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Besetzung der Aufsichtsräte : Der M-Dax schlägt den Dax

  • -Aktualisiert am

bei Axel Springer verdienen Aufsichtsräte gut. Bild: Reuters

Weniger deutsch, weniger weiblich, weniger Gehalt – und mehr Rendite: Was ist der Grund, dass Aktionäre in der zweiten Börsenliga glücklicher werden als im Dax?

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          Zweite Liga schlägt erste Liga: Wer sein Geld in die 60 Aktien im M-Dax anlegt, vermehrt sein Vermögen schneller als mit den 30 Großkonzernen, die im Dax zusammengefasst werden. In der Rendite sind die kleinen also vorne, ebenso im Punkt Diversität: Die M-Dax-Unternehmen haben mehr nicht-deutschsprachige Aufsichtsräte als die Dax-Konzerne. 27 Prozent internationale Besetzungen gegen 20 Prozent im Dax, so lautet das Ergebnis einer Studie der Personalberatung Russel Reynolds.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Der M-Dax ist zum Teil agiler und dynamischer als der Dax, wenn es um die Besetzung der Aufsichtsräte geht, Veränderungen verlaufen schneller. Das sehen wir bei der Frauenquote“, sagt Studienautor Jens-Thomas Pietralla, Leiter der „Europäischen CEO & Board Praxisgruppe“ bei Russell Reynolds. Die Auswertung der Zahlen zeigt, dass der M-Dax in diesem Jahr zum ersten Mal die gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent für Aufsichtsräte überschritten hat. Auf das gesamte Gremium bezogen, die Arbeitnehmervertreter eingerechnet, ergibt sich eine Quote von 32 Prozent.

          Die Dax-Konzerne haben die 30-Prozent-Hürde zwar schon vor zwei Jahren erreicht, die Unternehmen im M-Dax aber haben rapide aufgeholt. Die Frauenkurve steigt steiler als bei den Großunternehmen, schließlich war vor fünf Jahren nicht mal jeder sechste Aufsichtsrat eine Frau. Das hat sich rapide geändert. Zudem gibt es erstmals drei weibliche Aufsichtsratsvorsitzende (gegenüber zwei Frauen an der Spitze von Aufsichtsräten im Dax).

          Großer Nachholbedarf beim Frauenanteil

          Großen Nachholbedarf gibt es jedoch – ähnlich wie beim Dax – beim Frauenanteil auf Vorstandsebene. So haben zwei Drittel der M-Dax-Unternehmen (40 von 60 Firmen) immer noch einen rein männlichen Vorstand. Im Dax gibt es nur noch sieben Unternehmen (von 30), die von einer reinen Männerrunde regiert werden.

          Beim Vergleich der Vergütungen kommt die Untersuchung zu dem Ergebnis, dass Aufsichtsräte der M-Dax-Unternehmen zu sehr viel bescheideneren Konditionen arbeiten als ihre Kollegen im Dax. Die Kontrolleure in der zweiten Börsenliga kommen mit weniger Personal aus, ihre Vergütung liegt mit durchschnittlich 100.000 Euro pro Jahr fast 50 Prozent unter der üblichen Bezahlung von Dax-Kollegen.

          Das höchste Durchschnittsgehalt zahlt Axel Springer (mehr als 300.000 Euro), das niedrigste Telefónica Deutschland (weniger als 25.000 Euro). Das Gehaltsgefälle zwischen Aufsichtsräten und Vorständen ist beim M-Dax ähnlich hoch wie im Dax. Vorstandsvorsitzende verdienen 13 Mal mehr als ihre Aufsichtsratsvorsitzenden (im Durchschnitt rund 2,4 Millionen Euro). Das Stichwort „Digitalisierung“ fällt in der gesamten Wirtschaft häufig, und das hat Folgen für die Personalpolitik. Die Zahl der Digitalisierungsexperten in M-Dax-Aufsichtsräten stieg allein in den vergangenen beiden Jahren um 74 Prozent und damit schneller als im Dax.

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