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Warten auf Notenbanken : Deutsche Aktien deutlich fester

Die Kurstafel der Deutschen Börse in Frankfurt Bild: EPA

Ein deutliches Plus weist der deutsche Aktienmarkt am Dienstag gestartet. Doch weiter regiert Vorsicht.

          3 Min.

          Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag deutlich fester eröffnet und an die Rally an der Wall Street vom Vorabend angeknüpft. Der marktbreite F.A.Z.-Index gewinnt 2,6 Prozent auf 2225 Punkte hinzu. der Standardwerteindex Dax steigt um 2,7 Prozent auf 12.182 Punkte.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hauptthema wird weiter die Coronavirus-Epidemie bleiben. Börsianer hoffen darauf, dass die Notenbanken einschreiten, um die wirtschaftlichen Folgen zu mildern. Einige halten bereits für Mittwoch einen ersten Schritt der amerikanischen Notenbank (Fed) und möglicherweise weiterer Zentralbanken für möglich. „Die Aktienmärkte sind seit der Finanzkrise übermäßig abhängig von den Zentralbanken geworden, und einige Händler fangen an, sich zu fragen, was niedrigere Zinsen bringen können, wenn in noch mehr Teilen der Welt die Produktion wegen des Virus stillsteht“, sagte David Madden, Marktanalyst beim Brokerhaus CMC Markets.

          Am Dienstag wollen angeblich die Finanzminister und Zentralbankpräsidenten der sieben wichtigsten Industriestaaten (G7) in einer Telefonkonferenz , um über die Folgen des Coronavirus-Ausbruchs und eine Reaktion darauf sprechen. Frankreich kündigte eine „konzertierte Aktion“ an. Allerdings verlautete aus G7-Kreisen, die bisher vorbereitete G7-Erklärung enthalte keine konkreten Forderungen nach neuen Staatsausgaben oder koordinierten Zinssenkungen der Zentralbanken.

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          Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hatte am Montagabend erklärt, die Notenbank stehe bereit, entsprechend der Notwendigkeit und der zugrundeliegenden Risiken angemessene und gezielte Maßnahmen zu ergreifen. Die Situation rund um den Virus-Ausbruch entwickele sich rasch. Sie erzeuge Gefahren für die Wirtschaftsaussichten und das Funktionieren der Finanzmärkte.

          Am Vorabend hatte an Wall Street der marktbreite S&P-500-Index 4,6 Prozent auf 3090 Punkte zugelegt. Der Dow-Jones-Industrial-Index stieg gar um  5,1 Prozent auf 26.703 Punkte. Auch die amerikanische Industrie wird zunehmend durch die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus belastet. Die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe hatte sich im Februar stärker eingetrübt als erwartet. Der Kurs der Apple-Aktie stieg mit 9,3 Prozent mithin am stärksten.

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          In Asien hatten sich die Kursgewinne aber nicht in der Weise fortgesetzt. In Tokio gab der 225 Werte umfassende Nikkei-Index zum Handelsende um mehr als 1 Prozent auf 21.093 Punkte nach, der südkoreanische Kospi-Index rettete nur ein kleines Plus über die Zeit, nachdem er fast drei Prozent fester eröffnet hatte.

          Offenbar setzte sich mehr die Auffassung durch, dass die hektischen Schritte der politischen Entscheidungsträger wachsende Befürchtungen wider, dass die Epidemie sich auf globale Lieferketten, die Produktion und die weltweite Reisetätigkeit niederschlägt und der Weltwirtschaft schade, die gerade im Begriff war, sich von den Folgen des Handelsstreits zwischen China und den Vereinigte Staaten zu erholen. "Es wäre kurzsichtig zu glauben, dass wirtschaftspolitische Maßnahmen allein den Märkten wieder Ruhe bringen werden. Die Realität ist, dass sich das Coronavirus immer noch ausbreitet", sagte Takehiko Masuzawa, Leiter des Vertriebshandels für japanische Kunden bei Macquarie in Tokio.

          Die Kursverluste in Japan sind aber auch der Veröffentlichung des Index des Verbrauchervertrauens geschuldet, das auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2019 fiel. Es sei bemerkenswert, dass dies entgegen abermaliger Notkäufe der Zentralbank so geschehe, meint Jasper Lawler, Leiter des Research des Derivatehändlers London Capital Group. Eigentlich hätte man eine Abwertung des Yen und höhere Aktienkurse erwarten müssen.

          In den Vereinigten Staaten könnte sich zudem der Präsidentschaftswahlkampf positiv auf die Märkte auswirken. Am sogenannten "Super Tuesday" wird in 14 der 50 Bundesstaaten über die Verteilung von insgesamt fast 70 Prozent der Delegiertenstimmen abgestimmt. Diese entscheiden darüber, wer auf dem Parteitag im Juli nominiert wird, gegen den republikanischen Amtsinhaber Donald Trump anzutreten. Sollte sich bei den Demokraten Bernie Sanders durchsetzen, dem derzeit die besten Chancen eingeräumt werden, rechnet die Börse mit einem deutlichen Sieg der Republikaner unter Trump. Das wertet sie im Gegensatz zu einem möglichen Präsidenten Sanders positiv.

          Dennoch werde man an den Märkten nervös, dass es sich bei der Wall-Street-Rally vom Montag um einen „Dead Cat Bounce“ gehandelt habe. Den Anlegern sei klar, dass die Notenbanken nur begrenzten Spielraum hätten. Auch wenn Amerikas Präsident Donald Trump von der Fed eine „kräftige Zinssenkung“ verlangt - dieser liegt nur bei 1,75 Prozent. Trump begründet die Zinssenkung allerdings mit Exportnachteilen der amerikanischen Wirtschaft. Auch sind die Zweifel am Sinn einer Zinssenkung groß, während man an der Fähigkeit der G7 zweifelt, sich auf ein gemeinsames Konjunkturprogramm zu einigen.

          Insofern bleibt abzuwarten, ob sich die Kursgewinne halten können. Schon am Vortag war der deutsche Aktienmarkt mit Aufschlägen in den Handel gestartet, hatte ab am Tagesende doch leicht im Minus geschlossen.

          Auch Analysten bleiben vorsichtig. Die Nachfrage nach sicheren Anlagen bleibe intakt, schreibt Ipek Ozkardeskaya, leitende Analystin der Swissquote Bank und verweist auf die Aufwertung des Franken und des Yen. Das spreche für eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der Rally in Amerika. Die Aufwertung des Euro auf aktuell 1,1144 Dollar erklärt Ozkardeskaya mit der Aussicht auf eine Zinssenkung in Amerika. Diese würden sich aber wohl nicht halten, weil die Märkte nach einer solchen Senkung ihre Aufmerksamkeit auf einen entsprechenden Schritt der EZB richten würden.

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