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Vorliebe fürs Große : Der größte Börsengang des Jahres

Masayoshi Son, der Gründer und Vorstandsvorsitzende des japanischen Softbank-Konzerns. Bild: AP

Japans Softbank bringt die eigene Mobilfunksparte an die Börse. Dahinter steckt der reichste Japaner.

          Mit lästigem Klein-Klein hält Masayoshi Son, der Gründer und Vorstandsvorsitzende des japanischen Softbank-Konzerns, sich nicht gerne auf. Der Mann, als Kind koreanischer Einwanderer in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen und mit seinen Geschäften in der Internet- und Telekommunikationsbranche zum reichsten Japaner aufgestiegen, hat eine Vorliebe fürs Große entwickelt.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          100 Milliarden Dollar stecken in dem Hightech-Fonds, den Son vor zwei Jahren zusammen mit Partnern aufgelegt hat, um in vielversprechende Firmen rund um den Globus zu investieren. Es ist der mit Abstand größte Fonds dieser Art auf der Welt. Nächste Woche wird Masayoshi Son vermutlich den nächsten Rekord aufstellen: Am Mittwoch bringt er die Mobilfunksparte seines Konzerns an die Börse in Tokio, zum Verkauf stehen knapp zwei Drittel der Anteile für umgerechnet 23,5 Milliarden Dollar.

          So viel hat in diesem Jahr noch kein anderer Börsengang eingespielt. Womöglich stellt Softbank sogar den größten Börsengang in den Schatten, den es je gegeben hat: Gelungen ist dieser dem chinesischen Online-Händler Alibaba mit einer Summe von 25 Milliarden Dollar im Jahr 2014.

          Softbank wird danach, gemessen am Börsenwert, der zweit- oder drittgrößte Mobilfunkanbieter in Japan sein. Aber damit allein lässt sich nicht erklären, warum Masayoshi Son unter Investoren und Technik-Begeisterten einen Ruf wie Donnerhall genießt. Dafür muss man etwas über seine abenteuerliche Unternehmerbiographie wissen und über die Art, wie er seine Geschäfte vorantreibt. Und man muss sich klarmachen, an wie vielen Unternehmen er inzwischen beteiligt ist.

          Geschäftsmodelle der Zukunft

          Denn wenn es um die Geschäftsmodelle der Zukunft geht, um Robotik, Künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge, dann mischen Son und Softbank fast immer mit. Dutzende von Firmen gehören entweder ganz oder teilweise zu seinem Imperium, beispielsweise der deutsche Online-Autohändler Auto 1, der auf sogenannte Co-Working-Spaces spezialisierte Büro-Vermieter We Work, der Kommunikationsdienst Slack sowie die Computerchiphersteller Nvidia und ARM.

          Gleich mehrfach hat Son in die Branche der Fahrdienstvermittler investiert, nicht nur in den amerikanischen Anbieter Uber, sondern auch in Didi aus China, Ola aus Indien und Grab aus Singapur. Dazu kommen Beteiligungen, die er schon vor vielen Jahren übernommen hat, etwa an der japanischen Landesgesellschaft des Online-Diensts Yahoo und am amerikanischen Mobilfunkanbieter Sprint. Die Perle im Portfolio schließlich sind 29 Prozent an Alibaba, dem Giganten aus China, 1999 für 20 Millionen Dollar gekauft und heute rund 6000 Mal so viel wert.

          Als sich Son zu diesem Investment entschied, war er schon ein alter Hase in der Tech-Szene. Softbank – keine Bank, sondern ursprünglich eine Software-Firma – hatte er 1981 nach seiner Rückkehr von einem Informatik- und Wirtschaftsstudium in Kalifornien gegründet. Seinen beiden Teilzeitangestellten, so geht die Legende, verkündete er damals, der Umsatz werde innerhalb von fünf Jahren auf umgerechnet 75 Millionen Dollar steigen und die Firma zum Branchenführer werden.

          Die Angestellten hielten ihn für übergeschnappt und kündigten. Softbank wurde auch ohne sie zum größten Anbieter von PC-Software in Japan. Son war ganz vorne mit dabei, als die IT-Branche in den Neunzigern boomte, und er gehörte zu den größten Verlierern, als die sogenannte Dotcom-Blase Anfang des neuen Jahrtausends platzte.

          „Vision Fonds“ geht unkonventionell zu Werke

          Seine größte Leistung mag sein, dass er diesen Rückschlag verkraftet hat. Das größte Risiko für seine Geschäfte ist, dass die Bewertungen und Erwartungen in der Branche nun nach Ansicht von manchen Beobachtern abermals übertrieben sind. Zu der Entwicklung hat Son maßgeblich beigetragen.

          Denn der „Vision Fonds“, den er zusammen mit den Staatsfonds von Saudi-Arabien und Abu Dhabi sowie den Unternehmen Apple, Qualcomm, Foxconn und Sharp mit 100 Milliarden Dollar Kapital ausgestattet hat, geht unkonventionell zu Werke: Oft bietet er den Firmen, die um eine Finanzspritze werben, deutlich mehr an, als diese sich erhofft hatten. Wenn schon, denn schon; nicht kleckern, sondern klotzen.

          Was ist unter diesen Voraussetzungen vom nach aller Voraussicht größten Börsengang des Jahres zu halten? Skeptiker unken, Masayoshi Son brauche das Geld schlicht und ergreifend, um seine rasante Einkaufstour in der Hightech-Branche fortsetzen zu können. Er selbst spricht lieber von einem Schritt zu einer klareren Aufteilung seiner Aktivitäten: das operative Mobilfunkgeschäft auf der einen Seite, die Holding mit ihren Beteiligungen auf der anderen. Bisher wird der Konzern an der Börse als Ganzes schlechter bewertet als die Summe seiner Einzelteile. Das soll sich nun ändern.

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