https://www.faz.net/-gv6-9e5h8

Bitcoin-Kurs : Kryptoanlagen im freien Fall

  • -Aktualisiert am

Geld, bestehend nur aus Daten: In diesem Rechner im kanadischen Saint Hyacinthe werden Bitcoin erzeugt. Bild: AFP

Zuletzt mussten Bitcoin und andere Digitalwährungen große Kursverluste hinnehmen – eine Trendumkehr oder doch nur ganz normale Schwankungserscheinungen?

          Dass Kapitalmärkte volatil sind, wissen Anleger, die für die höheren Risiken mit einer höheren Rendite entschädigt werden. Besonders große Kursschwankungen mussten aber wieder einmal die Halter von Kryptoanlagen in der vergangen Tagen hinnehmen. Während einer Talfahrt in den vergangenen zwei Tagen rutschte der Bitcoin-Kurs um zeitweise 13 Prozent auf 6405 Dollar. Am späten Freitagnachmittag pendelte sich der Kurs dann auf 6436 Dollar ein. Nicht nur Bitcoin, sondern auch andere Kryptoanlagen wie Ethereum oder XRP gerieten unter Druck.

          Philipp Sandner, Professor der Frankfurt School of Finance und Leiter des Blockchains Centers, hat eine Theorie für den jüngsten Kursrutsch. Eine ist die Liquidierung großer Bitcoin-Positionen von Großinvestoren. Mati Greenspan, Senior Market Analyst der Social-Trading Plattform Etoro, hat eine Vermutung, warum es zu den milliardenschweren Verkäufen von Bitcoin gekommen ist. „Es wird darüber spekuliert, dass eine vermutlich zum früheren Darknet-Schwarzmarkt Silk Road zählende Bitcoin-Wallet nach langer Zeit wieder aktiv geworden ist und einen milliardenschweren Verkauf veranlasst hat“, sagt Greenspan. Das seien aber nur Gerüchte.

          Mangelnde Transparenz

          Der zweite mögliche Grund für den Preisverfall könnte auf den am Mittwoch auf der Internetseite Business Insider veröffentlichten Bericht zurückzuführen sein. In diesem wurde berichtet, dass die Investmentbank Goldman Sachs von ihren Plänen abgerückt sei, einen Bitcoin-Trading Desk zu eröffnen. „Goldman Sachs hat das dementiert“, sagt Greenspan dazu. Den Markt für Digitalwährungen habe es aber dennoch bewegt.

          Aber es gibt auch andere Erklärungen für die jüngsten Kursverluste der insgesamt 1921 Digitalwährungen. Diese sieht Greenspan in der Stärke des amerikanischen Dollars, den viele als Leitwährung stabiler erachten als die Kryptoanlagen, die oft als Ersatzwährung gelten. Eine andere Erklärung ist die Ankündigung von Shapeshift, einer bekannten Handelsplattform für Digitalwährungen, dass sie Mitgliedschaften einführt. Zunächst noch freiwillig, müssen die Nutzer der Plattform künftig ihre persönlichen Daten angeben, um dort handeln zu können. Dies war bisher anonym möglich.

          Mangelnde Transparenz war auch der Grund für die amerikanische Börsenaufsicht SEC, den Handel von Indexfonds auf Bitcoin und andere Digitalwährungen abermals abzulehnen. In dem konkreten Fall Ende August ging es um den Anbieter „Pro Shares“, der Optionsscheine auf Bitcoin ausgestellt hätte. Die amerikanische Behörde begründete die Ablehnung damit, dass die Terminbörsen Chicago Mercantile Exchange (CME) und Chicago Board Options Exchange (CBOE), an denen die Optionen gehandelt worden wären, keine ausreichende Informationen über die Identität der Marktteilnehmer liefern konnten.

          Drohender Abwärtstrend

          Der aktuelle Kurs des Bitcoin hat aber auch wieder das Niveau von Mitte August erreicht. Einen Grund zur Sorge sieht Sandner daher nicht. „Das ist kein langfristiger Trend. Dass es zu Schwankungen am Kapitalmarkt komme, sei ganz normal. „Die türkische Lira hatte teilweise eine höhere Volatilität als der Bitcoin“, sagt Sandner. Analyst Greenspan stimmt dem zu: „Zehn Prozent-Schwankungen sind absolut normal für den Bitcoin.“ In den vergangenen Wochen seien die Kryptoanlagen dagegen äußerst stabil gewesen. Aus Sicht von Sandner war der Markt für Kryptoanlagen überhitzt und eine Korrektur notwendig. Einen Abwärtstrend sieht er daher nicht. Die Blockchain-Technologie hinter den Digitalwährungen stecke noch in den Kinderschuhen. Sie könne die gesamte Finanzbranche revolutionieren. Es komme aber auch auf die Regulierung größerer Staaten an.

          Wieland Staud, technischer Analyst, sieht dagegen einen Abwärtstrend. „Langfristig ist mit weiteren Abschlägen zu rechnen“, sagt er. Der Kurs werde sich seitwärts entwickeln. Eine Erholung sei möglich, aber innerhalb der nächsten 12 Monate könne man sich auf den Kurs von 4000 Dollar einstellen.

          Weitere Themen

          IWF findet Dollarkurs viel zu hoch

          Währungsstreit : IWF findet Dollarkurs viel zu hoch

          Aus Sicht des Weltwährungsfonds ist die amerikanische Währung zu teuer. Trotzdem exportiere Deutschland immer noch viel zu billig. Diese Kritik führt auch Präsident Trump immer wieder ins Feld.

          Topmeldungen

          AKK im Kabinett : Auf dem Marsch ins Kanzleramt

          Wer wie Annegret Kramp-Karrenbauer Regierungschefin werden will, darf sich vor dem Verteidigungsministerium nicht fürchten. Auch in der Politik gilt: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

          Shitstorm des Tages : Ein „Aufstand der Generäle“ als Rohrkrepierer

          Uwe Junge ist rhetorisch kampferprobt. Gegen die neue Verteidigungsministerin fährt der AfD-Politiker und ehemalige Stabsoffizier ganz großes Geschütz auf. Doch der Schuss geht nach hinten los. Übrig bleibt geistiges Brandstiftertum.
          Nordkoreas Machthaber KIm Jong-un sieht man regelmäßig bei offiziellen Empfängen in Limousinen vorfahren.

          Kim Jong-un : Wie Nordkoreas Machthaber an seine Luxusautos kommt

          Eigentlich ist der Export von Luxusgütern nach Nordkorea verboten. Trotzdem sieht man Machthaber Kim Jong-un bei offiziellen Empfängen regelmäßig in Limousinen vorfahren. Eine Forschergruppe will das Rätsel gelöst haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.