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Debüt an der Wall Street : Uber enttäuscht mit Börsengang

  • -Aktualisiert am

Bild: EPA

Der Aktienkurs des amerikanischen Fahrdienstanbieters sackt am ersten Handelstag unter den Ausgabepreis. Dabei hatte Uber seine Ambitionen schon zurückgeschraubt.

          Der an der Wall Street mit großer Spannung erwartete Börsengang von Uber war eine Enttäuschung. Der Aktienkurs des Fahrdienstes eröffnete am ersten Handelstag der Aktien an der New Yorker Börse mit 42 Dollar – knapp 7 Prozent unter dem Ausgabepreis. Im weiteren Verlauf erholte sich der Kurs zwar wieder etwas, schloss jedoch im Minus bei einem Kurs von 41,6 Dollar.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Uber hatte die Aktien zu einem Preis von 45 Dollar emittiert. Damit lag schon der Ausgabepreis nahe am unteren Ende der zuvor genannten Preisspanne von 44 bis 50 Dollar. Insgesamt plazierte Uber Aktien im Wert von 8,1 Milliarden Dollar. Die Konditionen für den Börsengang waren nicht ideal, da die Aktienkurse an der Wall Street am Freitag wie schon in den Tagen davor wegen des wieder eskalierten Handelskonflikts zwischen den Vereinigten Staaten und China zeitweise unter Druck geraten waren. „Das war ein harter Tag am Aktienmarkt“, sagte Nelson Chai, der Finanzchef von Uber. Das Unternehmen kam auf Basis des Ausgabepreises dennoch auf einen Börsenwert von 82 Milliarden Dollar. Damit wird der bislang unprofitable Taxi-Konkurrent, der Kunden ermöglicht, einen Wagen per App zu bestellen, immer noch doppelt so hoch bewertet wie der große amerikanische Autokonzern Ford.

          Uber hatte seine Ambitionen schon in den vergangenen Monaten zurückgeschraubt. In den Wochen vor der Festsetzung der Preisspanne hatte Uber potentiellen Investoren noch einen Preis von bis zu 55 Dollar je Anteilschein avisiert – was einem Börsenwert von bis zu 100 Milliarden Dollar entsprochen hätte. Im vergangenen Jahr hatten die Konsortionalführer Morgan Stanley und Goldman Sachs sogar mit 120 Milliarden Dollar kalkuliert. Fachleute hielten das konservativere Vorgehen für vernünftig. „Angesichts des großen Emissionsvolumens, der jüngsten Kursschwankungen an den Börsen und der schwachen Kursentwicklung von Lyft war es eine kluge Entscheidung, den Ausgabepreis niedriger anzusetzen“, kommentierte Kathleen Smith, Geschäftsführerin des Wertpapierhauses Renaissance Capital. Börsenkandidaten setzen den Ausgabepreis mit ihren Investmentbanken fest, nachdem sie das Interesse von Investoren erkundet haben.

          Uber hat die Nachfrage offenbar überschätzt, da Börsenkandidaten vermeiden wollen, dass der Kurs der Aktie im freien Handel unter den Ausgabepreis fällt. Der Börsengang (IPO) des Uber-Konkurrenten Lyft, der Ende März als erstes einer ganzen Reihe prominenter Technologieunternehmen an der Wall Street debütiert hatte, galt als abschreckendes Beispiel. Der Aktienkurs von Lyft notiert nach einer zunächst kräftigen Nachfrage im Vorfeld des IPO wie auch am Tag des Börsengangs mittlerweile mehr als 20 Prozent unter dem Ausgabepreis. Die schwache Kursentwicklung hatte in den vergangenen Wochen neben Uber auch andere IPO-Kandidaten aus der Technologiebranche beunruhigt, da Lyft als wichtiger Stimmungsindikator für den Risikoappetit von Investoren galt. Sowohl das soziale Netzwerk Pinterest als auch der Softwareanbieter Zoom Video Communications hatten vor ihren – letztlich erfolgreichen – Börsendebüts im April zeitweilig eine bescheidenere Bewertung avisiert.

          Die Stimmung an der Börse hatte sich in dieser Woche eingetrübt, nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump am vergangenen Sonntag in einem abrupten Kurswechsel den Druck auf China in den Handelsgesprächen erhöht hatte. Eine Eskalation im mit Strafzöllen ausgefochtenen Handelsstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt gilt als möglicher Bremsklotz für das globale Wirtschaftswachstum. Betroffen von den Kursabschlägen waren daher vor allem konjunktursensible Aktien, darunter Technologiewerte. Der S&P 500 liegt trotz der Rückschläge in diesem Jahr aber immer noch um rund 15 Prozent im Plus. Die von geringen Schwankungen begleitete Kurserholung an den amerikanischen Börsen in den ersten vier Monaten des Jahres hatte auch für eine Erholung des IPO-Marktes gesorgt. In unsicheren, von starken Kursschwankungen geprägten Börsenphasen wie zuletzt im vierten Quartal 2018 halten sich Unternehmen mit Börsengängen dagegen zurück. Börsenneulinge, insbesondere unprofitable Technologiewerte, sind schwankungsanfällige Risikopapiere, die in solchen Phasen weniger nachgefragt werden.

          Nach Angaben von Renaissance Capital sind in diesem Jahr schon 50 Unternehmen an die Börse gegangen. Das ist zwar ein Viertel weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, aber Analysten rechnen dennoch mit einem Rekordjahr für Börsengänge. Nach Uber wird auch mit den Börsendebüts des Messenger-Dienstes Slack und des Wohnungsvermittlers Airbnb gerechnet. Die weitere Entwicklung von Uber gilt dafür als Messlatte.

          Uber ist der größte Börsengang an der Wall Street seit dem Debüt von Alibaba im September 2014. Der chinesische Online-Händler hatte in seiner Mega-Emission an der New Yorker Börse Aktien im Wert von knapp 22 Milliarden Dollar plaziert. Das soziale Netzwerk Facebook, dessen Börsengang ebenfalls heiß erwartet worden war, debütierte im Mai 2012. Facebook wurde damals mit 104 Milliarden Dollar bewertet. Nach einer ebenfalls zu aggressiv angesetzten Bewertung fiel der Facebook-Kurs zunächst deutlich und erreichte erst nach mehr als einem Jahr wieder sein Ausgabeniveau. Seither hat sich der Aktienkurs von Facebook aber verfünffacht. Facebook war im Gegensatz zu Uber und Lyft beim IPO schon profitabel. Vor dem Börsengang teilte Uber aufgrund hoher Kosten für Marketing und Vertrieb einen Quartalsverlust von bis zu 1,1 Milliarden Dollar und einen Umsatz von rund 3 Milliarden Dollar mit.

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