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Chinesische Hot-Stocks : Der Kampf um Chinas Streaming-Markt

Es wurde gefeiert: Das Huya-IPO im Mai 2018 in New York. Bild: AP

Weil in China amerikanischen Streamingdienste wie Youtube oder Netflix zensiert sind, eröffnen sich enorme Chancen für die chinesischen Internetkonzerne. Deren Aktien sind aussichtsreich, aber nichts für schwache Anlegernerven.

          Zu den bekanntesten und größten chinesischen Internetkonzernen gehören Baidu, Alibaba und Tencent – die kurz „BAT“ genannt werden. Baidu wird dabei auch als das chinesische Google, Alibaba als das chinesische Amazon und Tencent als das chinesische Whatsapp bezeichnet.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Weitaus unbekannter sind dagegen die chinesischen Streamingdienste Huya, Iqiyi oder Bilibili. Sie kämpfen um den chinesischen Markt, und der ist nicht klein: Laut IHS Markit soll sich der chinesische Online-Video-Markt mit einem Umsatz von 3,5 Milliarden Dollar im Jahr 2015 auf 17,6 Milliarden Dollar bis 2020 vervierfachen. Weil in China amerikanischen Streamingdienste wie Youtube oder Netflix zensiert sind, eröffnen sich enorme Chancen für die chinesischen Internetkonzerne, die um die Vormachtstellung im Heimatmarkt kämpfen.

          „Der chinesische Markt ist im Moment äußerst umkämpft“, sagt Tobias Rommel, Fondsmanager des Vermögensverwalter DWS. John Curtis, Manager des Franklin Technology Funds, sieht die Wachstumspotentiale der chinesischen Werte aber nicht nur im China, sondern auch in Südostasien: „Chinesische Firmen haben ein ganz anderes Verhältnis zu den umliegenden asiatischen Staaten und können dort wesentlich schneller Fuß fassen.“ Das liege an den regionalen Differenzen, die es westlichen Unternehmen schwerer machen, sich anzupassen.

          Erfolgreiche Börsengänge

          Mit diesen Wachstumspotentialen ausgestattet, drängten zuletzt die drei Video-Streamingdienste Huya, Iqiyi und Bilibili in der ersten Hälfte des Jahres an die Börse. Davon haben zwei, Huya und Iqiyi, ihren Wert seit dem Debüt verdoppeln können. Sie gehören damit zu den sogenannten „Hot Stocks“ – so werden Aktienwerte mit großem Potential, aber auch großem Risiko bezeichnet. Obwohl sich viele der zumeist jungen Technologieunternehmen noch in der Verlustzone befinden, wird ihnen ein starkes Wachstum zugetraut.

          Ihre Aktienkurse sind jedoch sehr volatil und können an einem Tag schnell große Sprünge nach oben machen oder abstürzen. In der vergangenen Woche stieg beispielsweise die Aktie von Huya innerhalb eines Tages um 10 Prozent. „Es sind Spekulationen auf die Zukunft. Jede negative Nachricht kann zu starken Verlusten führen“, sagt Rommel dazu. Sogar ein Unternehmen wie Netflix sei davor nicht gefeit, wie die nachbörsliche Talfahrt der Aktie um 14 Prozent am Montag bewies, nachdem Netflix die Erwartungen der Anleger verfehlte.

          HUYA INC. SP.ADR/1 CL.A

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          Huya ist erst seit Mai dieses Jahres an der New York Stock Exchange gelistet und ist ein Live-Streaming-Videoportal, das Videospiele in Echtzeit überträgt – das chinesische Pendant zum amerikanischen Dienst Twitch. Nutzer können dort die sogenannten „Gamer“, die ihr Spiel auch kommentieren, live verfolgen. Professionelle „Gamer“ werden dabei von bis zu 23 Millionen Nutzern abonniert. Seit dem Börsengang wuchs die Marktkapitalisierung der Plattform um 133 Prozent.

          Der Inhalt von Huya wird von den Nutzern generiert und steht damit im Gegensatz zu der Online-Streaming-Plattform Iqiyi, die auch als das chinesische Netflix bezeichnet wird und eigene Inhalte produziert. Dazu gehören – ähnlich wie bei Netflix – eigene Serien, Filme und Shows. Rund 51 Millionen Nutzer beziehen die Inhalte der Plattform über ein Abonnement, so dass das Unternehmen im Jahr 2017 2,6 Milliarden Dollar umsetzte. Auf den Erfolg reagierte auch der Aktienkurs positiv. Seit dem Börsendebüt Ende März verdoppelte sich der Aktienkurs.

          Unterschiedliche Konzepte

          Das dritte chinesische Unternehmen im Bund der Videoplattformen ist Bilibili, das seit März an der Nasdaq gelistet ist. Der Kurs der Aktie stieg seitdem um 20 Prozent. Auf der Youtube-ähnlichen Plattform, die zumeist jüngere Menschen unter 20 nutzen, wird der Video-Inhalt von Comics und Animes (japanische Zeichentrickfilme) geteilt. Man kann dort aber Videos nicht nur kommentieren, sondern auch aktiv mit Untertiteln gestalten. Ende Mai legte das Unternehmen seine ersten Quartalszahlen vor: Der Umsatz verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr auf 139 Millionen Dollar. Mittlerweile zahlen rund 2,5 Millionen Nutzer für die Nutzung der Dienste und damit fast dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum.

          BILIBILI ADR/1Z DL-,0001

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          Dabei schrieben Huya, Iqiyi und Bilibili bis in das Jahr 2017 unter dem Strich noch alle Verluste: Huya 12, Bilibili 27 und Iqiyi sogar 553 Millionen Dollar. Die Geschäftsmodelle müssen sich zunächst noch etablieren. Welches der Unternehmen sich durchsetze, sei laut Rommel noch offen, auch wenn sie unterschiedliche Konzepte haben. Zudem tummeln sich auch noch weitere Unternehmen auf dem chinesischen Online-Video-Markt. Dass sich dort jedoch parallel zahlreiche Unternehmen aufhielten, sehe Rommel nicht. „Man hat es in der Vergangenheit gesehen: Anfangs gibt es ganz viele Anbieter und später werden sie in die Konsolidierung gezwungen“, sagt er.

          In Deutschland lassen sich zumindest die Werte von Huya und Bilibili unter anderem über Tradegate und Quotrix handeln – in einer sehr überschaubaren Größe. Doch das ist nur etwas für Anleger mit starken Nerven und Mut zum Risiko – der Rest sollte die Finger von den chinesischen Hot-Stocks lassen.

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