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Große gegen Kleine : Der große Streit um die Zukunft des Öls

Im Wiener Opec-Hauptquartier fallen am Freitag wichtige Entscheidungen. Bild: Reuters

Am Freitag entscheiden die Opec und andere Ölförderländer über eine Anhebung der Ölproduktion. Doch auch Amerikas Präsident Donald Trump spielt eine Rolle.

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          Uneinigkeit in einem Kartell ist oft gut für die Kunden. Die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) und andere Förderländer (“Opec+“) hatte es mehr als ein Jahr lang geschafft, durch sehr disziplinierte Förderkürzungen den Ölpreis bis auf 80 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) für die Nordseesorte Brent hochzutreiben.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch mit dieser Geschlossenheit ist es jetzt vorbei. An diesem Freitag wollen die Opec-Staaten in Wien darüber sprechen, ob und wie stark sie ihre Ölförderung jetzt wieder ausweiten – eine gravierende Richtungsentscheidung mit Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung in der ganzen Welt.

          „Dieses Treffen ist sehr bedeutend“, sagt jedenfalls Eugen Weinberg, der Ölfachmann der Commerzbank. Die Frage ist, wer sich dabei durchsetzen wird: Saudi-Arabien und sein Bundesgenosse in diesem Fall, das Nicht-Opec-Land Russland, die mehr Öl fördern wollen – oder ihre Gegenspieler Iran, Irak und Venezuela, die weiter den Deckel auf der Förderung halten wollen.

          Im Vorfeld war der Ölpreis zunächst deutlich gesunken, bis auf gut 74 Dollar am Dienstag. Das war ein Preisrückgang von fast 8 Prozent innerhalb von vier Wochen, was selbst auf dem schwankungsanfälligen Ölmarkt nicht alltäglich ist. Davon profitieren auch die Autofahrer in Deutschland: Die noch kürzlich außerordentlich hohen Preise für Benzin und Diesel waren zuletzt „im Sinkflug“, wie das Internetportal Clever-Tanken berichtet.

          Für einen Liter Diesel zahlte man im Tagesdurchschnitt wieder deutlich weniger als 1,30 Euro, für einen Liter Super E10 weniger als 1,44 Euro. Das könnte pünktlich zum Beginn der Sommerferien in den ersten Bundesländern die Autoreise für Verbraucher zumindest ein wenig verbilligen: „Zuletzt ist der gesunkene Rohölpreis auch bei den Autofahrern angekommen“, bestätigte Johannes Boos, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) am Dienstag: „Wir erwarten aber, dass Preisänderungen an den Zapfsäulen genauso schnell erfolgen wie Verteuerungen, wenn der Ölpreis mal wieder steigt.“

          Handelskonflikt könnte Nachfrage bremsen

          Erstmals seit längerem drücken jetzt auch Sorgen um die Ölnachfrage den Ölpreis nach unten. Der Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China gab zuletzt zu Bedenken Anlass, Konjunktur und Wirtschaft könnten unter den Zöllen und Spannungen leiden, und die Weltwirtschaft könnte deshalb künftig weniger Öl benötigen als eingeplant.

          „Diese Sorgen sind durchaus berechtigt“, meint zumindest Ölfachmann Weinberg. Zum einen scheine sich die Ölnachfrage, obwohl sie eigentlich nicht sehr stark vom Preis abhänge, schon abzukühlen. „Zum anderen sollte man auch die fehlende Nachfrage der Anleger, die zuvor im großen Stil mehrheitlich auf steigende Preise gesetzt haben, nicht unterschätzen“, meint Weinberg. Sie dürften sich in nächster Zeit aus dem Ölmarkt eher verabschieden – und durch ihre Verkäufe tendenziell für Preisdruck sorgen.

          BRENT

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          Am Mittwoch allerdings sieht alles schon wieder anders aus. Der Barrel Brent wird mit 75,55 Dollar gehandelt, nachdem berichtet wurde, dass weiter keine Einigung über die künftige Fördermenge erzielt sei. Die russische Nachrichtenagentur „Tass“ zitierte anonyme Teilnehmer eines „Opec+“-Treffens.

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