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Börsen-Reaktion : Dax legt nach Brexit-Abstimmung zu

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Die Ablehnung des Austrittsabkommens mit der EU durch das britische Parlament hat die Finanzmärkte am Mittwoch erst einmal kalt gelassen. der Dax legt zu und auch die Börse in London meldet Gewinne.

          Damit hatten die Märkte gerechnet: Das zwischen Großbritanniens Premierministerin Theresa May und der EU ausgehandelte Brexit-Abkommen wurde vom britischen Parlament klar abgelehnt. Börsianer reagieren am Mittwoch entsprechend abgeklärt. „Es hat den Anschein, als seien Händler und Investoren gut vorbereitet gewesen", sagte Chefstratege Michael McCarthy vom Broker CMC Markets.

          Entsprechend sind die Börsen in Frankfurt und London am Mittwochmorgen mit leichten Kursgewinnen in den Handelstag gestartet. In Frankfurt legte der Dax um 0,38 Prozent zu, in London notierte der Index FTSE 100 mit 0,22 Prozent im Plus. In Paris gewann der CAC 0,53 Prozent hinzu. „An der Börse glaubt die Mehrheit weiterhin an eine Lösung im Brexit-Chaos – auch wenn im Moment niemand weiß, wie diese Lösung am Ende aussehen soll", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners.

          Größere Schwankungen gab es vor und nach der Abstimmung vor allem beim britischen Pfund. Mittlerweile hat sich die Lage aber auch hier beruhigt. Die britische Währung notiert zum Dollar in etwa wieder auf dem Stand von vor dem Brexit-Votum. „Das zeigt, wie unsicher der Austrittsprozess bleibt und wie wenig mit der gestrigen Entscheidung erreicht worden ist“, sagte Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda.

          FTSE100

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          Auch der Euro hat sich am Mittwochmorgen ebenso wie das britische Pfund wenig von der Stelle bewegt. Am Morgen kostete ein Euro 1,1410 Dollar und damit in etwa so viel wie am späten
          Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,1424 Dollar festgesetzt.

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          Der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, rechnet nun damit, „dass man den Ausstieg um mindestens drei Monate verschieben wird“, wie er beim Neujahrsempfang der Deutschen Bank am Dienstagabend in Berlin sagte. „Denn auch die übrige EU würde bei einem harten Brexit einen halben Prozentpunkt ihrer Wirtschaftsleistung verlieren - zu groß wären die Verwerfungen für den Handel, die Finanzierungsbedingungen und das Vertrauen der Investoren.“

          Die wichtigsten deutschen Wirtschaftsverbände sehen derweil die Ablehnung des Brexit-Abkommens durch das britische Parlament als schlechte Nachricht für die Unternehmen hierzulande. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte vor dramatischen Folgen. „Unternehmen diesseits und jenseits des Ärmelkanals hängen weiter in der Luft.

          DAX ®

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          Ein chaotischer Brexit rückt in gefährliche Nähe“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang am Dienstagabend in Berlin. Es drohe eine Rezession in der britischen Wirtschaft, die auch an Deutschland nicht unbemerkt vorüberziehen würde. Jede Unklarheit gefährde Zehntausende von Unternehmen und Hunderttausende von Arbeitsplätzen in Deutschland und vor allem in Großbritannien.

          Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) betonte, die Entscheidung des britischen Parlaments komme weder überraschend, noch habe sie die Wahrscheinlichkeit eines ungeregelten Brexits am 29. März 2019 substanziell erhöht. „Ich erwarte, dass ein wirtschaftliches Chaos verhindert wird, zum Beispiel durch Einzelabkommen für eine Übergangsphase“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Ein zweites Referendum, und somit ein Verbleib in der EU, sei sogar ein Stück wahrscheinlicher geworden. Sollte es zum „harten Brexit“ kommen, werde die deutsche Wirtschaft zwar getroffen, aber nicht übermäßig hart und nicht dauerhaft. „Deutsche Unternehmen haben immer wieder gezeigt, dass sie flexibel und schnell auf Schocks reagieren können“, betonte Fratzscher.

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