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Dax verliert : Anleger sorgen sich weiter um Italien

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Die Stimmung an den Märkten sieht im Moment nicht rosig aus. Bild: Picture-Alliance

Die politische Zukunft Italiens bereitet den Anlegern Kopfschmerzen. Der Dax ging mit einem deutlichen Minus von 1,5 Prozent aus dem Handel, der Dow Jones Index weitete seine Verluste aus und die Rendite für zweijährige italienische Staatsanleihen stieg weiter an.

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          Die Sorgen um ein möglicherweise zunehmend europafeindliches Italien haben am Dienstag erheblich zugenommen und die Aktienmärkte weltweit belastet. Das bekam auch der Dax zu spüren: Er knüpfte mit einem Minus von letztlich 1,53 Prozent auf 12.666,51 Punkte an den schwachen Vortag an. Damit entfernte sich der deutsche Leitindex weiter von der viel beachteten 13.000-Punkte-Marke.

          Bei Neuwahlen in Italien im Herbst könne der Stimmenanteil der rechtspopulistischen Lega und der Fünf-Sterne-Bewegung zu Lasten der etablierten Kräfte weiter steigen, vermutete Johannes Mayr von der BayernLB. „Zudem könnte ein Wahlkampf noch stärker in Richtung einer kritischen Haltung zu EU und Euro geführt werden“, sagte der Anleiheexperte.

          DAX ®

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          „Das Gespenst einer nächsten Euro-Krise macht die Runde“, schrieb Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets. Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners sprach gar von „ersten Spuren von Panik“, vor allem am Anleihenmarkt.

          Krisenstimmung an Italiens Märkten

          In Italien sackte der Mailänder Leitindex FTSE MIB um bis zu 3,7 Prozent ab. Besonders heftig erwischte es Bankaktien wie Intesa Sanpaolo und Unicredit, die um rund 6 Prozent einbrachen. Außerdem setzte sich der Ausverkauf italienischer Staatspapiere fort: Die Rendite zehnjähriger Anleihen stieg auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2014. Die Rendite für zweijährige italienische Staatsanleihen stieg auf 2,64 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2012 - damals schossen die Renditen allerdings auf ganz andere Höhen.

          „Wir sehen einige unglaubliche Preisbewegungen bei italienischen Anleihen“, sagte Analyst Neil Wilson. „Der Markt bewegt sich mit einer Geschwindigkeit, die man seit den schwersten Zeiten der Euro-Krise nicht gesehen hat.“ Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners sprach gar von „ersten Spuren von Panik“, vor allem am Anleihenmarkt.

          Dow Jones Index verliert zunehmend

          Angesichts der politischen Krise in Italien mit ihren Absteckungsgefahren für die weltweiten Finanzmärkte hat auch der New Yorker Aktienmarkt am Dienstag seine Verluste deutlich ausgeweitet. Der Leitindex Dow Jones Industrial stand zuletzt 1,8 Prozent tiefer bei 24.312 Punkten. Damit ist seine Bilanz seit Jahresbeginn mit minus 1,6 Prozent wieder klar negativ.

          Dow Jones

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          Deutsche Bankaktien belastet

          In der zweiten deutschen Börsenreihe ging es ebenfalls abwärts: Der M-Dax der mittelgroßen Unternehmen verlor 1,3 Prozent auf 26.279,9 Punkte und das Technologiewerte-Barometer Tec-Dax rutschte um 1,8 Prozent auf 2780,5 Punkte ab.

          Der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 schloss 1,5 Prozent tiefer bei 3428,1 Punkten. Die nationalen Indizes in Paris und London gaben fast ebenso deutlich nach.

          Wie so oft bei schlechten Nachrichten aus der Peripherie der Eurozone gaben Bankaktien besonders stark nach: Deutsche Bank und Commerzbank belegten mit Kursverlusten von 4,6 beziehungsweise 4,1 Prozent die letzten Plätze im Dax. Beobachtern zufolge drohen den Geldhäusern Verluste im Geschäft mit den Anleihen dieser Länder.

          Zudem könnte die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts der stark steigenden Renditen für diese Papiere die Normalisierung ihrer Geldpolitik hinauszögern. Damit würde sich die Perspektive steigender Zinsen - von der die Geldhäuser profitieren - ebenfalls zeitlich verschieben. „Das mindert den Anreiz, überhaupt Bankenaktien zu besitzen“, sagte Analyst Arnaud Girod vom Investmenthaus Kepler Cheuvreux. Auch die Papiere von Versicherungsunternehmen standen deutlich unter Druck.

          Im S-Dax der geringer kapitalisierten Unternehmen erregte Grammer Aufsehen: Die Aktien schossen auf ein Rekordhoch von 62,40 Euro, nachdem der Autozulieferer Übernahmegespräche mit dem chinesischen Großaktionär Ningbo Jifeng bestätigt hatte. Die daraus resultierende Offerte der Chinesen von insgesamt 61,25 Euro je Aktie, welche Grammer unterstützt, war schon davor der Höhe nach im Gespräch und sorgte für keine zusätzlichen Impulse mehr: Die Aktien schlossen 19,30 Prozent fester bei 61,20 Euro, was fast exakt der Offerte entspricht.

          Am Rentenmarkt brach die Umlaufrendite von 0,24 Prozent am Montag auf 0,06 Prozent regelrecht ein. Der Rentenindex Rex stieg um 0,88 Prozent auf 142,26 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,71 Prozent auf 163,12 Punkte.

          Der Eurokurs geriet angesichts der ungewissen politischen Lage in Italien abermals unter Druck und notierte zuletzt bei 1,1551 Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit Juli vergangenen Jahres. Die EZB hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1558 (Montag: 1,1644) Dollar festgesetzt; der Dollar kostete damit 0,8652 (0,8588) Euro.

          EUR/USD

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