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Aktienkurse unter Druck : Der Anlegerblick geht nach unten

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Auch am Montag geht es mit dem Dax weiter in den Keller. Bild: Reuters

Der Ausverkauf am Aktienmarkt geht weiter. Zum Wochenauftakt bekommen viele Dax-Anleger wegen des eskalierenden Zollkonflikts kalte Füße, Marktexperten sind skeptisch und mahnen zur Vorsicht.

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          Die schlechte Stimmung am deutschen Aktienmarkt wird sich in der neuen Woche wohl erst einmal nicht so schnell aufhellen. Nach der Ankündigung neuer Strafzölle gegen China durch Präsident Donald Trump erreichte der Handelskrieg zwischen den beiden Großmächten eine neue Eskalationsstufe und setzte die Aktienmärkte weltweit wieder schwer unter Druck.

          Die neuen Strafzölle gegen China konterte das Reich der Mitte am Montag mit einer Abwertung seiner Währung. Zudem wies die Volksrepublik laut Insidern ihre Staatsunternehmen dazu an, keine Agrargüter mehr aus Amerika zu importieren. Die Einfuhren hatte sie vor einiger Zeit als Zugeständnis zugesagt, um den Konflikt zu deeskalieren.

          Der Dax  war im Handelsverlauf am Montag auf den tiefsten Stand seit Anfang Juni abgesackt und schloss 1,80 Prozent niedriger bei 11.658,51 Punkten. In der Vorwoche war der Börsenindex bereits um 4,4 Prozent eingeknickt, der kräftigste Wochenverlust seit Oktober 2018.

          Ob der Dax die gerissene 12.000er-Marke in den kommenden Tagen nachhaltig zurückerobern kann, ist mehr als fraglich. Auch psychologisch sei der Rückfall unter 12.000 Punkte nun eine Belastung, ergänzte ein Händler. Er hält es für denkbar, dass der Dax in der neuen Woche auch die 200-Tage-Linie, die als Indikator für den längerfristigen Trend gilt und derzeit bei knapp über 11.640 Punkten verläuft, testen wird.

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          Für Marktanalyst Milan Cutkovic von AxiTrader ist eine zeitnahe Lösung des Handelskonflikts nicht in Sicht: „Der amerikanische Präsident verliert die Geduld, während China nicht mit der Pistole am Kopf verhandeln will. Die potenziellen wirtschaftlichen Folgen für die Zukunft sind nicht zu unterschätzen.“ Bisher hätten die Aussichten auf sinkende Zinsen in Amerika und eine Lockerung der Geldpolitik in Europa eine größere Korrektur am Aktienmarkt verhindert. „Die Stimmung auf dem Börsenparkett wird jedoch zunehmend schlechter und die jüngsten Ereignisse dürften potenzielle Käufer weiter von Engagements abhalten“, so Cutkovic.

          „Wir sehen eine regelrechte Flucht aus Aktien. Das ist keine Panik, aber eine ordentliche Verkaufswelle. Die neue Eskalation im Handelsstreit schlägt die Anleger in die Flucht“, schrieb Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners in einem Marktkommentar. Der Punkt sei längst erreicht, an dem der Konflikt der Weltwirtschaft großen Schaden zufügt.

          „Das süße Gift des billigen Geldes wirkt nicht mehr“

          Die geldpolitischen Lockerungen der Notenbanken scheinen am Aktienmarkt keine positiven Wirkungen mehr zu entfalten. „Das süße Gift des billigen Geldes wirkt nicht mehr“, konstatierte die LBBW in ihrem Wochenausblick. Der Notenbank Fed sei es mit ihrer jüngsten Leitzinssenkung nicht gelungen, neue Kursfantasie am Aktienmarkt zu entfachen. Konjunkturrisiken würden nun wieder höher gewichtet als der monetäre Rückenwind, hieß es von der LBBW. Investmentanalyst Frank Klumpp rät daher den Anlegern, das Pulver trocken zu halten, zumal die saisonal schwachen Börsenmonate gerade erst begonnen hätten. Der Dax habe im August und September seit 1988 immer besonders gelitten.

          Die Berichtssaison hat hierzulande ihren Zenit mittlerweile überschritten, was nicht bedeutet, dass es in der neuen Woche nicht nochmal zur Sache geht: Allein aus dem Dax öffnen elf Unternehmen ihre Bücher. Es sind dies der Industriegaskonzern Linde am Montag und der Konsumgüterhersteller Beiersdorf sowie die Deutsche Post am Dienstag. Am Mittwoch sind dann der Autozulieferer Continental, der Versorger Eon, der Rückversicherer Munich Re und der Zahlungsabwickler Wirecard an der Reihe. Der Sportartikelkonzern Adidas , die Deutsche Telekom , der Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA sowie der Industriekonzern Thyssenkrupp folgen am Donnerstag. Zur Halbzeit der Dax-Bilanzsaison mit zahlreichen Gewinnwarnungen sei das Fazit bislang enttäuschend, so die LBBW.

          Konjunkturseitig dürften in Deutschland der Auftragseingang der Industrie (am Dienstag) sowie am Tag darauf die Industrieproduktion die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Laut der Postbank lässt die schlechte Stimmungslage in den deutschen Unternehmen eine Trendumkehr bei den Auftragseingängen als unrealistisch erscheinen. In der Folge davon sehen die Postbank-Experten auch die Voraussetzung für die Produktion im verarbeitenden Gewerbe als ungünstig an.

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