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Neuer Deal von Warren Buffett : Sonntagsausflug nach Omaha

  • -Aktualisiert am

Warren Buffett unterstützt Occidental bei seinem Kampf um die Übernahme des Konkurrenten Anadarko. Bild: AP

Warren Buffett mischt sich mit einer zweistelligen Milliardeninvestition in eine der größten Übernahmeschlachten der vergangenen Jahre ein.

          3 Min.

          Buffetts Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway unterstützt den amerikanischen Ölkonzern Occidental Petroleum mit einer Finanzspritze von 10 Milliarden Dollar beim Versuch, den Konkurrenten Anadarko Petroleum zu übernehmen.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Erst Mitte April hatte der Energieriese Chevron die geplante Übernahme von Anadarko für 33 Milliarden Dollar bekanntgegeben. Der Verwaltungsrat von Anadarko hatte der Offerte zugestimmt. Occidental unterbreitete in der vergangenen Woche dann aber ein Gegenangebot von 38 Milliarden Dollar. „Wir freuen uns sehr, dass wir die finanzielle Unterstützung von Berkshire Hathaway haben“, sagte Vicki Hollub, die Vorstandsvorsitzende von Occidental.

          Die Unterstützung von Buffett gilt an der Wall Street in der Regel als Gütesiegel. Während der Finanzkrise hatte Buffett ins Wanken geratene Finanzgiganten wie Goldman Sachs und die Bank of America sowie den Mischkonzern General Electric mit Milliardenbeträgen unterstützt und damit nahezu im Alleingang das Vertrauen der Börse in diese Unternehmen wiederhergestellt.

          Chevron, in Amerika die Nummer zwei der Branche hinter Exxon Mobil, und die deutliche kleinere Occidental sind an Anadarko interessiert, weil dem Unternehmen bedeutende Anteile am permischen Becken in Texas und New Mexico gehören, einem der bedeutendsten Vorkommen für Schieferöl und -gas.

          An der Börse wird angesichts der Intervention von Buffett unterstellt, dass Occidental bei Anadarko zum Zug kommen wird. Der Aktienkurs von Occidental gab deutlich nach und der Kurs von Chevron stieg. Bei angekündigten Übernahmen fällt der Kurs des Käufers häufig. Der Kurs von Anadarko bewegte sich kaum. Aber im April war der Kurs angesichts der beiden Übernahmeangebote schon um 60 Prozent gestiegen. Die Aktien von Berkshire Hathaway reagierten ebenfalls mit überdurchschnittlich starken Kursgewinnen.

          „Was macht Occidental in Omaha?“

          Auch das ist eine normale Kursreaktion auf derartige Nachrichten. Ungewöhnlich war allerdings, dass die Kurse nicht erst am Dienstag nach der offiziellen Ankündigung, sondern schon einen Tag vorher so stark schwankten. Am Montag hatte es erste Gerüchte gegeben, dass sich Buffett möglicherweise mit Occidental verbünden könnte. Der Grund: Der Gulfstream-Firmenjet von Occidental wurde am Sonntag in Nebraska auf dem Flughafen von Omaha, dem Sitz von Berkshire Hathaway, geortet. Dieser Hinweis stammte von einem Dienstleister, der sich auf ungewöhnliche Flugbewegungen von Firmenjets spezialisiert. Derartige Angebote sind bei Profianlegern, insbesondere Hedgefonds gefragt, die sich davon einen Informationsvorsprung und Schlüsse auf mögliche Geschäftsentscheidungen von Unternehmen erhoffen – unter anderem für Fusionen und Übernahmen.

          Der Analyst Don Bilson von der unabhängigen Marktforschungsgesellschaft Gordon Haskett bezog sich am Montag in einem Bericht an seine Klienten auf die Flugdaten von Quandl, einen auf „alternative“ und finanzmarktrelevante Daten spezialisierten kanadischen Anbieter und stellte eine kluge Frage: „Was macht Occidental in Omaha?“ – noch dazu an einem Sonntag inmitten einer Übernahmeschlacht.

          Bilsons weitere Recherche war simpel. Berkshire, die Aktien des amerikanischen Energiekonzerns Phillips 66 und der kanadischen Ölförderer Suncor hält und laut Buffett immer an großen Investionen interessiert ist, war zuletzt weder an Chevron, Anadarko noch Occidental beteiligt. Und Occidental, deren Kürzel an der New Yorker Börse OXY lautet, hat in alten Geschäftsberichten bisher noch nie Nebraska erwähnt. Es musste also einen anderen Grund für den sonntäglichen Geschäftsflug geben und Bilson war mit seinen Schlussfolgerungen nahe dran: „Obwohl wir nicht sagen können, was OXY gestern wohl in Omaha gemacht haben könnte, können wir uns denken, das sie möglicherweise Buffett mit ins Boot nehmen, um mit dem Baranteil der Offerte zu helfen.“

          Buffett lässt sich sein gefragtes Gütesiegel gut bezahlen

          Occidental bietet je zur Hälfte eigene Aktien und einen Baranteil für Anadarko. An der Wall Street wird nun spekuliert, dass Occidental mit Hilfe von Buffett den Baranteil erhöhen wird, um ein derzeit noch nötiges Aktionärsvotum zu vermeiden. Occidental will zudem Geschäftbereiche abstoßen, um den aus der Übernahme resultierenden Verschuldungsgrad zu mindern. Die Finanzspritze von Berkshire kann den Druck mildern, diese Vermögenswerte rasch zu veräußern.

          Buffett lässt sich sein gefragtes Gütesiegel wie auch im Fall von Goldman Sachs und General Electric gut bezahlen. Konkret erwirbt Buffett für Berkshire Vorzugsaktien an Occidental, die auf eine Laufzeit von mindestens zehn Jahren eine jährliche Dividende von acht Prozent zahlen. Dazu erhält Berkshire die Option, bis zu 80 Millionen Aktien von Occidental zu einem Preis von 62,50 Dollar je Anteilschein zu erwerben – nur etwas höher als zum aktuellen Kurs. Sollte Occidental bei Anadarko nicht zum Zug kommen, geht Buffett zudem kein Risiko ein. Das ganze Geschäft gilt nur unter der Voraussetzung, dass die Übernahme vollzogen wird.

          Berkshire verfügte am Ende des Jahres über 112 Milliarden Dollar an Barmitteln, die für Aktienanlagen und Übernahmen zur Verfügung stehen. Buffett hatte erst Ende Februar in seinem Aktionärsbrief einen Mangel an günstigen Gelegenheiten beklagt. „Wir hoffen, in den kommenden Jahren viel überschüssige Liquidität in Unternehmen zu verlagern, die Berkshire langfristig besitzen wird“, schrieb Buffett. Die unmittelbaren Aussichten dafür seien angesichts der „himmelhohen Preise für Unternehmen mit langfristig ordentlichen Aussichten“ aber schlecht.

          Der Firmenjet der in Houston ansässigen Occidental ist übrigens nicht nur nach Omaha geflogen. Zwei Tage vorher war die Gulfstream V in Paris. Analyst Bilson, der mit seinen Buffett-Überlegungen richtig lag, hat auch dafür eine mögliche Erklärung. Occidental hatte angekündigt, im Zuge einer Anadarko-Übernahme möglicherweise ein Flüssiggas-Projekt in Moçambique verkaufen zu wollen. Bilson glaubt, dass die Manager von Occidental mit Vertretern des französischen Energiekonzerns Total verhandelt haben.

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