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Deutsche Bank im Minus : Dax-Rally verliert an Schwung

  • Aktualisiert am

Blick auf die Dax-Tafel an der Frankfurter Börse Bild: Reuters

Am deutschen Aktienmarkt fehlt nach der jüngsten Rally frischer Schwung. Der Dax pendelt in einer engen Spanne um den Schlusskurs vom Dienstag. Im Fokus stehen neben der Deutschen Bank auch Daimler und Covestro.

          Am Tag vor dem Zinsentscheid der EZB wächst die Zurückhaltung der Anleger. Durchwachsene Firmenbilanzen hielten sie ebenfalls vor größeren Engagements ab. Die Hoffnung auf Bewegung im Zollstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China stützte aber den Markt und verhinderte Kursverluste. Der Dax notierte am Mittwochvormittag zunächst kaum verändert bei 12.492 Punkten, konnte am Mittag dann aber um 0,45 Prozent auf 12.545 Zähler zulegen.

          Die Wiederaufnahme direkter Verhandlungen zur Beilegung des Handelskonflikts der beiden weltweit größten Volkswirtschaften sei ein positives Signal, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. „Dennoch empfehle ich allen Anlegern, vorsichtig zu sein und einen Handelsdeal erst zu feiern, wenn er auch tatsächlich steht.“

          Zuletzt hatten Spekulationen auf neue Konjunkturhilfen der Europäischen Zentralbank die Kurse angeschoben. Investoren taxieren die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB den Zins für Einlagen bei der Notenbank auf minus 0,5 von minus 0,4 Prozent senken wird, auf etwa 50 Prozent. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank rechnet jedoch erst für September mit einem solchen Schritt. Im Dezember könnte die EZB noch einmal nachlegen. „Hinweise darauf dürften jedoch bereits morgen zu hören sein.“

          Gold

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          Vor diesem Hintergrund fiel der Euro auf 1,1135 Dollar und notierte damit nur noch knapp über seinem Zwei-Jahres-Tief vom Mai.

          Brexit-Drama geht weiter

          Das Pfund Sterling hielt sich mit 1,2452 Dollar ebenfalls nur knapp über seinen jüngsten Tiefständen. Zwar setzten Anleger darauf, dass das britische Unterhaus auch unter dem neuen Premierminister Boris Johnson einen ungeregelten Brexit am 31. Oktober verhindern werde, sagte Bayern LB-Analyst Wolfgang Kiener. Neuwahlen wären aber sicher die Folge. „Deren Ausgang ist erstens schwer vorhersagbar und würde zweitens wohl von einer erneuten Brexit-Fristverlängerung im Einvernehmen mit der EU begleitet werden.“ Dieses Szenario signalisierten auch die Kurse an den Terminmärkten, sagte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen.

          DAX ®

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          Gefragt war dagegen die „Antikrisen-Währung“ Gold. Sie verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 1424 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Investoren bezweifelten, dass sich die Positionen Amerikas und Chinas bei den Zollverhandlungen rasch annäherten, sagte ein Börsianer. Außerdem machten sie die Spannungen zwischen dem Westen und dem Iran nervös. Der verschärfte Iran-Konflikt verteuerte die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 0,5 Prozent auf 64,14 Dollar je Barrel (159 Liter).

          Deutsche Bank-Aktie am Dax-Ende

          Am deutschen Aktienmarkt gehörte die Aktie der Deutschen Bank mit einem Kursminus von rund 3,8 Prozent zu den großen Verlierern. Bereits vor zwei Wochen hatten die Papiere des Geldhauses nach den im Zusammenhang mit dem Konzernumbau gemeldeten Eckdaten für das zweite Jahresviertel in zwei Tagen fast 12 Prozent an Wert eingebüßt. Im bisherigen Jahresverlauf beläuft sich das Kursminus damit aber lediglich auf knapp 2 Prozent, verglichen mit einem Verlust von 55 Prozent im Jahr 2018.

          Der Radikalumbau samt Streichung tausender Jobs hat der Deutsche Bank im zweiten Quartal einen Konzernverlust von 3,15 Milliarden Euro eingebrockt nach einem Gewinn von 401 Millionen ein Jahr zuvor. Die gesamten Erträge sanken um 6 Prozent, bereinigt um Sondereffekte verringerten sie sich um 5 Prozent. Die Erträge im weltweiten Aktienhandel, aus dem die Bank sich zurückzieht, brachen um fast ein Drittel ein.

          DT. BANK

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          Die ersten Reaktionen von Analysten waren - verglichen mit der Kursschwäche - gar nicht so verheerend. Analyst Philipp Häßler vom Analysehaus Pareto Securities bemerkte, dass der um Umbaukosten bereinigte Vorsteuergewinn zwar etwas niedriger ausgefallen sei als erwartet. Doch im Geschäft mit Anleihen, Rohstoffen und Währungen habe die Deutsche Bank ähnlich wie die Konkurrenz abgeschnitten. Dies gebe Anlass zur Hoffnung, dass hier die Phase der Marktanteilsverluste vorbei sei. Eindeutig negativ überrascht habe aber das sehr schwache Geschäft mit dem Aktienhandel. Insofern sei die Entscheidung zur Aufgabe dieses Bereichs richtig.

          Analyst Kian Abouhossein von JP Morgan setzte den Fokus auf den Umstrukturierungsprozess und die Kapitalsituation der Bank. Der Konzernumbau befinde sich noch in einem frühen Stadium, aber es seien bereits Fortschritte erkennbar. Die Deutsche Bank müsse sich nun darauf konzentrieren, Altlasten und vor allem risikogewichtete Aktiva schneller abzubauen als angepeilt und ihre Kosten rascher zu senken. Sein Kollege Jernej Omahen von Goldman Sachs verwies darauf, dass die Erträge im Investmentbanking schwächer seien als jene der amerikanischen Konkurrenz. Im Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen habe sich das Institut aber respektabel geschlagen.

          Daimler-Aktien fester

          Covestro-Papiere gewannen derweil bisher 2,5 Prozent. Der Gewinneinbruch des Kunststoff-Herstellers sei nicht so stark ausgefallen wie befürchtet, schrieb Analyst Heiko Feber vom Bankhaus Lampe. Der Jahresausblick wurde dagegen bestätigt.

          DAIMLER

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          Hinter Covestro schoben sich die Anteilsscheine von Daimler mit einem Plus von rund 2 Prozent auf den zweiten Platz im Dax. Der Stuttgarter Autobauer hatte endgültige Geschäftszahlen für das zweite Quartal präsentiert. Der freie Barmittelfluss sei zwar negativ und die Margen bei Mercedes-Benz schwach, aber das zweite Halbjahr werde womöglich besser, schrieb der Experte Marc-Rene Tonn vom Analysehaus Warburg Research.

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