlichem Hickhack wieder reintegriert wird (ein offensichtliches Beispiel für Managerversagen), etwa soll erst in vier bis fünf Jahren richtig rund laufen. Das ist eine verdammt lange Zeit für die Börse. Und die Vermögensverwaltung, bislang ein stabiler Profitbringer, wird abgespalten und als „Deutsche Asset Management“ an die Börse gebracht, „wahrscheinlich nicht mehr in diesem Jahr“, wie Cryan sagt. Wahrscheinlich im Frühjahr, so wird erwartet, sofern es die Launen des Marktes zulassen. Der Deutsche-Bank-Aktionär hat davon wenig zu erwarten.

Nur auf mickrige 5,4 Prozent gekommen

Bleibt noch das Investmentbanking: In den fetten Jahren eine Gewinnmaschine, hat auch dieser Bereich zuletzt kräftig abgebaut. Teils absichtlich, als Lehre aus der wilden Vergangenheit, teils aus Unvermögen. Der Anspruch, gegen die großen Amerikaner, gegen JP Morgan oder Goldman Sachs, anzutreten, ist verwirkt. Das zeigt schon der Blick auf die Börsenkurse: Während die Aktionäre der Deutschen Bank seit 2007 sehr viel Geld verloren haben, hat die JP-Morgan-Aktie 90 Prozent an Wert gewonnen, die Goldman-Aktie wenigstens noch zwölf Prozent. Von der Weltspitze, dem Ziel, das Anshu Jain einst ausgerufen hat, war die Deutsche Bank nie so weit weg.

Im Anleihehandel spielen die Investmentbanker noch oben mit, aber sonst? Im lukrativen Geschäft mit Übernahmen und Fusionen sind die Deutsch-Banker selbst auf dem heimischen Markt zurückgefallen. Wenn die Konzernchefs in der Industrie hierzulande auch beteuern, dass die Deutsche Bank wichtig sei für die einheimische Volkswirtschaft – für ihre großen Deals kommen sie gut ohne sie aus.

Manch einer wird sich angesichts all dieser Schwächen an die großspurigen Töne des früheren Bankchefs Ackermann erinnern, der einst eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern als Ziel ausgerufen hatte. Im ersten Halbjahr 2017 kam die Deutsche Bank nur auf mickrige 5,4 Prozent.

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