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Saudi-Arabien gegen Russland : Der Kampf ums Öl ist lange nicht vorbei

Derweil versucht die amerikanische Regierung offenkundig, zunächst Zeit zu gewinnen. Zuletzt hieß es aus dem Weißen Haus, man werde zu gegebener Zeit eingreifen. Eine Allianz mit Saudi-Arabien sei eine von vielen, vielen Ideen, die derzeit in der amerikanischen Politik erwogen würden, sagte Energieminister Dan Brouillette dem Finanzdienst Bloomberg.

Derzeit sieht es weiter nach einem lang andauernden Sitz-Preiskrieg aus. Ipek Ozkardeskaya, leitende Analystin der Swissquote Bank, sieht Saudi-Arabien gegenüber Russland im Vorteil. Die Araber seien international die billigsten Produzenten, langsam würde die Ölproduktion für viele Nationen unrentabel. Dennoch unterstützten die Mitglieder des Opec-Kartells den Aufruf des präsidierenden Algeriens zu Konsultationen nach Angaben eines Delegierten zuletzt nicht. Widerstand kommt, natürlich, von Saudi-Arabien.

Die Lage am Markt ist ziemlich vertrackt, allzumal zumindest in Russland und den Vereinigten Staaten widerstreitende Positionen aufeinanderprallen und beide Präsidenten sich derzeit offenbar nicht durchringen können, Stellung zu beziehen. Wie Donald Trump schweigt sich auch der russische Staatschef Wladimir Putin in Sachen Öl derzeit eher aus.

Länder, die vor allem Ölverbraucher sind, sind derzeit Nutznießer des Konflikts. In Deutschland ist etwa der Preis für Diesel an der Zapfsäule von 1,33 Euro zu Jahresbeginn auf zuletzt durchschnittlich 1,116 Euro gefallen – immerhin ein Rückgang um 16 Prozent. Da weit mehr als die Hälfte des Spritpreises auf andere Kosten wie Transport und Lagerhaltung, vor allem aber auf Steuern entfällt, kann der Preis nicht stärker sinken. Eine Halbierung der Produktbeschaffungskosten gegenüber dem Februardurchschnitt kann den Literpreis an der Tankstelle rechnerisch nur um 15 Prozent senken.

Die Tatsache, dass der Heizölpreis seit Anfang März sogar um 10 Prozent gestiegen ist, ist ein Resultat einer massiv höheren Nachfrage. Im März 2020 sei je nach Vertriebskanal drei bis fünfmal so viel Heizöl bestellt wie im März 2019, berichtet das Internet-Portal Heizoel24.de. Die Situation im Heizölhandel sei aber zudem derzeit ähnlich angespannt wie in den Supermärkten. Neben gesteigerten Sicherheitsanforderungen wie Atemschutzmasken und ständiger Desinfektion von EC-Geräten liege die Hauptbelastung im extrem hohen Auftragsbestand.

Hohe Nachfrage hält Heizölpreis oben

Großer Andrang in den Tanklagern verlängere die Ladezeiten um mehrere Stunden. Fahrzeiten stiegen, wenn weiter entfernte Tanklager angesteuert werden müssten. Steige parallel der Krankenstand, sei der Ausnahmezustand perfekt. Kunden mit ausreichenden Ölvorräten für die Warmwasserbereitung im Sommer sollten darüber nachdenken, ob eine Heizölbestellung im Juni oder Juli nicht billiger und stressfreier sei.

Die extrem hohe Nachfrage ist indes wohl nicht allein durch den Preis zu erklären, der trotz allem rund 20 Prozent unter dem Niveau vom Jahresanfang liegt. Außergewöhnlich niedrig ist der Preis nämlich nicht. 2017 lag er zum selben Zeitpunkt genauso hoch und 2016 sogar bei nur 46 Euro – in den 2000er Jahren war er sogar regelmäßig niedriger, mit Ausnahme des Jahres 2008.

Und selbst, wenn sich Russland und Saudi-Arabien einigten, scheint ein starker Ölpreisanstieg nicht unbedingt wahrscheinlich. Jede Allianz dürfte brüchig sein – und auf die Nachfrageseite kommt es ebenfalls an, auf die sich gerade die Folgen der Corona-Pandemie auswirken.

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