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Howard Schultz : Der Starbucks-Gründer zieht sich zurück

Howard Schultz (hier Mitte Mai in Washington) tritt als Chef von Starbucks zurück. Kandidiert er nun für das Weiße Haus? Bild: AFP

Howard Schultz räumt seinen Posten als Chef von Starbucks. Schon machen Spekulationen die Runde, er könnte um das Amt des Präsidenten kandidieren. Schultz bezieht dazu Stellung.

          Der Gründer der amerikanischen Kaffee-Hauskette Starbucks, Howard Schultz, gibt seinen Chef-Posten im Unternehmen auf. Das hat Starbucks jetzt mitgeteilt. Während seiner knapp vier Dekaden als Chef brachte er das Unternehmen von 11 auf 28.000 Filialen in 77 Ländern. Die Aktie ist seit dem Börsengang 1992 um 21.000 Prozent gestiegen, rechnet Starbucks vor.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Firma inszeniert Schultz als einen Unternehmer, der finanziellen Erfolg mit sozialem Gewissen verbindet. Mitarbeiter kommen in den Genuss einer Krankheitsversicherung, von Starbucks-Aktien und der vollen Übernahme der Hochschulgebühren an der Arizona State University für Beschäftige, die neben Beruf einen Hochschuldabschluss erreichen wollen. Mit diesen Sozialleistungen nimmt Starbucks eine Sonderrolle in der Systemgastronomie ein. 

          Mögliche Präsidentschaftskandidatur?

          Spekulationen, er könne eine Präsidentschaftskandidatur anstreben, hatten schon vor der jüngsten Wahl kursiert. Damals hatte er in einem Zeitungsbeitrag eine Bewerbung abgelehnt, „trotz der Ermutigung durch andere.“ Diesmal weist der 64 Jahre alte Schultz die Idee nicht mehr kategorisch zurück. Dem Interviewer der Zeitung „New York Times“, die die Meldung seines Abschied als erstes Medium gebracht hatte, sagte Schultz wörtlich:

          „Ich beabsichtige über eine Reihe von Optionen nachzudenken, das könnte auch ein öffentliches Amt umschließen.“ Er sei aber noch weit von einer Entscheidung entfernt. Der Milliardär räumte allerdings ein, tief besorgt über die wachsende Polarisierung und über Amerikas Ansehen in der Welt zu sein.

          Schultz vertritt in der Regel links-progressive Ansichten, Präsident Donald Trump kritisierte er voriges Jahr dafür „jeden Tag Chaos“ zu produzieren. Die Steuersenkungen verurteilte er wegen der damit verbundenen Defizite, die zu Lasten der jungen Menschen gingen. Als Antwort auf Trumps Dekrete zur Einschränkung von Immigration und der Aufnahme von Flüchtlingen hatte das Unternehmen angekündigt, binnen fünf Jahren 10.000 Flüchtlinge einzustellen.

          STARBUCKS

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          Nicht erst seit dieser Ankündigung sind gerade konservative Gruppen Starbucks feindlich gesonnen. Auf einer Hauptversammlung im Jahr 2013 hatte ein Aktionär gewarnt, Starbucks Befürwortung der Ehe von Menschen gleichen Geschlechtes koste Starbucks Kunden. Schultz antwortete, nicht jede Entscheidung sei eine ökonomische Entscheidung. Direkt an den Aktionär gewandt sagte er damals: „Wenn sie denken, sie können höhere Renditen als die 38 Prozent vom letzten Jahr bekommen, dann verkaufen sie ihre Starbucks-Aktien. Das ist ein freies Land.“  Schultz ist größter privater Einzelaktionär von Starbucks.  

          Abschied in mehreren Schritten

          Das Unternehmen wirbt für Diversität, fairen Handel und ökologische Bezugsquellen. Im Präsidentschafts-Wahlkampf hatte Schultz Hillary Clinton unterstützt, nach der Wahl macht er klar, dass sein Unternehmen nicht im Clinch mit Trumps Anhängern sei. Dieser hatte Starbucks dafür kritisiert, vor Weihnachten rote Becher ohne christliche Symbole herausgegeben zu haben und auf einer Kundgebung in Illinois die rhetorische Frage in die Menge geworfen, ob man Starbucks nicht boykottieren solle.

          Schultz vollzieht seinen Abschied in mehreren Schritten. Im April 2017 trat er als CEO zurück und wurde als „executive Chairman” zuständig für die Entwicklung der Edelmarke Starbucks Reserve, unter der Röstereien und Geschäfte firmieren. Nach seinem Rückzug am 26. Juni als Chairman beaufsichtigt Schultz noch ein Sonderprojekt, das ihm am Herzen liegt.

          Im September soll mit der Eröffnung einer Rösterei im italienischen Mailand endlich der Eintritt Starbucks in den italienischen Markt gelingen. Mit einer Geschäftsreise nach Italien, so pflegt er selbst zu erzählen, hatte Schultz‘ Idee einer Kaffeehaus-Kette Kontur bekommen. Zurück in Seattle kaufte er mit einem Investor das kleine lokale Starbucks-Imperium mit gerade einmal elf Niederlassungen und verbreitete sie global. Nur Italien mied er, offenbar aus Vorsicht.

          Schultz, der vergangenes Jahr vor allem mit Aktienoptionen knapp 18 Millionen Dollar verdiente, ist einer von mehreren reichen Persönlichkeiten, die mit dem Gedanken einer Präsidentschaftskandidatur schwanger gehen. Der Disney-Chef Bob Iger liebäugelt  ebenfalls mit einer Kandidatur als Demokrat, hatte gestern allerdings einen schlechten Tag. Der prominente Linke Bernie Sanders hatte die Hungerlöhne in Disneys Vergnügungsparks gegeißelt. Auch Howard Schultz bekommt schon sein erstes Fett weg. In der Starbucks-Heimat Seattle sind einige eingeschworene Sportfans sauer auf Schultz, weil er das Basketballteam Supersonics nach Oklahoma City verkauft hatte. 

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