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Amerikas Börsen : Dem Präsidenten bereiten die Marktturbulenzen keine Sorgen

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Er hat sogar größere Verluste an den Börsen erwartet: Präsident Trump. Bild: EPA

Die Sorge vor den wirtschaftlichen Folgen des Zollstreits macht Anleger weiterhin nervös. Die Kurse bröckeln leicht, während der Goldpreis unbeirrt steigt. Donald Trump sieht derweil Verluste an den Börsen gelassen.

          Erst sah es nicht gut aus, aber am Ende des Börsentages konnten die New Yorker Aktienindizes am Mittwoch ihre anfänglichen Verluste im Verlauf immer stärker eindämmen: Dem Dow Jones Industrial blieb zum Handelsschluss zwar das Erreichen der Gewinnzone mit einem Minus von 0,07 Prozent auf 26 007,07 Punkte verwehrt, doch gemessen an seinem Tagestief bei 25.440 Punkten im frühen Handel machte der Leitindex reichlich Boden gut.

          Der marktbreite S&P 500 ging mit einem knappen Plus von 0,08 Prozent auf 2883,98 Punkte über die Ziellinie. Für den technologielastigen Nasdaq 100 sah es noch besser aus mit plus 0,41 Prozent auf 7551,90 Zähler.

          „Anleger wägen derzeit ab zwischen den Belastungen durch den Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China und den Entlastungen durch die Geldpolitik“, schrieb Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets mit Verweis auf die zur Wochenmitte überraschend deutlich ausgefallenen Leitzinssenkungen der Notenbanken Indiens, Thailands und Neuseelands. Es werde viele weitere geldpolitische Maßnahmen in den kommenden Monaten geben als Reaktion auf die negativen Effekte eines Handelskrieges, glaubt der Experte. Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda sagte, Anleger gierten nach immer mehr geldpolitischen Stimuli.

          Die Marktturbulenzen sind nach Ansicht von Präsident Donald Trump aber kein Grund zur Sorge. Das zwischenzeitliche Absacken der Märkte sei erwartbar gewesen, er habe sogar größere Verluste erwartet, sagte Trump am Mittwoch vor Journalisten. Langfristig würden die Börsenindizes jedoch viel höher steigen, als es ohne seine Politik möglich gewesen wäre, versprach Trump. China sei ein „Anker“ gewesen, der die amerikanische Wirtschaft nach unten gezogen habe. „China hat uns mit unfairen Handelsabkommen fertiggemacht.“

          Dow Jones

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          China hatte zum Wochenauftakt die Landeswährung Yuan abgewertet und damit die Eskalationsspirale im Handelskrieg mit den Vereinigten Staaten weiter angetrieben. An den Börsen hatte dies Verkaufswellen ausgelöst. Am Vortag wurden die Indizes dann von der Maßnahme der chinesischen Zentralbank gestützt, den Mittelkurs des Yuan etwas höher festzulegen und so die Abwertung der Landeswährung zu bremsen.

          DAX ®

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          Die gegenwärtige Nervosität im Markt hatte auch den Dax zwischenzeitlich wieder erwischt. Deutschlands bekanntestes Börsenbarometer hat aber dennoch am Mittwoch seine jüngste Talfahrt erst einmal gestoppt, die Kurse legten am Ende nach drei Verlusttagen in Folge zu. Am Markt dominierte letztlich die Erleichterung, dass sich der Handelskonflikt zwischen Amerika und China vorerst nicht weiter verschärft hat. Somit beendete der deutsche Leitindex den Tag 0,71 Prozent höher bei 11.650,15 Punkten, nachdem er zwischenzeitlich minimal ins Minus gerutscht war. Die Nervosität der Investoren blieb dennoch groß:

          Gold

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          Die „Antikrisen-Währung“ Gold stieg auf ein Sechseinhalb-Jahres-Hoch.Die Feinunze (31 Gramm) Gold wurde am Nachmittag in London mit 1501 Dollar gehandelt. Das waren etwa 26 Dollar mehr als am Vortag. Damitnotiert der Goldpreis erstmals seit sechs Jahren wieder über 1500 Dollar. Andere „sichere Häfen“ wie deutsche und Schweizer Staatsanleihen zogen sie ebenfalls an. Dies drückte die Renditen der zehnjährigen Papiere jeweils auf ein Rekordtief von minus 0,598 beziehungsweise minus 0,955 Prozent.

          „Dass die chinesische Zentralbank am Montag die Abwertung des Yuan zuließ und ihn dann etwas aufwertete, ist ein Signal Pekings an Amerika, die Währung als Instrument im Zollstreit einsetzen zu können“, sagte Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. Die Schwierigkeit bestehe darin, den Yuan ausreichend zu schwächen, um Chinas Exportwirtschaft zu helfen, eine Flucht ausländischen Kapitals aber zu verhindern.

          Am deutschen Aktienmarkt zählte Bayer mit einem Kursplus von zeitweise 7,5 Prozent zu den Favoriten. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern verkauft seine Anteile am Chemiepark-Betreiber Currenta an die australische Bank Macquarie. Die Papiere der Chemiefirma Lanxess, die ihre Currenta-Beteiligung ebenfalls abstößt, legten 5,1 Prozent zu. Die Bewertung von Currenta sei mit insgesamt 3,5 Milliarden Euro höher als erwartet, schrieben die Analysten von JP Morgan.

          Die Titel der Commerzbank fielen dagegen um bis zu sechs Prozent auf ein Drei-Jahres-Tief von 5,36 Euro. Das Quartalsergebnis sei hinter den Erwartungen zurückgeblieben, schrieb Analyst Neil Smith vom Bankhaus Lampe. Bei der Vorlage der Zahlen zum laufenden Quartal könnte das Geldhaus seine bisherigen Gesamtjahresziele aufgeben.

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