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Internationale Anleger : Der Dax ist immer mehr in ausländischer Hand

Kasper Rorsted führt als adidas-Vorstand ein Dax-Unternehmen, das bei ausländischen Investoren besonders gefragt ist. Bild: dpa

Internationale Anleger profitieren besonders von den rekordhohen Dividenden. Zwei Drittel der Dax-Konzerne sind mindestens zur Hälfte im Besitz von ausländischen Investoren. Zwei Unternehmen sind besonders gefragt.

          Die Aktien der Dax-Unternehmen befinden sich immer mehr in ausländischer Hand. Denn die deutschen Aktiengesellschaften der ersten Reihe sind unter internationalen Investoren sehr beliebt. Ausländische Anleger besitzen weit mehr als die Hälfte der Aktien des Dax und bekommen so auch einen besonders großen Teil des reichen Dividendensegens.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Von den insgesamt 36,5 Milliarden Euro an Dividenden, die die Dax-Konzerne in diesem Jahr für 2018 ausschütten, fließen nur 12,5 Milliarden Euro nach Deutschland. An ausländische Investoren hingegen überweisen die Dax-Konzerne 19,8 Milliarden Euro und damit fast 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Dies sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY zur Aktionärsstruktur im Dax. Stichtag ist jeweilige Geschäftsjahresende der Konzerne. Für die restlichen 4,2 Milliarden Euro an Dividenden dieses Jahres lassen sich die Nationalität der Investoren nicht ermitteln, heißt es.

          Und wo sind deutsche Unternehmen beliebt? Die Politik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, heimische Unternehmen vor allen anderen zu bevorzugen, scheint sich zumindest bisher nicht negativ auf das Interesse der Investoren auszuwirken. Denn nordamerikanische Anleger steigern ihr Engagement in den Dax, im Gegensatz zu europäischen, die es zurückfahren, haben die Fachleute von EY festgestellt. Dabei spielt ihnen nun der stärkere Dollar in die Hände.

          Obendrein könne das steigende Engagement amerikanischer Anleger aber auch auf die zur Zeit recht niedrige Bewertung einiger Unternehmen im Dax zurückzuführen sein, meinen die EY-Fachleute. Offenbar sähen diese Investoren bei einigen Konzernen vor allem die langfristig positiven Perspektiven und eine gute Verwendungsmöglichkeit für ihre hohen Barmittelbestände.

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          Seit anderthalb Jahren hat die amerikanische Währung zum Euro um gut 6 Prozent auf aktuell rund 1,136 Dollar aufgewertet. Damit sind deutsche Aktien aus Sicht eines Dollar-Anlegers günstiger geworden. Besaßen diese allerdings schon deutsche Aktien hat sich deren Wert – unabhängig von der Kursentwicklung der Dividendenpapiere – seither um diesen Wert verringert.

          Dividende fließt zum Großteil ins Ausland

          Während sich laut der Analyse von EY im Durchschnitt also 55 Prozent der Aktien ausländischen Investoren zuordnen lassen – vor einem Jahr betrug der Anteil 54,5 Prozent, halten deutsche Investoren rund 33 Prozent der Dax-Titel, was einem Rückgang um 1,1 Prozentpunkte gleichkommt. Nicht zuordnen lassen sich demnach aber 11,8 Prozent der Dax-Anteile.

          Und auch wenn das Interesse jenseits des Atlantiks vergleichsweise stärker gewesen sei, befänden sich von den Unternehmen, die entsprechende Angaben machten, durchschnittlich 26,2 Prozent der Aktien noch immer in Depots im europäischen Ausland (minus 1,4 Prozentpunkte) und 22,3 Prozent in nordamerikanischen Depots, ein leichter Zuwachs.

          Die meisten Dax-Konzerne seien inzwischen auf der ganzen Welt agierende Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland, sagt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY. Nur noch etwa ein Viertel des Umsatzes werde in Deutschland erwirtschaftet. Hinzukomme die wichtigen Rolle, die deutsche Top-Unternehmen auf bedeutenden ausländischen Märkten spielten. Daher liege es nahe, dass ausländische Investoren inzwischen sehr stark im Dax engagiert seien. Bedauerlich sei, dass ein Großteil der hohen Dividendenausschüttungen der Dax-Konzerne ins Ausland fließe und nicht heimischen Anlegern zu Gute kommen.

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