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Technische Analyse : So steht es um den Dax

  • -Aktualisiert am

Wie geht es im Dax nach der jüngsten Talfahrt weiter? Bild: Reuters

Der Dax ist auf Talfahrt. Wie geht es mit dem Index weiter? Eine technische Analyse, in der auch eine wichtige runde Marke vorkommt.

          Ende Juli ist es dem Dax dann doch zu viel geworden. Die diversen Handelsstreitigkeiten, der möglicherweise bald nicht mehr nur mit Worten und Scharmützeln ausgetragene Iran-Konflikt, schlechte Unternehmensnachrichten, Herr Johnson, die fehlende Reform- und Investitionsbereitschaft hierzulande und in Europa, Nordkorea, Pakistan, Indien und wohl noch einiges mehr haben ihn auf Talfahrt geschickt. Mehr denn je drängt sich die Frage auf, wie es weitergehen wird. Lassen Sie mich es mit den Stoikern halten und die entscheidenden technischen Prüfpunkte nüchtern abarbeiten.

          Punkt 1: August und September sind in den vergangenen 40 Jahren mit Abstand die schlechtesten Monate des Dax gewesen. Während jeder andere Monat eine positive durchschnittliche Performance aufweist, das gilt selbst für den sonst so gescholtenen Mai mit einem Mini-Plus, weisen August und September zusammen ein Minus von durchschnittlich rund 2,5 Prozent aus. Auch wenn bislang kaum geklärt ist, warum gerade die Sommermonate dem Dax so zusetzen: Gegen diese Statistik ist kein Kraut gewachsen. Der Punkt geht an die Bären.

          Punkt 2: Seit es mit den deutschen Indizes nach unten geht, ist bemerkenswerterweise die Stimmung am Markt nicht etwa schlechter, sondern ganz im Gegenteil besser geworden. Die Investoren sehen demnach mehrheitlich in den zurückkommenden Kursen Kaufgelegenheiten. Das war noch nie gut und ist es auch heute nicht. Im Normalfall enden Abwärtstrends in finsterer Panik. Der Rückschluss ist statthaft: Solange weder Angst oder Panik herrscht, haben Charts signifikant Luft nach unten. Auch der Punkt geht an die Bären.

          Bullen vs. Bären

          Punkt 3: Der Dax hat den seit Ende Januar intakten Aufwärtstrend gebrochen und ist kurz danach auch unter die mächtige Unterstützungszone zwischen 11.780 und 11.930 Punkten gefallen. Auch diese beiden Entwicklungen sind unangenehme Signale, die sich mit Sicherheit kein Optimist wünschen sollte. Die aktuell am Markt vorherrschende, zuversichtliche Sorglosigkeit kann damit nicht begründet werden. Kein Punkt für die Bullen.

          Punkt 4: Von großer Bedeutung ist die Frage, ob die letzten Hochs vor einem neuen Abwärtstrend unter technischen eher guten oder schlechten Rahmenbedingungen zustande kamen. Für den Dax muss gelten: Sie waren alles andere als gut. Beispielsweise hinterließ die fehlende Dynamik auf dem Weg von den Juni-Tiefs bei 11 621 Punkten zu den Jahreshochs bei 12.656 Punkten bei vielen Indikatoren die schon des Öfteren erwähnten „negativen Divergenzen“. Mit ihnen ist nur selten zu spaßen: Im Regelfall sind sie ein Indiz dafür, dass reichlich Luft nach unten ist. Auch der Punkt geht an die Bären.

          Punkte 5: Der Dax hat keine große Wahl: Er wird stets nur so gut sein können wie die Summe seiner Einzelwerte. Gerade dieser Prüfpunkt führt zu einem sehr ernüchternden Ergebnis: Mit Ausnahme von Adidas, Beiersdorf, der Deutschen Börse und RWE sind die Charts mehr oder weniger stark angeknackst oder befinden sich schon in stabilen Abwärtstrends. Dem Dax fehlt damit schlicht die Basis für einen signifikanten, nachhaltigen und mittelfristig angelegten Aufschwung. Die vier Mohikaner allein werden es mit Sicherheit nicht richten können. Fazit wie bei den Punkten 1, 2, 3 und 4.

          Runter auf 10.000 Punkte?

          Punkt 6: Eine im Regelfall halbwegs tragfähige Idee für den Verlauf einer Korrektur geht davon aus, dass sie sich in drei Abschnitten vollzieht: runter, hoch, runter oder A-B-C. Ich gehe unverändert davon aus, dass der Dax im vorigen Jahr den ersten Abschnitt, die Welle „A“, absolviert hat. Manches spricht dafür, dass nun auch die Welle „B“, die Erholung beziehungsweise „Bear Market Rallye“ zwischen den beiden abwärts gerichteten Abschnitten abgeschlossen ist. Demnach könnte sich der Dax nun in der Elliott „C“-Welle befinden. Abgesehen davon, dass dieser Punkt auch nicht an die Optimisten geht, kann einem die Charakteristik einer „C“ ein wenig nachdenklich machen: Sie ist im Regelfall eine sehr dynamische Angelegenheit und unterschreitet oft genug gut sichtbar die Tiefs der vorangegangenen Welle „A“.

          Fasst man alle aktuellen technischen Erkenntnisse zusammen, wird man erstens feststellen müssen, dass der Dax technisch alles andere als gut beieinander, die Wahrscheinlichkeit für weitere herbe Verluste in den nächsten Wochen und Monaten deshalb zweitens hoch ist und wir deshalb drittens unseren heimischen Leitindex wohl oder übel irgendwann in der überschaubaren Zukunft unter 10.000 Punkten erleben könnten.

          Um es vorsichtig zu formulieren und mich damit von den Stoikern abzuwenden: Das sind nicht unbedingt die brillantesten Aussichten. Ich will gar nicht wissen, welche Krisen damit verbunden sein könnten. Aber gerade deshalb sollte ich wohl die Frage aufwerfen, ob es wirklich notwendigerweise so kommen muss. Die Antwort darauf kann natürlich nur lauten: Selbstverständlich nicht. Allerdings besitzt die technische Gemengelage, die sich in den vergangenen Monaten zusammengebraut hat, schon einige Sprengkraft. Das Ende eines Abwärtstrends sieht jedenfalls meistens ganz anders aus.

          Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

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